Ein Denkmal für die 50-Pfennig-Frau in Berlin

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50 Jahre gab es das 50-Pfennig-Stück, und vor 50 Jahren forsteten Kulturfrauen unseren Wald wieder auf, zu einem Stundenlohn von damaligen 50 Pfennig.
Jetzt ist das 50-Pfennig-Stück Vergangenheit; Frauen arbeiten schon längst nicht mehr im Wald, und dessen Sterben ist auch schon keine Erwähnung mehr wert.
Ruth und Heinrich Ruhemann und die „Werkstatt Globales Lernen“ in Darmstadt hat das inspiriert, verschiedene Baumpflanzaktionen zu initieren: einen Kinderwald für Darmstadt, und viele weitere Projekte, auch im Rahmen der lokalen Agenda 21. Jetzt planen sie ein Denkmal für die 50-Pfennig-Frau in Berlin.

Alles, was entsteht, vergeht. Dem Prinzip des zielgerichteten Vorwärtsstrebens, grenzenlosen Wachstums und ewiger Steigerung steht das Prinzip des Gedeihen- und Gewähren-Lassens gegenüber. Die Geste der Baumpflanzerin beinhaltet all dies: sie kniet, sie pflanzt, beugt sich hinab zu dem Pflänzchen. Sie wird es hegen und pflegen und der Baum,den sie gepflanzt hat, wird über sie hinauswachsen, wird noch stehen, wenn sie längst vergessen ist. Und auch er wird wieder vergehen, oder kann von späteren Generationen genutzt werden.

Geschichte

In vielen Mythologien wird das Prinzip des Lebens durch eine weibliche Trinität symbolisiert: die Jungfrau, die Mutter und die ältere Frau. Sie sind:
Schöpferin, Erhalterin, Zerstörerin
Gebärerin, Mutter, Todbringerin
Gewordene, Seiende, Werdende
Schicksal, Wesen, Notwendigkeit
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
Im 7. Jahrtausend v. Chr. wurde in anatolischen Dörfern eine Göttin in ihren drei Aspekten verehrt - als eine junge Frau, eine gebärfähige Matrone und eine alte Frau.' Dieser typischen Vereinigung von Jungfrau, Mutter und Greisin entsprachen in Indien Parvati-Durga-Uma (Kali); in Irland Ana-Babd-Macha (die Morrigan); in Griechenland Hebe-Hera-Hekate, die drei Moiren, die drei Gorgonen, die drei Grazien, die drei Hören usw. Bei den Wikingern erschien die dreifaltige Göttin in Gestalt der drei Nornen; bei den Römern als die Parzen oder Fortunen und bei den Druiden als Diana Triformis. Das vorrömische Latium verehrte sie als kapitolinische Triade unter dem mit yoni sinnverwandtem Kollektivnamen Uni, »die Eine«. Ihre drei personae waren die Jungfrau Juventas, die Mutter Juno, und die weise Alte Menarva oder Minerva.

Die drei Nornen zB, eine Ausprägung hier in unserem Kulturraum, sind drei uralte, weise Schwestern, die gemeinsam unter einer Wurzel des Weltenbaumes leben. Dort spinnen sie den Lebensfaden der Zeit und verteilen den Neugeborenen Glück und Unglück. Urd, die Älteste, steht für die Vergangenheit (Vergehen), Werdandi, die Frau im mittleren Alter, zeigt die Gegenwart (das Jetzt) und Skuld, die Jüngste, verkörpert die Zukunft (das noch Unoffenbarte). Zusammen bilden sie die drei Zeitebenen des Seins und drehen beständig das Schicksalsrad des Lebens, auf dessen Gewinner- oder Verliererseite sich jeder einmal wiederfindet. Ihr ewiges Prinzip des "Stirb und Werde" zu mißachten, zieht Unglück, Leid und Trauer nach sich. Sich hingegen mit ihnen gutzustellen, deutet darauf hin, seine ureigenste Bestimmung zu finden und ihr zu folgen, auf dass "Sein" und seelisches Streben in Einklang kommen.

Die Figuren

Die drei Figuren werden als Silhouette aus den alten, wertlos gemachten 50-Pf-Stücken gearbeitet. Diese werden gerollt, wie bei Münzgeld üblich, und diese Rollen aneinander geschweißt. Sie bilden so die Linie im Raum.
Je nach dem Zustand der entwerteten Münzen und nach den baulichen Anforderugen sind auch andere Ausarbeitungen denkbar.


Drei Figuren stehen auf der Rückseite des Anhalter Bahnhofs, auf den alten Gleisen quasi. (Sie sind in Bewegung). Sie blicken zum alten Güterbahhof, wo inmitten dem Lärm und dem Streben der Großstadt ein kleines Paradies liegt; wo die Natur wachsen darf, mit kleinen Hilfestellungen.


Die drei Phasen des Lebens oder die drei Nornen werden durch Symbole aus der Wirtschafts- und Warenwelt dargestellt.
Die junge Frau, das Werden, wird symbolisiert durch das Kind vom Straßenschild „Achtung, Kinder!“; die Mutter und Nährerin durch die 50-Pf-Frau. Diese pflanzt eine echte Eiche; mit der Zeit wird sie über die Figur hinauswachsen, diese vedrängen. Die alte Frau, die Weise Hexe, vielleicht duch die Alte Frau von Dürer, oder die Matrjoschka (die Umsetzung ist da noch nicht klar).

Die Einsetzung der Figuren kann mit einer Tanzperformance begleitet werden: viele Frauen, im adaptierten Kleid der Baumpflanzerin, pflanzen Bäumchen in einem Tanz. Denkbar, das in veschiedenen Städten zu tun, und womöglich noch ehemalige Kulturpflanzerinnen zu finden und sie so zu ehren.

Die Figuren (2)

Nachdem ich die ungültig gemachten, gequetschten 50Pf -Stücke in der Hand habe, stelle ich mir folgende Variante vor: Die Silhouette wird als Stahlband ausgeführt und halb im Boden versenkt. Ein Baum wird in die Hände der Kulturarbeiterin gepflanzt. Und der Bodenraum im Inneren der Silhouette wird mit den Geldstücken geschüttet; wie mit Kies.
Oder der Umriss wird als Mäuerchen ausgeführt, mit Baum und 50Pf-Kiesbett. Das gibt einen interessanten Sitzplatz für etliche Personen.
Drumherum können Tafeln mit Infos zu den Kulturarbeiterinnen im Besonderen; zum 50Pf- Stück; zum Komplex Geld-Baum-Natur angebracht werden.

Aktionen in vielen Städten

Die Kulturpflanzerin heute muss keine Baumpflanzerin sein. Sie könnte eine Gärtnerin sein. Viele Großstädte leiden unter einer Entvölkerung der Innenstädte, haben Viertel, die immer mehr herunterkommen, und vormals industrielle Brachflächen vermehren sich. Die Integration von Migrantinnen und Migranten drängt. Gründen wir Internationale Gärten in vielen Städten! Frauen aus allen Ländern bearbeiten Brachgrundstücke im urbanen Raum. Zur Initiierung gießen sie gemeinsam die Silhouette als Betonmäuerchen und pflanzen einen Baum. Das wird dann der Ruhepunkt während der Gartenarbeit und ein Treffpunkt für Besucherinnen und Besucher. Die Community Gardens bieten Selbsthilfe für Erwerbslose, Identifikation von Zuwandernden mit der neuen Heimat („Verwurzeln“), soziale Gestaltung durch Eigentätigkeit, Knüpfen sozialer Netze, Lebendigkeit für den Stadtraum und vieles mehr.

Stichworte

Alles Leben ist Wandel
Leben versus Beherrschen
wachsen lassen versus Kontrolle
Bäume pflanzen - die Natur fördern
Baumpflanzerinnen ehren
Drei Nornen
Geld fließt, Geld wandelt sich; Geld hat lebensbewahrende Kraft, wenn sie richtig eingesetzt wird