Fotografie / Malerei13. Februar 2003

Adam & Eva im isländischen Eden

«Paradís undir jökli – Paradies unter dem Gletscher» in der Zuger Galerie Schmu_Ku_Ku

In die unberührte Natur Islands setzten Mark Hofstetter und Gertrud Schrenk kleine Püppchen und ihre eigenen Körper. Eine gelungene Ausstellung bei Brigitte Moser präsentiert ihr Spiel mit Natürlichkeit und Künstlichkeit.

Ein Mann und eine Frau, wie Gott sie geschaffen hat, posieren in der weiten, freien Natur Islands. Der Ursprung des Menschen ist zwar weiter südlich verortet. Doch Mark Hofstetter und Gertrud Schrenk haben die karge Insel als Paradies gewählt, wo sie Adam und Eva darstellen. Auf einer mit der Camera obscura aufgenommenen Fotografie liegen sie nahe beieinander, die Köpfe einander zugeneigt, ihre Körper berühren sich. Das Bild strahlt eine von Ruhe erfüllte Intimität aus, überzogen mit einem Hauch Unendlichkeit.

 

Auseinanderdriften und Zusammensein: Durch Bildkombinationen entstehen widersprüchliche Aussagen. Unten eine Camera-obscura-Aufnahme (108x82cm, 2002) von Mark Hofstetter und Gertrud Schrenk. Foto DF


 

Auf einer anderen Aufnahme stehen Mann und Frau nahe beieinander vor einem Felsbrocken, im Hintergrund türmen sich Geröllgebirge. Zwei kleine Menschen vor der Unwirtlichkeit einer steinigen, aber nicht bedrohlichen Umwelt.

 

Echtes und künstliches Paar

Hofstetter und Schrenk, allein im Hochland Islands, haben in dieser rauen Gegend Freiheit und Unbeschwertheit – eben ein kleines Paradies – für sich entdeckt, was sie mit dem Ausstellungstitel, «Paradìs undir jökli – Paradies unter dem Gletscher» zum Ausdruck bringen. Im Laufe eines Monats fotografierten sie die Landschaft und sich selbst. Sie liessen sich auf ihren Aufnahmen aber auch vertreten. Auf mehreren Bildern tauchen statt der echten Menschen Püppchen auf. Diese Fotografien mit künstlichen Modellen sorgen für interessante Kontraste, erreichen aber nicht die Intensität der Aufnahmen mit dem «echten» Paradiespaar.

 

Ästhetik neben Kitsch

Eine wohltuende Irritation entsteht durch die ungewohnte Kombination der Exponate. Zwei bis zehn Bilder sind jeweils zu Werkgruppen zusammengefügt: digital auf Leinwand gedruckte Farb- und Schwarz-Weiss-Fotografien, Videostills und zwei Ölbilder.

Auffällig sind auch die – teilweise durch den Computer bearbeitete – Farbgebung sowie die einander gegenübergestellten Inhalte. Eine ästhetische Ansicht des Frauenrückens hängt, Kante an Kante, unter einem kitschig anmutenden Foto, auf dem zwei Püppchen einen steinigen Berghang emporsteigen. Ein Bild, das eher dem Cyberspace denn der Realität entnommen scheint.

 

Ausrüstungs-Stillleben

Die Darstellung der heilen Welt wird auf mehrfache Weise gebrochen. Gertrud Schrenks grossformatiges Ölgemälde einer grünen Hügellandschaft hängt neben einer Fotografie eines moosigen gewellten Bodens, aus dem ein Horn sticht, von kitschigrosa Blümchen umgeben. Darunter sind, einem Stillleben nachempfunden, diverse Reiseausrüstungsgegenstände schön säuberlich nebeneinander ausgelegt. Adam und Eva scheinen doch nicht ohne Equipment auszukommen.

 

Im Mikrokosmos

Mark Hofstetter arbeitet als Architekt in Zug, abwechslungsweise lebt er hier und, zusammen mit Gertrud Schrenk, in Mannheim. Unter dem Titel D_K_M_N_M_M (Das kann man nicht mehr machen) haben sie bereits mehrere gemeinsame Projekte realisiert.

Zur aktuellen Ausstellung im Atelier von Brigitte Moser haben die beiden einen installativen Bogen von ihren Arbeiten zu jenen der Schmuckkünstlerin geschlagen: Im Schaufenster liegen Mosers Kreationen aus verschiedenen natürlichen Materialien, von Edelsteinen bis zu Pferdehaaren, darin eingefügt sind einzelne, winzige Püppchen, die kleinen Evas und Adams der Fotografien.

Wer sie mit dem bereitstehenden Fernrohr betrachten will, taucht in einen Mikrokosmos ein: Ein auf Pferdehaare gestecktes Püppchen bahnt sich in der neuen Perspektive mühsam einen Weg durch ein Meer von dicken Ästen.

Franziska Meier

 

 



Verweise

Ausstellung bis 2.3. in der Galerie Schmu_Ku_Ku, Zug.

Artikel-Info

Datum: 13. Februar 2003

Zeitung: Nr. 13 vom 14. Februar 2003

Autor/-in: Franziska Meier (franziska.meier@zugermedia.ch)