Weblog 2006 - was mir so auffällt...

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Laubbläser

27. Dezember 2006

name="laubblaeser"

Es ist der erste Werktag nach Weihnachten. Um halb sieben Uhr werde ich geweckt – ja, man glaubt es kaum, von einem Laubbläser! (Mannheim modifiziert die EU-Richtlinie: 7-9 Uhr und 13-15 Uhr, nicht, wie andere Städte).

Doch, es gibt Leute, die machen zwischen den Jahren Ferien, da ist alles still und friedlich ...

 

Glosse: "Die Luftwaffe" >>

Warum müssen die Dinger eigentlich keinen Schallschutz haben?? "Hier sei die Frage erlaubt, ob es nicht der gute alte Rechen oder Laubbesen tut. Der schont die Ohren (die eigenen und die Ihrer Nachbarn), Ihren Geldbeutel und die Kleinstlebewesen im Laub." (Stadt Mannheim...)

Nordmanntannen

25. Dezember 2006

 

ah, bin ich froh, nach 2 Jahren herausgefunden zu haben, warum der weihnachtliche Raumduft nicht mehr kommt...

Die Nordmanntannen sind zwar sehr schön, dunkle Nadeln, dicht, aber – sie duften nicht! Sie harzen nicht, und der Duft ist natürlich im Harz!

geschmückter Weihnachtsbaum mit Figur im Hintergrund

 

Jetzt ist wieder alles richtig: eine Blaufichte, die grün ist, habe ich frisch gepflückt, hinter Schwetzingen, da gibt es eine Christbaumzucht – und einen starken frischen Harzduft verbreitet sie, unermüdlich, dieser Geruch, er macht mich glücklich!

Anna flieh

20. Dezember 2006

Frau im Spiegel, Boden im Schachbrettmuster

Anna flieh!
Vier Lichter am Turm
Zwei in der Mitte
Eins drüber
Eins drunter
Sie blinken rot
Langsam
Sie blinken und löschen mein Herz aus
Das Rot frisst sich in meinen Körper
An - aus - an - aus
Es ergreift Besitz von mir
Ich löse mich auf
Darin
Ich werde aufgelöst
Das Gas
Ist geruchlos
Kochanie
Du willst mich heiraten
Du wirst mich verraten
Verraten
Mathilde tät die zwei Lichter auslöschen
Wirft das Lumpenmensch
Ins Feuer

Deutschland - Jammern?

17. Dezember 2006

"Die deutsche Depression" von Konstantin Faigle im ZDF Dokukanal
filmstarts.de >> , kino-zeit.de >>

Man scheint sich darüber einig, dass die Deutschen mehr jammern als andere.

König Ludwig II - deutsche Depression

Ich kann das gar nicht sehen ... Wer hat dieses Schlagwort eigentlich aufgebracht? Es waren Politiker, Medien und bestimmte Interessengruppen, die uns versuchten weiszumachen, Deutschland gehe es sehr schlecht.

Ich meine, das angebliche "Jammern der Deutschen" ist nur ein "mieses Mem", wie Vera Birkenbihl in dem Film solche virusartige Verbreitung von Negativ- Informationen nennt. (achja, Frau Birkenbihl – es gibt noch so viel zu entdecken und zu lernen!!)

Depression – ja, die sehe ich.

 

Aber ob Konstantin Faigle entscheidende Einsichten dazu liefern konnte? Aus seiner Liste: Neid, Arroganz, mangelnder Humor, Realitätsverlust.

Mir fehlen zwei mögliche Ursachen entscheidend:

Die Welt ist böse, und wenn man davor nicht die Augen verschließt – muss man leiden. Als pathologisch abzustempeln, wenn man reflektiert, die Dinge kritisch betrachtet und die Grausamkeit der Welt mit klaren Augen sieht, ist zynisch.

 

und zweitens: eine geradezu aggressive Angst vor Nähe und daraus resultierende Kontaktunfähigkeit vieler Deutscher führt fast zwangsläufig zu Depressionen, denn der Mensch ist, wie wir schon auf der Schule gelernt haben, ein zoon politicon, ja, doch, ich habe humanistische Bildung genossen ... (ich habe nur in einem Land fanatischere Einzelgänger und Kontaktablehner gesehen, mehr gesellschaftliche Sanktionierung von Gefühlsausdruck und Lebendigkeit: und das ist, ja, ich muss es sagen, Island. Dort kannst du erleben, dass beim Konzert einer Afrikanischen Combo das gesamte Publikum regungslos auf den Stühlen sitzt und nachher höflich klatscht ... )

Ich meine die emotionale Armut, der Mangel an wirklichem Kontakt, also zB. einem Fremden kurz in die Augen sehen, sich wahrnehmen, sich auf den anderen kurz einstellen, zwei Sätze. Dafür wird man hierzulande fast eingeliefert ;-(naja, ich übertreibe natürlich); kurzer Körperkontakt, jemandem kurz den Arm tätscheln – hierzulande ist das üble Anmache. Lachen, mal laut sein, Gefühle zeigen, auch mal heftig werden, mal still – damit wirst du hierzulande als unreif bis psychisch auffällig eingestuft.

 

gerade der Filmemacher selbst wirkt kühl, eine echte Regung kann ich während des gesamten Films nicht wahrnehmen. Nicht absichtlich; sein Selbst ist einfach viel zu tief vergraben.

Der Typ hat ja auch Depressionen, wie er unumwunden in dem Film dokumentiert...

Kunst als Blockbuster?

17. Dezember 2006

 

Roger M. Buergel, der Leiter der documenta 12: (FR vom 16.12. >>)

"Demgegenüber besteht er auf seriöser wissenschaftlicher Recherche, auch darauf, dass es manchmal besser ist, wenn zehn Leute eine Ausstellung verstanden haben als wenn 100 000 hindurch gerannt sind. "Kulturpolitiker verstehen das", sagt er..."

 

 

na, da waren wir ja mit unserem Pattern Project topaktuell, der documenta voraus ;-) und der "Intellektuelle Eros" war besonders deutlich!!

Eyes wide shut

 

13. Dezember 2006

 

Der Gutmensch

 

Ich meine nicht den Gutmenschen als Kampfbegriff der Egoisten.

 

Ich meine die Bildungsbürger, behütet aufgewachsen (welche Abgründe sich dahinter auftun, lassen wir jetzt mal beiseite), die annehmen, dass der Mensch gut sei.

In seinem gerade auf deutsch erschienenen Buch "Israels Existenzkampf - eine moralische Verteidigung seiner Kriege" begründet Yaakow Lozowick seine Stimmabgabe für Scharon. [...] "mussten für den Fall zukünftiger Verhandlungen unsere Vertreter skeptische Hardliner sein, da die vertrauensvollen, optimistischen, friedenssuchenden sich als verheerend naiv erwiesen hatten".

Yaakow Lozowick - Israels Existenzkampf

 

naja, zur Wahl der Hardliner hätte es auch noch Alternativen gegeben. Rabin war bestimmt nicht naiv.

Aber die Naivität, das Nicht- Sehen- Wollen – die Welt ist so schlecht, weil die Guten nicht genug tun... Sie handeln nicht. Weil sie nicht wahrhaben wollen, was sie sehen. Woher kommt das?

 

Beispiel: Eine Bildungsbürgerin, alternativer Lebensstil usw, macht sich Gedanken darüber, ob sie ihre Haustür abschließen soll.

Wegen dem Vertrauen in der Welt, das sie dadurch vermindere...

_Das ist die Naivität, die sich als verheerend erweist.

Diese Leute glauben, dass die Menschen gut seien, das meinen, was sie sagen, nicht bewusst lügen usw.

Mir bleibt da nur die Spucke weg. Obwohl – wahrscheinlich hören sie nur das, was sie wollen, und das glauben sie dann. Sonst würden sie auch die anderen Sachen hören und glauben. Dass "Roma Probleme machen" (hier glaubt man dann nicht, dass die Leute das genau so meinen, sondern wiederum an die Macht der Aufklärung, auf die diese Leute, die so etwas sagen, reagieren werden...), dass "der Jungbusch ganz schlimm sei", dass "die Ausländer sich ja nicht integrieren wollen", dass Bush und Cheney die Absicht hegen, den Iran mit Atomwaffen anzugreifen FR Doku >>. Dass "Hitler die Juden von Anfang an ausrotten wollte" – hätte man sehr früh lesen – und glauben können!

David Ellsberg

processing

10. Dezember 2006

.. o Mann, das nimmt kein Ende, warum nur muss ich so viel schreiben, ich hab doch eigentlich gar keine Zeit

zentralkomposition grau-grün

...ich muss doch am Vortrag von Ludger Hovestadt arbeiten, für Katalog und website, er hat ihn frei gehalten, es gibt kein script, und ich muss es vom Mitschnitt abschreiben und in eine Form bringen.

Hovestadt spricht von einem Paradigmenwechsel.:"Wir unterscheiden zwischen hierarchischen Systemen oder asymmetrischen Systemen, die auf dem Begriff der Energie oder der Ursache- Wirkungskette basieren. Das sind hierarchische Strukturen, zB Newton 1674, die in solchen Abhängigkeiten die Welt organisieren. Das ist auch das, was Sie hier in den Rastern sehen. Das ist auch das, wie unsere Welt momentan organisiert ist. Das ist ein asymmetrisches System. Wir gehen irgendwo hin, holen Zeug aus der Erde raus, stellen es hier oben drauf, benutzen es und schmeißen es dann weg. Das ist asymmetrisch. Was wir hier sehen, ist hierarchisch, und es ist asymmetrisch. Wir haben davon einen Vorteil, wo anders gibt es einen Nachteil, und der interessiert uns aber nicht. Das Phänomen ist jetzt, dass es seit geraumer Zeit den Begriff der Information gibt, als theoretischer Begriff geprägt von Shannon seit 1946. Da geht es jetzt darum, dass die Dinge anfangen, wenn ich etwas nehme, muss ich das auch geben, dass das eine wechselseitige Beziehung ist. Entropie Physik Wechselwirkung Netzwerke, und man bezeichnet das dann als symmetrisches System.

Wieder Verbindungen: zu den Arbeiten von Tomma Abts. Ihre Arbeiten – Computergekritzel?

Hovestadts Arbeitsgruppe an der ETH Zürich, deren Kernthema die Suche nach einer Struktur in den Dingen ist, aus der durch verschiedene "Kleider" und durch Variation und Iteration dann die Produkte entstehen, hat diese Struktur für die klassischen Säulenordnungen gefunden und per Computerei daraus alle bekannten Säulentypen herleiten können. Säulenatlas >>

Zur Programmierung einfacher Strukturen als Grundlage komplexer Repräsentationen wird dort die software "processing" eingesetzt. Sie sei speziell dafür entwickelt, auf einfache At und Weise die Grundlagen des Programmierens zu erlernen, speziell für visuell orientierte Leute ... Wann hab ich endlich Zeit dafür???

Ganz neue Fragen für meine Wishbone- Ornamente tun sich auf. Kann ich da eine Struktur finden, diese dann programmieren; aber, die Hauptfrage: was wird der Unterschied zwischen intuitiv gewonnenen Mustern und den Programmierten sein? Wie ist das Verhältnis des zeitlichen Aufwands? Das ist ein oft vernachlässigtes Kriterium gegen Computerei: der Aufwand ist meist wesentlich höher als der Nutzen.

 

Der Aufwand, angefangen von der Software- Entwicklung, der Hardware; des Aneignens von Fähigkeiten; der Wartung der Geräte; Auswahl und Präsentation der Ergebnisse. Und nicht zuletzt: die Zeit, die man für Sport, Gymnastik aufwendet, um den Körper von den Strapazen des ewigen Vor- dem -Computer -Sitzens zu entlasten und Schäden vorzubeugen ;-)

Wo soll das enden

9. Dezember 2006

Tomma Abts findet die Zuerkennung des Turner- Preises "nett"

...und zuckt nur mit den Schultern.

Das ist schon keine Arroganz mehr, das muss Dummheit sein. Oder völlige Realitätsferne. Wie abgeschnitten muss man von seinen Gefühlen sein, dass man bei so einem Preis nicht aus dem Häuschen ist! oder wie verwöhnt ...

 

Und dann, ein Grund dafür, dass sie den Preis gewonnen habe, sei, dass die Jury wohl meinte, es sei nun endlich mal eine Frau dran.

Wir übersetzen:
a) Sie hat den Preis nur bekommen, weil sie weiblichen Geschlechts ist. Das heißt, die Qualität ihres Werkes ist nicht hoch genug.
b) Gerechter wäre es wohl gewesen, wenn wieder ein Mann den Preis "ehrlich" bekommen hätte, als dass sich Leute Gedanken machen und entgegen ihrem bisherigen "Gefühl" der Realität Rechnung tragen und quotenmäßig entscheiden.

Bitter: die Rezension von Niklas Maak in der FAZ v. 5. Dez. 2006 >> :

"Der Turner Prize hat sich nach Jahren des größtmöglichen Radaus in eine milde Feel-good-Moderne verabschiedet, die sich vorrangig um „Stimmungen“ kümmert. Die von einer Herausforderung zur bloßen Stimmungsdekoration heruntergemilderte Kunst kommt damit endgültig wieder an jenem Ort an, vor dem die Avantgarden geflohen waren: im Salon, im Wohnzimmer, wo die Tapete, die Schwundstufe der abstrakten Moderne, schon hämisch grinsend wartet."

zurück zur Dummheit, Verzeihung ... ist es symptomatisch für die Zeit, dass einer der begehrtesten Kunstpreise an ein Werk geht, das keine Fragen stellt, sondern Antworten liefert; das völlig ohne Intelligenz auskommt; ohne Reflexion (die beschränkt sich darauf, überspitzt ausgedrückt – das Bild sei fertig, wenn es fertig sei –). Die Intuition reflektieren, im nachhinein, dann wieder intuitiv arbeiten, wieder zurücktreten, denken, Gedanken und Sichtweisen von anderen aufnehmen und einarbeiten, darauf aufbauen. Intuition ist nicht statisch, sie wurde und wird geformt von all unseren Erfahrungen.

Ja, auch das ist ein interessanter Weg, immer bei dem gleichen zu bleiben und immer tiefer einzudringen, die Sache immer mehr auf den Punkt zu bringen.

Ob das bei Tomma Abts der Fall ist, weiß ich nicht.

Wirklich nicht. Ich kenne zu wenig von ihrem Werk und schon gar nicht in seiner Entwicklung. Ich kenne nur zu viele Künstlerinnen und Künstler, die immer das gleiche wiederholen, aber sich nicht vom Fleck bewegen.

Fleißkärtchen könnte man das nennen - - - da ist zB die hochgehandelte Hanne Darboven, oder On Kawara, der, in gut beschäftigungstherapeutischem Stil, immer das Datum des jeweiligen Tages aufschreibt ... nenne es Konzeptkunst, und es findet Eingang in die Kunsttempel ...

 

Man könnte es aber auch des Kaisers neue Kleider nennen – doch auch diese Sicht kann man wiederum reflektieren, auf höherem Niveau: Burkhart Schmidt wies in seinem Vortrag auf unserem Pattern Project darauf hin, dass da ja viel, viel Arbeit drin steckte, die Leute haben mindestens genau so viel für die Fantasie- Kleider des Kaisers gearbeitet, wie wenn sie wirklich gewesen wären; dazu haben sie noch einen virtuellen Mehrwert produziert – oder nenne es einen Mehrwert im Reich der Symbole, Wünsche und Fantasien, ungleich stärker in der Wirkung und schwieriger herzustellen.

Und das wird, auch politisch, immer unterschätzt:

Womit bewegt man die Massen? mit Qualität? mit Fakten, Informationen?? mit Geld???

Nein, mit Symbolen - - -

Dafür sind sie bereit, alles zu geben.

Zeitgeist-Historiker

9. Dezember 2006

3sat Ehrensendung für Joachim Fest

Nein, ein schlechter Mensch war er wohl nicht. Also gut, ich habe ihn ja nicht gekannt ...

Doch blind ist er, ja, ist mir gleich bei der Lektüre seiner Speer-Biografie aufgefallen >> (und dort auch zwei Artikel weiter unten)

 

Aber jetzt, darf eine Sendung in einem intellektuell hochstehenden Sender als Auswuchs von "Zeitgeist- Historikern" diffamieren, dass neuere Erkenntnisse die aktive Täterschaft Speers an der Judenvernichtung belegen; sodass Speer hätte bei den Nürnberger Prozessen auch gehängt werden müssen. _Dem wiederum kann Fest nicht zustimmen. Speer habe einen guten Charakter gehabt ...

Turner- Preis für geometrische Kunst

6. Dezember 2006

.. und zum ersten Mal in seiner Geschichte an eine Maler_in

Kunsthalle Basel zentralkomposition grau-grün

"Rückkehr zu Regeln, zu Sicherheiten in der Kunst: Die 38-jährige, in Kiel geborene und in London lebende Malerin Tomma Abts gewinnt den prestigereichen Turner-Preis 2006. In ihren Arbeiten dominieren einfache Farbgebungen und die Reduktion auf Wiedererkennbares, auch Erwartbares" schreibt die TAZ . Um am Schluss dann doch zu kapitulieren: "Auf einmal steht man wieder vor einem Bild und blickt ihm ins Gesicht."

Angeblich würden hier wieder Fragen aufgeworfen, was denn Kunst sei. Und über diese geometrisch- gegenständlichen Arbeiten gebe es keine Diskussion. Es seien Bilder, die auch der Konservativste noch als Kunst bezeichnen würde.

 

Das will mir nicht einleuchten. In traditionellen (Tradition ist ja mittlerweile die klassische Moderne) Kunstkreisen würde man das eher als Kunsthandwerk einstufen.

Vielleicht, weil es nichts gibt, woran man sich stoßen könnte.

Vielleicht, weil sie wenig intellektuellen Mehrwert haben. Auch die Erklärungen und Antworten der Künstlerin sind überaus banal. (Ich habe das auch mal angefangen, eine Fläche intuitiv mit Formen zu füllen und diese dann mit auserlesenen Farbtönen durchzukomponieren – man schiebt so lange, bis "... everything is in place" (Interview >>) _Das – war mir zu einfach und zu langweilig ...)

 

ein ausführliches pdf bei Art-online >>

Die Bilder sind einfach, aber in der Ausführung von hoher Qualität. Ich bin froh, dass hier einmal die sinnliche, malerische Qualität ausgezeichnet wird. Die Obsession der kleinsten Nuance.

Und da bin ich noch auf eine lustige Quelle ("Wirre Sätze zur Kunst") zum Thema Kunstinterpretation gestoßen, Beispiel: "...werfen den Deutungsmotor an, ohne den eine solche Ausstellung einfach nicht läuft, und stoßen die übliche kilometerlange Auspufffahne eines absolut unlesbaren Textes aus."

 

Propaganda

4. Dezember 2006

Ich blättere im "morgenweb", der online-Ausgabe des Mannheimer Morgen. Ein Beitrag aus dem Jahr 2000:

 

"Vorbild Jungbusch

Das einmütige Lob der Stadträte im Ausschuss für Umwelt und Technik haben sich die Akteure im Jungbusch redlich verdient. Was hier seit Jahren in Zukunftswerkstatt, Koordinierungskreis und Gemeinschaftszentrum geleistet wird, ist vorbildlich. Das jetzt vorgelegte Ergebnis kann sich schon deshalb sehen lassen, weil es enorme Entwicklungsmöglichkeiten nicht nur im einstigen Hafenquartier selbst, sondern auch für die gesamte Stadt offenbart. Das gemeinsam erarbeitete Rahmenpapier dokumentiert zudem, dass eine moderne, die Bewohner integrierende Planung möglich ist. Alle Dezernate sitzen mittlerweile mit im Boot - gut so. ..."

Daran hat sich nichts geändert. Die Bürgerbeteiligung ist gleich Null, im Koodrinierungskreis sitzen fast nur städtische Angestellte. Die nicht im Jungbusch wohnen. Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt und andere, von der Bevölkerung ausgehende Aktivitäten, verschwinden sang- und klanglos. Die Spaltung des Jungbusch in Bildungsbürger und "den Rest" ist eher noch größer geworden. Mahnungen in eine effiziente und effektive Form der Einbeziehung _aller Bevölkerungskreise verhallen wirkungslos (siehe das 2004 von der Stadt Mannheim in Auftrag gegebene Gutachten >>)

 

Weitere Artikel im morgenweb zum Jungbusch: da wird das Nelson gelobt (einen ganzen Artikel ist das dem MM wert...) - welcher Privatinvestor kann schon auf eine solche kostenlose PR hoffen ... Das Nelson, das wiederum eindrücklich die Spaltung dokumentiert: nur BildungsbürgerInnen, und vor allem deren (fast erwachsene) Kinder kehren dort ein – ja, doch, ich war da auch schon - - -).

aber dann:

 

"Im Jungbusch, an einer belebten Straße, in der türkische Kinder spielen und junge Männer quasselnd herumstehen, liegt in einem grünen Hinterhofidyll..."

Die Mulitkulti-Idylle als Theaterkulisse für Besucher aus dem Bildungsbürgertum. In der Wirklichkeit will sie niemand haben. Alles wird getan, dass keine "jungen Männer quasselnd auf der Straße" stehen – es sind auch schon viel weniger geworden. Bald haben wir eine ruhige, friedliche, saubere, ordentliche Straße wie die Parallelstraße, die Kirchenstraße.

Aber ist das dann noch zu Hause, gemütlich, kontaktfreudig, lebendig, vielfältig?

Dann hockt wieder jede und jeder vor dem eigenen Fernsehen... einsam, auch in der Kleinfamilie ...

Gastfreundschaft statt Toleranz

3. Dezember 2006

"Nur die Kultur kann überleben, die sich für andere Kulturen öffnet, mit ihnen verschmilzt."

 

Wladimir Kaminer ("Russendisko") im Interview mit der FR (leider online nicht verfügbar, ich muss das dann mal einscannen).

_Das – lässt hoffen: Er sitzt im 26köpfigen neuen Integrationsrat NRW, zusammen mit Fritz Pleitgen, Cem Özdemir – und Rita Süßmuth, die sich nie nach populären Ritualen gerichtet hat. Die immer der Sache verpflichtet war und nicht der Partei. Die deshalb parteienübergreifend agiert.

"... Das gängigste Konzept der Integration in Deutschland ist doch die Toleranz. Die Politiker gehen dabei von einer deutschen Leitkultur aus, die andere Kulturen tolerieren soll. Dieses Dominanz- Empfinden stellen sie nicht für eine Sekunde in Frage. Sie glauben an eine bessere Kultur, die die Wilden dieser Welt unter ein Dach bringen soll. Dieses Denken, dieses Gefühl der Überlegenheit hat mich schon immer auf die Palme gebracht . ...

--- Und Ihr Gegenvorschlag?

Ganz einfach: die traditionelle Gastfreundschaft. Das bedeutet für mich: Ich lasse die Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, erst einmal in Ruhe machen so lange es der gemeinschaft dient, und stelle keine großen ansprüche an sie. Sie tragen ja auch etwas zur Kultur in Deutschland bei. Kultur ist nach meiner Vorstellung nichts Festes, sie entwickelt sich ständig weiter, und die Migranten bereichern sie. Nur die Kultur kann überleben, die sich für andere Kulturen öffnet, mit ihnen verschmilzt."

 

Düsseldorf ++

27. November 2006

da kann man was erleben ...

Als erstes die Ausstellungseröffnung von Gudrun Schuster. Das Bärchen ist von Mannheim nach Bochum gewandert, in die Galerie des Bochumer Kulturrat, einer ehemaligen Zeche, die, wie so viele, in eine Kulturstätte umgewandelt wurde.

Ich wollte ja eigentlich lieber ins Ruhrgebiet ziehen ...

Vernissage
Goldbärchen

Das Bärchen hat Zuwachs bekommen ...

und es gab noch eine Hundeflüsterin – faszinierend, wie sie mit ihrem Hund kommunizierte, fast ohne Gesten oder Worte.

schwarz.weißer Hund, am Boden liegend
Bachsteingebäude

Und dann eine sog. Künstlermesse, die "Kunstquadrate", auf der Zeche Zollverein, die ja Weltkulturerbe ist, zu Recht! unglaublich, welche Ausmaße das Ganze hat, und die Hallen, wie Klötze gelagert; wie aus dem Computer gerechnet, streng und klar.

Kunstquadrate – ein paar gute Arbeiten gab es:

Iwona Liegmann mit "gebastelten", geschmückten Objekten
Jürgen Chill – seine Fotoarbeiten passten sehr gut in das "Bodenkonzept" der Ausstellung. Dieses Video ist ein _Muss! Tetris auf neue Art ...
Patricia Lambertus - die schönsten Arbeiten hatte sie nur als Katalog dabei
Barbara Deblitz – der Ekel "vermustert"

schwarz.weißer Hund, am Boden liegend
Bachsteingebäude

Der Landschaftspark Duisburg Nord – wir sind 1 Stunde herumgefahren und haben ihn nicht gefunden! Erst als wir ein Schiffahrtsmuseum fanden, und dort fragten, waren es – nur 5 Minuten.

Wenige Schilder, in den Karten nicht eingezeichnet. Im Gegensatz zur Zeche Zollverein. Die findet man sofort.

Der Landschaftspark ist dafür liebenswerter, alles wird "gepflegt verfallen" gelassen, man kann überall hin, auf die Türme, mit der Aussicht über das ganze Ruhrgebiet. Ein Freizeitgebiet, kein Eintritt, man wundert sich, dass nicht mehr Familien sich hier aufhalten.

und überall Muster, Muster ...

schwarz.weißer Hund, am Boden liegend
Bachsteingebäude  

Auf der Rückfahrt kann man auf der Autobahnraststätte dann für 50 Cent diese Installation genießen:

name="klobrille"

Manifest der 25

16. November 2006

... ich würde ja gern mal wieder über schöne Sachen schreiben ...

... aber wenn ich sowas lese ... 25 deutsche Politologen lehnen falsch verstandene Rücksichtnahme ab und plädieren für eine "belastungsfähige Freundschaft" zwischen Deutschland und Israel.

Manifest >>

 

Am nächsten Tag etwas über US Unis, mit einem großen Bild eines Pitbulls mit Maulkorb drauf. Der ganze Artikel handelt von der "übertriebenen Political Correctness" und dass die amerikanischen Unis fest in der Hand der "Linken" seien.

Wir erinnern uns: PC ist ein Kampfbegriff der Rechten, den diese eingeführt haben, um Sorgen um Benachteiligte zu diffamieren. Nach dem Motto: man wird doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen. wikipedia: PC >>

 

 

Als Beispiel eines Opfers wird ein Professor angeführt, der – jedenfalls wie es die Zeitung, FR, darstellt – an seiner Äußerung scheiterte, ob die Unterrepräsentation von Frauen in den Naturwissenschaften nicht wielleciht ihr eGründe in geschlechtsspezifischen Neigungen haben könnte.

Wir wissen nicht: was hat er genau gesagt? War diese Äußerung vielleicht der Tropfen, der ein Fass zum Überlaufen brachte? usw usw Für sich genommen als Kündigungsgrund natürlich absurd ...

 

 

Das Thema: Mädchen spielen mit Puppen, Jungs mit Autos. Wie alt ist das Thema jetzt? Und immer die Frage: ist das genetisch bedingt? Eltern, die sich die größte Mühe gegeben haben, ihre Kinder nicht geschlechtsspezifisch zu erziehen, sind frustriert. Die Mädchen wollen nun mal nicht KFZ-Mechaniker oder Physiker werden.

Dabei ist das Ganze doch geklärt: eine so umfassende Erkenntnis, und man hört kaum etwas davon!

"Babys Welt" - eine Doku im ZDF Dokukanal. Äußerst interessante Erkenntnisse, wie Babies lernen, und wann sie was begreifen. Eindrücklich zB, dass sie erst ab einem bestimmten Alter skalierte Gegenstände wiedererkennen können. Also: Ein großer Sessel, und ein kleiner Nachbau, in Puppengröße. Ich will das ganze setting hier nicht aufführen...

 

 

Und die Frage, ab wann Babys wissen, dass es 2 Sorten Menschen gibt, und zu welcher Sorte sie gehören: unter 1 Jahr! Ich habe vergessen, ob es 8 oder 10 Monate waren.

Davor jedenfalls nicht.

Also nicht genetisch ...

Man weiß also, zu welchem Geschlecht man gehört, und man erlernt dann die für das eigene Geschlecht üblichen Verhaltensweisen.

Deutlich wurde auch, wie stark dieser "Rollenzwang" ist ... der Film wertet natürlich gar nicht, zieht auch nicht diese Schlüsse. Ich werte auch nicht, wie das Wort "Zwang" vielleicht nahelegen könnte.

Vielleicht einfach das biologische Schema: Lernen durch Nachahmen.

Ein Wort noch zu den 25 deutschen Politologen ... Da wollen die Nachfahren der Täter die Sache in die Hand nehmen ... welche Chuzpe.

Freundschaft vertiefen? Welche Freundschaft? bisher habe ich noch keine Freundschaft zwischen Israel und Deutschland erkennen können.

Freundschaft bestimmt nur das Opfer. Der Täter kann darum bitten. Aber die Entscheidungsgewalt darf er nicht übernehmen. An den Folgen der Tat leiden immer noch Millionen: noch lebende - überlebende - Betroffene, aber auch deren Nachfahren "bis ins 5. Glied".

Können diese jemals so tun, als sei alles normal?

 

 

Das ganze Manifest atmet Abwehr, schlecht getarnt mit hehren Argumenten ("Verantwortung für eine Transformation des israelisch-palästinensischen Konflikts übernehmen"). Kein Erschrecken vor dem Unfasslichen zu spüren, keine Verunsicherung. Ja, dieses so selbstsichere Auftreten, dieses frei sein von Zweifeln – das stößt mir am meisten auf.

Die Arroganz – übersetzt heißt das Manifest doch: Wenn wir nicht solche Rücksicht auf die besondere Rolle, die wir Deutschen in diesem Konflikt haben, nehmen würden, könnten wir Deutschen den Nahostkonflikt besser lösen.

Diese Leute, die das Manifest verfasst haben, scheinen da Lösungen zu haben ... und all die vielen Bemühungen auf verschiedenen Ebenen waren ja nicht viel wert.

 

 

Und die Verharmlosung: da wird die "Endlösung der Judenfrage" zu einem "deutschen Gedanken", der eine "europäische Genese" habe – im nächsten Satz sind die Probleme in der Nahost-Region, die aus dem Holocaust entstanden sind, nur noch europäisch.

So subtil macht man das.

Wahrheiten ganz schleichend umdeuten. Dass es keine und keiner merkt.

Update: Replik in der FR, mal nicht so polemisch wie ich ;-) "Israel zu kritisieren war nie verboten" >> :

"Weiter nehmen die Autoren als Kennzeichen der Besonderheit ein 'unausgesprochenes Verbot offener Kritik' an Israel wahr. Auch das wird freilich nicht begründet [...] Der Protagonist offener Israelkritik war Jürgen W. Möllemann. Schon 1978 attackierte er Israels Ministerpräsident Begin u.a. als Kriegsverbrecher und wollte ihn vor einen internationalen Gerichtshof stellen - darauf hinweisend, dass auch der Umstand, dass Begin Jude sei, niemanden an dieser Feststellung hindern könne. Zur Strafe für diese "verbotene Kritik" wurde er wenig später Staatsminister im Auswärtigen Amt. Später schwadronierte er öffentlich von einer "zionistischen Verschwörung" gegen seine Person - um anschließend (!) zum Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, später gar Bundeswirtschaftsminister aufzusteigen."

die ganze Doku "Freundschaft und Kritik im Kreuzfeuer" >>

Sauberkeit und Ruh' und Ohordnung...

6. und 12. November 2006

... für das deutsche Vateherland!

Im Jungbusch ist es nicht besonders dreckig. War es auch nicht, in den viereinhalb Jahren, die ich hier wohne. "Slums" sehen anders aus ...

Im Jungbusch ist es nicht laut. Ich habe meine Arbeitsräume zur Straße hin, zur Jungbuschstraße, Ecke Beilstraße, einige Kneipen direkt in unmittelbarer Nachbarschaft. Ich arbeite oft nachts. Laut sind alle. Am längsten in der Nacht laut ist die Kneipe "Blau", mit techno-beats, dass ich nicht arbeiten kann (Körperschall... durchdringt alles...).

In der warmen Jahreszeit sind dort die Fenster offen, und die Leute stehen noch um 2 Uhr nachts auf der Straße, sich so laut unterhaltend, dass ich jedes Wort verstehen kann.

Wohlgemerkt, die Besucher des "Blau"!

Aber das ist auch besser geworden, seit sich darüber viele beschweren. Verkehrslärm gibt es kaum, nachts schon gar nicht; und wenn man morgens um sechs aufwacht, zwitschern die Vögel, und ansonsten hört man gar nichts! Ich habe auf dem Land gewohnt, dort war es viel lauter! Verkehrslärm vor der Tür, Autobahn in der Ferne, ständig Musik mit durchdingenden Bässen von den Nachbarn. Hier im Jungbusch wird kaum mal eine Anlage laut gemacht! und wenn, mal eine Stunde, dann ist wieder Ruhe.

Kauffmannmühle Jungbusch vom Verbindungskanal aus gesehen

Dieser Wahn nach Sauberkeit und Ordnung – ein Kontrollwahn – Leben ist nun mal mit Geräusch und Unordnung verbunden! auf dem Friedhof liege ich noch lange genug. Leute aus anderen Ländern finden es übrigens hier in Deutschland gar nicht so schön, wie wir immer denken – langweilig sei es bei uns, die Leute säßen nur zuhause und guckten fern, sehr wenig gemeinsame Freizeit, soziales Leben...

Etwas mehr Lebensfreude, Lebendigkeit, Neugier auf andere und anderes, Freude an Neuem, das könnten wir schon brauchen!

Rassismus entsteht durch die „verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ (Memmi 1987)

lies weiter in:

Rassismus - Streit um die Ursachen von Gudrun Hentges

ich ertrage es nicht mehr

6. und 12. November 2006

Der ganz alltägliche Rassismus nimmt Formen an

Es ist nicht mehr peinlich zu sagen, dass, wenn 90% aller Leute meinen, Sinti und Roma machten Probleme – dann muss das ja stimmen.

"Türken und Italiener, die schon lange hier leben", seien ja integriert. Wo, bitte? Ich verweise nur auf die Sauberkeits-, Ordnungs- und Ruhedebatte.

Und es ist nicht mehr peinlich, Minderheiten zu kennzeichnen. In anderem Zusammenhang erinnerte "Romani Rose an den Erlass von Hitlers Reichsinnenminister Frick aus dem Jahre 1935, der in der Berichterstattung genau diese Kennzeichnung mit der „Rassenzugehörigkeit“ verlangte und die von den Nazis gewünschte öffentliche Stigmatisierung der Juden und ebenso der Sinti und Roma bewirkte. Deshalb verlange der demokratische Rechtsstaat den Verzicht auf diese Kennzeichnungspraxis." Verband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg e.V.

Übrigens haben wir in Deutschland jetzt auch ein Antisikriminierungsgesetz, das aber immer noch hinter den Vorgaben der EU zurückbleibt!

 

Es ist nicht mehr peinlich zu sagen, "Ausländer" würden bevorzugt und für Projekte für "Ausländer" werde viel mehr Geld ausgegeben als für "Deutsche". De facto haben hier im Jungbusch etliche Firmen, kleine und große, viiieeeeeeeeeeel Geld aus EU-Töpfen bekommen. Da wären auch die vielen Künstler, deren Projekte im Jungbusch großzügig finanziert wurden und werden. Davon haben die meisten Leute, die hier leben, nichts. Dann Popakademie und Musikpark – fast nichts ist dabei für die Leute, die hier leben. Mannheim 2007 – dito...

Kleine Projekte für Leute von hier sind auch gefördert worden, zB für Leute, die oder deren Familie mal aus anderen Ländern kamen – Sprachkurse zB – was noch, eigentlich? Welche grandiosen Projekte meint ihr eigentlich?

Und die angebliche Bevorzugung: wenn Benachteiligte einmal mehr Zuwendung bekämen, was wäre daran falsch? Warum sind sie benachteiligt? Sie haben keine Chance. Geh mal an die Schulen, frag mal die Arbeitgeber; frag die Leute, frag die Jugendlichen – alle wissen es, dass jemand, der oder die aus einem südlichen oder südöstlichen Land kommt, negativer beurteilt wird.

Es ist nicht mehr peinlich zu sagen, dass man ja wohl noch seine Meinung sagen darf –

 

Es ist nicht mehr peinlich zu sagen, es müsse doch mal Schluss sein mit dem Holocaust- Gerede.

Wie kann Schluss sein mit etwas, das gerade erst angefangen hat, echt aufgearbeitet zu werden? ... aber man höre doch jeden Tag eine Sendung im Radio und jeden dritten sehe man eine im Fernsehen über das Thema Holocaust und Nazitum, wird der Einwand sein. Klaus Modick, neuestes Buch "Bestseller", nennt das eine Gefahr, die Holocaust-Thematik verkomme zum Genre und werde damit banalisiert und trivialisiert. Als Beispiel nennt er die Sendung "Magda und Eva" im ZDF vom August diesen Jahres.

Ich spreche davon, dass die Aufarbeitung der Täterschaft erst begonnen hat. Siehe den Skandal um Joachim Fest und seine Einschätzung Speers, dieser habe nichts gewusst...? Kinder und Kindeskinder, die noch immer darunter leiden, was die Eltern erleben mussten ("was die Eltern nie aussprechen konnten, davon träumen die Kinder").
Ich spreche von dem Skandal um die Wehmachtsausstellung – noch 2001 durfte man von einer Beteiligung der Wehrmacht an den Genoziden der Nazi-Zeit nicht sprechen! Jetzt gibt es einen Film von Michael Verhoeven, der gnau das nachweist: "Der unbekannte Soldat".
Ich spreche von Grass und der Banalisierung und Instrumentalisierung und dem unsäglich schnellen Verschwinden der Diskussion um seine Mitgliedschaft in der SS – er, der immer Mahner und Gewissen einer ganzen Nation war!

Muster, Patterns

4. November 2006

 

Frau mit Mantel in auffälligem Grünem floralem Muster

die Ausstellung ist leider, leider vorbei, Pattern Project, es war ganz toll, die Vorträge, Wahnsinn, was da für Verbindungen entstehen...

 

Trennendes ...

21. September 2006

In der Wikipedia stoße ich auf eine Seite über den Jungbusch. Schön, schön! Die Freude wird aber gleich getrübt: selten eine solche Einseitigkeit erlebt! jedes auch noch so kleine Projekt der Stadt bekommt einen Artikel (Beispiel Kulturkontainerstadt – ein kurzes temporäres Projekt; was hat so etwas in einem Lexikon zu suchen?). Sebst vor Parteipolitik wird nicht Halt gemacht: so gab es einen link auf die SPD, nicht aber auf andere Parteien...

Die Diskussion kann man bei Wikipedia ja verfolgen – oben Registerkarte "Versionen" klicken

Die Trennung in Bildungsbürger und "den Rest" wird sehr deutlich. Die Mehrheit der Bevölkerung, die hier lebt, kommt so gut wie gar nicht vor (1 Artikel über die Moschee), und wenn, dann als "Ausländer" (Jungbuschschule). Diese Familien leben jedoch meist schon länger (oft über drei Generationen) hier als die, die solche Artikel verfassen oder die Stadtentwicklung betreiben; oder die, über die sie in der Wikipedia schreiben und für die sie ihre Projekte entwickeln.

Trennung zwischen "wir" und "ihr" wird auch besonders deutlich an der neuesten Initiative: den Stadtteil Jungbusch zu säubern.

 

Natürlich ist es schön, wenn es ein bisschen sauber und ordentlich ist. Sicher wäre es aber zielführender, zunächst einmal Themen zu bearbeiten, die verbinden, als die, die eben genau die Trennung markieren.

Sitzungskultur ist auch nicht die Sache von Nicht-Mittelschichtlern. Da zählt der persönliche Kontakt. Es war doch mal ein Projekt angedacht, wo wirklich einzelne Leute angesprochen und einbezogen werden sollten. Was ist daraus geworden?

 

Ein weiteres Trennungsprojekt ist die Promenade: nur Architekten finden glatt, kahl, grau schön. (siehe hierzu der Vortrag von Frau Prof. Flagge auf unserer Ausstellung "Pattern Project". Die Bevölkerung wünscht sich Grünflächen, Grillplätze, Lagerplätze ... es wurden einmal Zukunftswerkstätten mit Leuten aus dem Jungbusch veranstaltet – nichts davon ist bei der Planung übrig geblieben!

Schönes Beispiel: Der Mauerpark in Berlin – ich war dort, ganz toll, richtig zum Erholen, sich aufhalten, schaukeln, spielen ...

(bei flickr gibt's noch viele viele schöne Bilder, die den Freizeitwert des Mauerparks zeigen)

weitere Seiten über den Mauerpark:
Grün Berlin >>
Forum Stadtökologie >>

Schaukel © Eluent >>

bin ich jetzt fromm geworden??

14. September 2006

 

Spinnennetz mit weißer Frauensilhouette

Herr, lehre doch mich, daß ein Ende mit mir haben muss, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muss. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Sie gehen daher wie ein Schemen, und machen ihnen viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht wer es kriegen wird. Nun Herr, wess soll ich mich trösten? Psalm 39
als Arie aus Brahms Requiem muss man das hören ...

 

bin ich jetzt integriert??

5. September 2006

  Die Ecke der Halle mit Schrift: Jungbusch Arena
   

das habe ich noch nie erlebt ...

3. September 2006

Auf meiner Auslaufstrecke, den Neckar entlang, zur Mündung an der Hafenschleuse, den Weg, den ich mit meinen neuen Walking Schuhen nun umso schneller gehe, federleicht – und weiter auf der Friesenheimer Insel vorbei an der Orderstation, bis zum Altrheinarm, wo ich so gerne sitze und auf den Strom blicke. Dort, wo neulich beim Hochwasser ein ganzer Ordner mit Negativen angespült wurden, Profikamera, Mittelformat; sie müssen aus den 80ern stammen, und man kann ein Leben zusammensetzen aus den Fotos, assoziativ, sehr plastisch. Irgendwann werde ich da eine Arbeit draus machen –

ja, also, neben der Hafenschleuse steht ein Mann, neben ihm ein Fahrrad auf seinem Ständer, mit einem Musikgerät im Körbchen auf dem Gepäckträger. Der Mann hat die Haare hinten zusammen gebunden, er blickt auf die Neckarmündung und spielt Mundharmonika in der Dämmerung. Das Gerät begleitet ihn.

Unten auf dem Wasser stehen zwei Schwäne und hören ihm zu! ganz gespannt, blicken sie auf ihn.

als er eine Pause macht, paddeln sie weg ...

Auf meinem Rückweg ist er immer noch da und spielt...

 

Wer war eigentlich Tulla?

24. August 2006

Ein Bericht über die Tulla-Realschule in Mannheim in der ARD

Tortengrafik mit Aufteilung nach "Deutschen", "Ausländern", "Spätaussiedlern"

Tulla-Realschule >>> , auf "Schüler aus aller Welt" klicken

 

Gestern Abend um 23.15 ein Bericht in der ARD über "Schulen in Deutschland", und hier kommt mal wieder Mannheim, mit der Tulla-Realschule. Neulich gab es schon ein Interview mit Personalverantwortlichen aus verschiedenen Firmen, auch in Mannheim, und eindeutige Bewertungen Mannheimer Schulen: falls die Schülerinnen oder Schüler von dieser und jener Schule kommen (zB Werkreal) – keine Chance.

Ich kenne hier Leute, die zurück in die Heimat wollen. Auf meine Frage, was denn dann aus den Kindern werden soll: "Welche Zukunft haben sie denn hier? meine Tochter ist auf einer sog. guten Realschule, mit guten Noten – keine Chance auf eine Lehrstelle, nach unzähligen Bewerbungen."

Mir tut das Herz weh. Unsere Jugendlichen haben keine Zukunft ...

 

 

Zurück zum Fernsehbericht über die Tulla. Ich kann mir das noch nicht einmal ansehen. Zwei Stellen beispielhaft: Die Lehrer hängen im Lehrerzimmer am Fenster und gucken auf den Schulhof. Sie unterhalten sich über die SchülerInnen. Einer sagt: wenn die uns so sehen könnten - und lacht hämisch.

Zweites Beispiel: eine Lehrerin will auf dem Pausenhof Streit schlichten. Im Kommandoton beschimpft sie die Schüler, so nach dem Motto: das hab ich dir schon tausendmal gesagt usw.

meine Erfahrung hier ist ganz anders: natürlich muss man laut und heftig sprechen, will man gehört werden; auch schreien ist manchmal notwendig (was der gemeine Mittelschichtler sehr befremdlich findet).

Entscheidend aber ist die Kommunikation. Wenn man die Kinder nicht gern hat, geht es nicht. Wertschätzung, als gleichwertige Partner behandeln – das ist der Schlüssel. Kontakt aufbauen zu ihnen, wirklichen Kontakt. Interesse zeigen an ihnen. Gerechtigkeit.

 
 

Aber am Fenster hängen und sich über die SchülerInnen lustig machen ... und das machen die sogar, wenn ein Filmteam dabei ist! Das bewusstsein für solche Unmöglichkeiten ist auf dem Tiefststand.

Und wieso jetzt diese Grafik oben?

 
 

Eins der Hauptprobleme ist die Einteilung in "Wir" und "Die". Das machen übrigens alle, gleich welcher Nationalität oder Herkunft. Auch wenn man die "richtige" Nationalität hat, aber von wo anders kommt oder einfach anders ist, wird man von den Alteingesessenen strikt ausgegrenzt, aktiv behindert. Und auch die sog. "Ausländer" (ich wusste gar nicht, dass man das Wort noch offiziell verwenden darf) tun das. Ich sage im entsprechenden Fall dann: bitte keine Inländerfeindlichkeit ...

Und im übrigen ist es auch gar nicht eindeutig, wer "Ausländer" und wer "Inländer" ist. Zählt die Staatsbürgerschaft? oder die Nationalität (ja doch, in Deutschland gibt es als einem von zwei Ländern in Europa noch ein Nationalitätenrecht; dh du kannst bestimmte Beamtenlaufbahnen nicht einschlagen, wenn nicht dein Vater sowie dein Großvater als Deutsche geboren sind...). Oder zählen die Deutschkenntnisse? Bei unseren buschgirls zB gibt es Mädchen mit türkischem Hintergrund, die sehr viel besser deutsch können als andere, die "deutsch" sind...

Thema „Ariernachweis >>> “: „Der Bundespersonalausweis oder der deutsche Reisepass sind kein Nachweis über den Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit. Sie begründen lediglich die Vermutung, dass der Ausweisinhaber die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.“ (Bayerisches Staatsministerium >>>)
„Der Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit wird dem Antragsteller bestätigt, wenn er nachweist oder glaubhaft macht, dass er und gegebenenfalls die Personen, von denen er seine Staatsangehörigkeit ableitet, spätestens seit dem 01.01.1938 von deutschen Stellen als deutscher Staatsangehöriger (Deutscher) behandelt wurde.“ (Bayerisches Staatsministerium >>>)

Urkunde der Stadtprivilegien 1652

Dabei hatte Mannheim einmal eine goldene Zeit des Multikulti: nach dem 30jährigen Krieg wurden Arbeitskräfte gebraucht, und überhaupt Menschen. Man machte es Neuankömmlingen sehr einfach, etwas aufzubauen.

Vor 350 Jahren: Im August 1652 wurden die Stadtprivilegien verkündet. Zuwanderung und religiöse Toleranz begründeten den Wiederaufstieg Mannheims. mannheim.de Stadtgeschichte >>>

Endlich wieder Pizza ...

18. August 2006

... Familie Parisi ist wieder da, Pizzeria Gianni wieder offen...
mhmm, die leckere Pizza, die beste Pizza der Welt! Ich empfehle Siciliana: Anchovis, Kapern, Oliven ...

Die Ecke der Halle mit Schrift: Jungbusch Arena
eine schwarze Wand, ein Eingang, vor dem Leute stehn

Jasmin telefoniert von meinem "Brot", mein PocketPC-Handy wird so genannt ... O2 home flat, kann man umsonst ins Festnetz und ins O2.Netz telefonieren, solange man sich in der home zone befindet.

Und Pizza Gianni _ist definitiv in meiner home zone!

aber Fotos macht das Brot – ein MDA pro – nun wirklich keine guten, obwohl nominell 2 MB.

Das Persische Weltreich ...

13. August 2006

... die aktuelle Ausstellung im Historischen Museum Speyer

 

ich wusste gar nicht, dass Geschichtsvermittlung heute immer noch daten- und herrscherorientiert erfolgt ;-) – mich erinnert das an meine Schulzeit ...

alte Landkarte mit Ausdehnung des Perserreiches 500 vor Christus  

Bilder von Perespolis >>>

Es stellt sich die Frage, an wen sich die Ausstellung richtet oder richten will. Eine kleine Schicht Bildungsbürger?

Mir fehlten jedenfalls auch erst einmal ein paar grundlegende Erkenntnisse:

„Als eigenständige Größe wird die persische Hochkultur in der Schule nicht betrachtet. Im Lehrplan Geschichte für die 7. Klasse werden die Perser überhaupt nicht als eigenes Thema ausgewiesen. In Realschule und Gymnasium lässt sich die Betrachtung des Perserreiches jedoch innerhalb der griechischen Geschichte abhandeln.“ (aus der unten beschriebenen Handreichung für Lehrer)

 

zuhause gucke ich nochmal im Internet nach, um den link legen zu können. Ich finde eine „Handreichung für Lehrer“ (von Dr. Gabriele Gierlich) – der Titel abschreckend genug...

   
 

doch hier sind die Themen, die eine solche Ausstellung plastisch machen würden! Hier spricht eine, die Erfahrung hat mit leeren Gesichtern beim Herunterbeten von Schlachten; die sich tagtäglich müht, junge Menschen zu motivieren, zu interessieren.

 

Beispiele:

   
 

Beziehungen zur und Wirkungen auf die heutige Zeit („Als ebenso reizvoll erscheint es mir, in der 10. Klasse Geschichte in Gymnasium und Realschule, wenn es um die Feindbilder im Kalten Krieg des 20. Jhs. geht, die Perser in ihrer Auseinandersetzung mit den Griechen zum Vergleich heranzuziehen.“....
„...diese Linie der Ost-Westkonfrontation nicht nur in der geistigen Auseinandersetzung, sondern auch in der kriegerischen Konfliktaustragung zwischen Orient und Okzident bis heute weiter zu verfolgen: Was bezeichnete man im 20. Jh. als Ost-Westkonflikt? Was ist der Ost-Westkonflikt im 21. Jh.? Kann man behaupten, wie es manche tun, dass die Griechen in ihrem Zwist mit den Persern so grundsätzliches Misstrauen zwischen Orient und Okzident gesät haben, dass dies bis heute seine Auswirkungen hat, oder muss man davon ausgehen, dass der heutige Ost-West- Gegensatz andere Wurzeln hat und sich nicht aus den Argumenten der alten Griechen nährt?“)

Einschätzen und Schlüsse ziehen („Bei der Lektüre Herodots soll den Schüler/innen vor Augen geführt werden, dass Herodots Geschichtswerk sich nicht im Aufzählen von Fakten und Zahlen erschöpft, sondern eine Wertung der Geschehnisse vornimmt.“)

Darstellung vonall täglichem Leben, aus Sicht von „normalen“ Leuten; sei es durch schriftliche Berichte, sei es durch Rekonstruktion anhand gefundener Gegenstände

 

ich will noch mehr zur Weltmeisterschaft sagen...

9. Juli 2006

31 Tage Mega Party

Was machen wir nur, wenn die WM vorbei ist???

Ein Zauber lag über dem Ganzen, alle waren froh, kein Krawall, nur Freude auf allen Seiten!

Jungbuscharena

Jungbuscharena Halle innen

aber eins muss ich doch noch sagen: wo jetzt von der vereinenden Kraft der WM gesprochen wird ... nicht die WM hat die Integration bewirkt, sondern die schon lange Vorhandene wird für alle sichtbar. Dass es an Integration der Ausländer mangele – nur Propaganda.

Probleme mit der deutschen Fahne hatten sowieso nur Bildungsbürger

für die anderen war und ist es einfach Pop

 

für die Bildungsbürger wird das "wieder auf Deutschland stolz sein dürfen, deutsche Fahnen zeigen zu dürfen" mehr und mehr zur Ausrede für endlich nicht mehr kritisch sein müssen, endlich nicht mehr politisch korrekt sein müssen

Jungbusch Arenapaar mehr Bilder bei flickr >>

Jungbusch Arena

endlich nicht mehr denken müssen, endlich sich nicht mehr ohnmächtig fühlen

endlich nur noch sehen, was mir gefällt, endlich in einfachen Mustern denken, endlich keine Zusammenhänge mehr sehen müssen

 
 

Und wir lassen uns auch kein Denkverbot durch die Forderung nach politischer Korrektheit mehr überstülpen!

Soweit die populäre Meinung.

political correktness oder PC wird in den USA, und nunmehr auch in der Bundesrepublik, als diffamierender Kampfbegriff benutzt, um Bemühungen zur Gleichstellung oder zum Abbau von Diskriminierungen zu karikieren und zu verfälschen.

Martin Dietzsch / Anton Maegerle, Kampfbegriff aller Rechten: "Political Correctness"

 
 

Sogar in der FR wird nicht mehr von Studierenden gesprochen, sondern von Studenten.

Was stört es mich, wenn Frauen als Sexobjekte präsentiert werden, als Werbemittel? Wenn sie das machen wollen ... sollen sie doch ... ist mir doch egal ...

 

 

Das "typisch Deutsche" Jammern kann man jetzt auch getrost ablegen ...

Wenn es "typisch deutsch" ist, Dinge kritisch zu hinterfragen, sich die Auswirkungen von Handlungen zu überlegen und alle gesellschaftlichen Mitglieder in die Gedanken einzubeziehen – also wenn das Jammern ist und typisch deutsch – dann bin ich stolz, Deutsche zu sein! Mein Coming-Out als Fahnenträgerin hatte ich schon 2000 >>>

 

 

Mich stört eher der typisch deutsche Mangel an Herz. An Empathie, an dem Mitfühlen mit anderen Menschen, und zwar nicht nur denen, die zur eigenen "Sippe" gehören. Der Mangel an Kontaktfähigkeit mit Fremden, einfach ein paar Worte wechseln, einen Witz machen.

Statt dessen Regeln, Ordnung, Sauberkeit. Ständiger Vorwurf in der Stimme, Belehren, ungebeten Ratschläge geben, kontrollieren.

 

 

Auf alles, was sich bewegt, wird geschossen ...

Ich will auch mal was zur WM sagen ...

15. Juni 2006

 

Die Ecke der Halle mit Schrift: Jungbusch Arena
eine schwarze Wand, ein Eingang, vor dem Leute stehn  
 

In der Halle: Monitorwände, Biertische

Die schwarze Wand der Jungbusch Arena neben einem Wohngebäude des Historismus  

Unsere Polizei...

14. Mai 2006

... das sage noch eine, unsere Polizei habe keinen Humor ...

 

aus dem Polizeibericht >> (ich wusste gar nicht, dass man den online lesen kann – mal wieder, das Internet ist die größte Erfindung nach der Waschmaschine!)

   
 

„Eine gewaltfreie Erziehung scheint bei einer 33-jährigen Mannheimerin nicht gerade einen hohen Stellenwert einzunehmen. Als sie sich gestern Abend mit ihrem dreijährigen Sohn auf einem Spielplatz im Stadtteil Schönau befand, geriet dieser in einen Streit mit einem anderen Dreijährigen. Im Umgang mit Worten noch nicht so geübt, nahm dieser einen Stock und schlug damit seinem Gegner ins Gesicht. Das konnte die Mutter natürlich nicht tatenlos mit ansehen und forderte ihren Sohn zu einem Gegenangriff auf. Hierfür stattete sie ihn ebenfalls mit einem Stock aus. Auf Mutters Befehl hin musste nun auch der zweite Dreijährige einen Schlag ins Gesicht einstecken. Nun weitete sich der Konflikt auf die beiden Mütter aus. Wenigstens auf dieser Ebene wurde von Handgreiflichkeiten abgesehen...“
Polizeibericht vom 10.05.2006 >>

 

Lautverschiebung

28. April 2006

Zur Zeit übe ich Gedächtnis – ein Wort, das mir entfallen ist, das mir auf der Zunge liegt – heraufholen!

 
Schattengarten

Das geht so: Für unseren kleinen Hinterhofgarten suche ich Pflanzen, die im Schatten wachsen. Funkien sind da geeignet. Eine Gärtnerei gibt es hinter Heidelberg, die ich vor ein paar Jahren schon einmal besucht habe. Sie haben schöne Pflanzen, und eine große Auswahl an Funkien.

Wie hieß die noch gleich? Wo war sie genau?

 
 

Ich könnte ja Funkien und Gärnerei und vielleicht Heidelberg ergooglen, da hätte ich sie schon.

Nein, ich will trainieren. Also: der Ort: da hinten... wie fährt man da – Ilvesheim.

 
 

Der Name der Gärtnerei – als erstes taucht ein "u" auf. U - u - u - ich vertiefe mich in die Bruchstücke (man muss sich da schon richtig anstrengen und Geduld haben) – Grüben Guben! Guben ja!

google Guben Gärtnerei? das war sie nicht. ok, hab ich's halt doch nicht gekonnt, muss ich halt doch anders suchen.

 
 

und finde den Namen: Huben! Knapp vorbei... aber taucht da aus uralter Zeit die Lautverschiebung auf? ist für das Gehirn G und H fast das gleiche? Im Russischen, wo es kein H gibt, wird für ausländische Worte mit H am Anfang immer G benutzt: Gamburg, Gitler.

Denk ich an Deutschland in der Nacht...

18. April 2006

Integrationswillen der Alteingesessenen

Ein "Ausländer" bringt Nachschub in seinen Getränkeladen

 

 

ZDF-Politbarometer vom 7. April 2006

Frage: Integrationswillen der Ausländer

 

 

Antwort:
80% – Sie tun zu wenig dafür
13% – Sie tun genug dafür

Wer fragt nach dem Integrationswillen der Deutschen?

 
 

Allein die Formulierung – pauschale Fragen bekommen pauschale Antworten.

Welche Ausländer? Was ist Integration (die meisten denken dabei an Assimilation)? Worin bestünde der Willen? Was erwarten diese Leute von den Zugewanderten?

 
 

Erforschung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit:

Eine zunehmende „gesellschaftliche Verstörung“ diagnostiziert der Bielefelder Wissenschaftler Wilhelm Heitmeyer in seiner neuesten Studie über die Ursachen von Menschenfeindlichkeit in Deutschland. >>

Hier bei uns im Viertel zB – dem Jungbusch, wie jeder weiß ;-) – kann man die Bevölkerung nur aktivieren, wenn es um Sauberkeit und Ordnung geht. Sie zählen zB mit Vergnügen falsch geparkte Autos, engagieren sich in der Aktion saubere Böckstraße usw. Ich ärgere mich auch über die Autos im Halteverbot, und ich habe es auch gern einigermaßen ordentlich und sauber – aber gibt es sonst nichts, für das man sich einsetzen kann??

 

Gleichberechtigte und gleichwertige Anerkennung durch Kennenlernen ...

16. April 2006

... statt Betreuungs- oder Beziehungsobjekten

 

Viele sind aktiv, den Widerspruch zwischen der alltäglichen Begegnung mit „Fremden" und deren gleichzeitiger Wahrnehmung als auffällige Besonderheit aufzulösen.

   
 

„Auch die wohlmeinende Vereinnahmung einseitiger Empathie reduziert das Fremde durch naives Verstehen auf ein Beziehungsobjekt. Sie verhindert das, was sie anstrebt: die gleichberechtigte und gleichwertige Anerkennung durch Kennenlernen.“
Prof. Hunfeldt pdf >>

„Dabei werden kulturelle und sprachliche Unterschiede nicht als Barriere in der Verständigung empfunden, sondern vielmehr als Bereicherung. Und: Die �positive“ Konfrontation mit anderen Sprachen und Kulturen erweitert zudem die individuellen Perspektiven und unterstützt die Zielgruppen dabei, gewohnte Verhaltens- und Denkmuster zu revidieren.“
LIFE-Konzept der BMW Group >>

 

„Rucksack zielt auf die Förderung der Muttersprachenkompetenz, auf die Förderung des Deutschen und auf die Förderung der allgemeinen kindlichen Entwicklung ab.“
Rucksack – Ein Konzept zur Sprachförderung und Elternbildung im Elementarbereich

Rucksack und Leseladen Mannheim Neckarstadt-West, das ist hier über den Neckar rüber, ein ähnliches Viertel wie der Jungbusch, nur ohne städtischen Imagezwang wie hier im Zuge des Stadtjubiläums...
Ein Produkt der RAA >>, gefördert von der Freudenberg-Stiftung >>

 

 

Ich will es kurz machen...

8. April 2006

 

PowerPoint-Pr�sentation
 

... ich will es kurz machen ...

 

geh nach Ninive >>>

 
 

die Schaumgeborene

 

die Schaumgeborene

Seda schreibt...

11. März 2006

 

Ornament

... an ihrer Geschichte weiter. >>>
Sie schreibt und schreibt, man darf sie gar nicht ansprechen!

 
 

Sie ist eins unserer besten buschgirls und eine von denen, die am längsten dabei sind. Sie wird bald 19, hat schon so viel erlebt wie für 3, jetzt begradigt sich ihr Weg und sie sagt:

„Ich wachse gerade.“

 
 

Bei uns macht sogar die Polizei Sozialarbeit. Sagt jedenfalls Seda. Der Mann versteht, worum es geht bei den gegenseitigen Anzeigen (von Seda und ihrem X-Freund), und veranstaltet ein gemeinsames Treffen ... ich glaube, man nennt das Mediation ...

Die größte Erfindung nach der Waschmaschine...

6. März 2006

Den Drehteller meiner Mikrowelle runtergeschmissen...

Ornament  
 

Was mach ich jetzt bloß? Wie soll ich mein Körnerkissen warm machen, um meinen armen, von der Computerarbeit geplagten Schultern Linderung zu verschaffen?

Ich gehe zum Kaufhof, um einen neuen Teller zu bekommen. Es kann doch wohl nicht so viele Modelle geben, dass keins passt ... Dochdoch, sagt die Verkäuferin, das muss man bestellen. Jeder ist anders. Oje. Die Mikrowelle ist doch vom ALDI, da krieg ich bestimmt nie Ersatz.

 

 

Aber, o Wunder, es gibt ja Internet! Die größte Erfindung nach der Waschmaschine! Und es gibt tatsächlich für meine Mikrowelle den Drehteller nachzubestellen! In 10 Minuten isses passiert, und jetzt mal sehn, wanner kommt...

Update 9. März:

 

Er ist da!!!

Drehteller

In Zungen reden

23. Februar 2006

... Achtung der Sprachenvielfalt ist ein Grundwert der Europäischen Union ...

 
 

„Es ist diese Vielfalt, die die Europäische Union zu dem macht, was sie ist: kein „Schmelztiegel“, in dem Unterschiede verschmolzen werden, sondern ein Miteinander vielfältiger Unterschiede. Ein Miteinander, das unsere zahlreichen Muttersprachen als Reichtum begreift und als Weg zu mehr Solidarität und gegenseitigem Verständnis.“

MITTEILUNG DER EU-KOMMISSION: Eine neue Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit pdf >>

 

In der Muttersprache zu sprechen, auch privat, verbieten und veboten beispielsweise die Türkei (kurdisch), die Sowjetunion (deutsch), China (tibetisch).

 

 

Frag mich nicht wohin

21. Februar 2006

gerade im Entstehen

Ölgemälde
 

...komm einfach mit
Eker Brüder mp3 >>

Parallel

20. Februar 2006

gerade fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren –

 

– wozu die die Rede von den Parallelgesellschaften gut sei ...

 

Unser ganzes Leben besteht doch aus Parallelgesellschaften.

   
 

Da gibt es die Parallelwelten der Männer und der Frauen, deren kulturelle Unterschiede weit größer sind als die zwischen Pfälzern und Hessen oder zwischen Türken und Norwegern.

 

Dann gibt es die Parallelgesellschaften durch soziale Klasse, die so sehr voneinander geschieden sind, dass kaum Schicht übergreifend geheiratet wird! Ja, heute! Darüber gibt es Untersuchungen ... und wir Mittelschichtler kennen doch noch nicht mal das Paarungsverhalten der Unterschichtler ...

   
 

Dann die Parallelgesellschaften durch Alter... eine alte Frau und eine jugendliche Frau verbringen sicher weniger Zeit in der Welt der anderen als eine jugendliche Deutsche und eine jugendliche Türkin.

 

Ja, und jetzt, die Schuppen – –

   
 

Für die sog. Ausländer brauchen wir Parallelgesellschaften, um unsere Probleme schön in einem gesicherten Rahmen, aber außerhalb von uns selbst, parken zu können. In diesen Parallelgesellschaften, die wir uns irgendwie abgeschlossen vorstellen, sind sie sicher verwahrt. Wir sind geschützt vor unseren Problemen!

 

Sicher, das ist das alte Muster vom Externalisieren ungeliebter Anteile. Aber in diesen Parallelgesellschaften, die haben noch besondere Vorteile: sie sind so schön abgeschlossen, so schön weit weg von unserer Lebenswelt.

   
 

Auf einmal haben wir kein Gleichberechtigungsproblem mehr, kein soziales, kein Arbeitsproblem, kein Kriminalitätsproblem. Kein Problem mehr mit Rechtsradikalen oder mit Gewalt in der Familie.

 

Das haben alles diese „Ausländer“. „Wir“ und „Die“ Dilek Zaptcioglu in der taz >> – künstliche Einheiten, die es gar nicht gibt. Und auch die Vorurteile gegen Leute ausländischer Herkunft halten der Faktenlage nicht statt Löster online >>

   
 

Und es steht da auch eine lange Geschichte der Ablehnung dahinter, in deren Verlauf und als deren Folge sich bestimmtes Verhalten herausgebildet hat.

 

Es sind keine plötzlich aufgetretenen Probleme, und es gibt auch keine kurzfristigen Lösungen.

   
 

Das Wichtigste ist: Differenz aushalten und die Chance, die im anderen liegt, wahrnehmen.

 

Es geht nicht darum, alle gleich zu machen. Es geht darum, Unterschiede, Leute, die anders sind oder anders leben, zu akzeptieren. Das, was gleich ist an uns allen, ist doch trotz aller Unterschiede der weitaus größere Teil!

   
 

Ich kann die drei Pickel, die ich im Gesicht trage, ständig beobachten, befingern und betrachten. Dann ärgere ich mich den ganzen tag darüber und finde mich furchtbar hässlich. Genauso kann ich Merkmale, die jemanden unterscheiden, mit der Lupe betrachten und betonen und in den Vordergrund rücken...

 

Der Bart des Propheten

11. Februar 2006

... wie immer muss man den Zusammenhang sehen ...

 
 

Es geht doch nicht um Recht haben. Es sollte uns doch darum gehen, wie wir zusammen leben können. Dass die anderen „noch schlimmer“ sind, enthebt uns doch nicht der Verantwortung.

 

Und: mal wieder eine intellektuelle Auseinandersetzung, ein theoretischer Streit zwischen Mittelschichtlern. Wir wissen alle wenig bis gar nichts über die Verhältnisse in den Ländern, in denen die Leute auf die Straße gehen. Wer die Leute sind, die gewalttätig werden, wie viele es sind, und welchen Rückhalt sie haben. Es ist, wie zu der Zeit, als wir in Deutschland die Brandanschläge auf Asylantenheime hatten. Die Touristen blieben aus, denn sie dachten, _das sei nun das aktuelle Deutschland.

Die meisten Mittelschichtler hierzulande wissen ja noch nicht einmal etwas über die "Leute mit Migrationshintergrund", die hier bei uns leben. Sie haben noch nie ein persönliches Wort mit ihnen gesprochen, gewschweige denn wissen sie etwas über deren Leben jenseits des Bildes, das in den Medien verbreitet wird.

 

 

jungbusch

Der sog. Karikaturenstreit hat eine Geschichte, wie die meisten Auseinandersetzungen. Und nun nimmt man eine Kleinigkeit und hängt den ganzen Hass daran auf.

Wie der Ehemann in der klassischen Geschichte, der seine Frau umbringt, weil er nicht mehr ertragen kann, wie sie den kleinen Finger beim Teetrinken von der Tasse wegstreckt ...

 

Was viele nicht oder nicht mehr wissen. Die Karikaturen wurden schon im September veröffentlicht. Niemand störte sich über Gebühr daran. Sie wurden kritisiert, und damit hatte sich's.

 

 

Das aber reichte der Zeitung nicht. Sie wollte ja die muslimische Minderheit im eigenen Land treffen: Sie bohrte nach, bis der Funke zündete. FR Blog >>

 

Und jetzt geht der Kampf schon längst um etwas anderes. Die meisten, die in muslimischen Ländern auf die Straße gehen, kennen weder die Karikaturen noch Dänemark; vielfach werdend sie auch von extremistischen, gut organisierten Gruppierungen instrumentalisiert.

   

Bezeichnend, dass gerade der Redakteur der „Welt“, der dann auch noch die Karikaturen abdrucken musste (natürlich um sein Recht zu beweisen...), in der Talk-Runde ständig muslimisch und islamistisch vermischt und austauscht, sogar in einem Satz.

_Das ist das Fatale. Das, was die Stimmung gegen die muslimischen Leute erzeugt: subtile Gleichsetzung von gewalttätigen Islamisten mit Leuten islamischen Glaubens.

Jede und jeder hier weiß, dass der Ausländerhass nicht mehr subtil ist.

 

Pikant:

„Jyllands Posten“ verkündete großspurig, nun auch Holocaust-Karikaturen zu drucken, zum beweis, dass es ihr nur um die Meinungsfreiheit ginge.

_Das – hat der Chefredakteur denn doch nicht gemacht ... FR 9.2.2006 >>

 

 

Lieber Herr Dr. Friedman,

26. Januar 2006

gestern war ich auf Ihrer Lesung in der Synagoge in Mannheim.

Michel Friedman - Lesung

Dass zwei BodyGuards mit Ihnen auf der Bühne sitzen, zwei weitere in der ersten Reihe, und im Hintergrund weitere sowie Polizei – ist nicht allein Ihrer Prominenz wegen. Dass Synagogen polizeilich bewacht werden müssen, ist ein Skandal!

Dass Sie dennoch in Deutschland geblieben sind und bleiben – dafür bin ich dankbar!

Natürlich sind Sie bekannt aus „Film, Funk und Fernsehen“; ich bin ein Fan Ihrer Redekunst, seit ich das erste Gespräch mit Ihnen im Fernsehen sah: das war zur Einsetzung von Michael Naumann als Kulturstaatssekretär.

Auch Herr Naumann ist ein brillianter Denker und Redner, schlagfertig, kritisch und direkt; aber neben Ihnen sah er blass aus, und ich dachte, geeigneter wären Sie gewesen für das Amt!

 

Ihr Buch „Kaddish im Morgengrauen“, aus dem Sie gestern lasen, hat mich dagegen nicht so vom Hocker gehauen. Ja, ich finde es gut, dass die Ereignisse immer und immer wieder aufgeschrieben werden, dass daran erinnert wird, und dass ebenso daran erinnert wird, dass es eben nicht vorbei oder vergessen sein kann. Auch die Sprache, Klischees, Floskeln, Redewendungen, allzu bekannt.

   
 

Dennoch hätte ich mir eine etwas aktuellere Darstellung gewünscht. Selbst in den Bereichen, wo es um die Jetzt-Zeit geht, kommt nichts Aktuelles vor! Wie lebt man heute, was sind aktuelle Thesen zum Thema, welche Mittel werden heute im Umgang mit der Vergangenheit verwendet. Ich weiß, sie wollten kein Buch über rassismus im heutigen Deutschland schreiben. ich habe Sie so verstanden, dass Sie einfach die Geschehnisse als Zeuge niederschreiben möchten.

 

Doch dann kommen die Passagen über die Befindlichkeiten, und da geht es nicht weiter. Es klingt, wie schon tausendmal gehört, kein neuer Gedanke. Sogar Anekdoten lässt er Personen im Buch sagen, die man auswendig kennt... Die Frage, wie Gott das zulassen konnte, und dass man trotzdem weiterleben, und eine gewisse Freude empfinden muss.

   
 

Aber das wie? da müssten doch auf neuere Erkenntnisse aufscheinen, Versuche zu Lösungen, die verschiedene Leute probiert haben. Wie das Leiden an den Folgen der Verbrechen über die Generationen weitergegeben wird, das deuten Sie nur an. Und die letzte Generation fehlt leider ganz.

 

Vielleicht bekommen wir das in 20 Jahren, wenn Sie es an Ihrem Sohn studieren können?

   
 

Die anschließende Diskussion war dagegen sehr beeindruckend, ich meine, die Brillianz und Präzision Ihrer Antworten.

 

Die Sätze mit dem alltäglichen Rassismus, die ich ständig zu hören bekomme, und das aus dem Munde von Leuten aus allen sozialen Schichten, haben Sie genau wiedergegeben: Es muss doch endlich Schluss sein mit der Vergangenheit, ich werde doch noch wohl sagen dürfen ...; und Sie haben auch den Transfer auf andere Minderheiten geleistet: ich hab ja nix gegen Türken, aber sie sollen in ihrem Land bleiben.

   
 

Dies alles beobachten und benennen Sie messerscharf.

 

Und dann kommt die Schizophrenie, auch diese typisch für schwer Traumatisierte:

   
 

In Ihrem eigenen Leben sind Sie nicht fähig, zu erkennen, wo Sie das gleiche Muster bedienen. ich spreche über den Skandal damals, als Sie aus allen Ämtern und dem öffentlcihen Leben verschwunden sind.

 

Ich finde den Aufstand, der damals über Ihren Drogenkonsum gemacht wurde, maßlos übertrieben. Da müsste man jede und jeden Dritten im Showgeschäft verurteilen. Sie schädigen da hauptsächlich sich selbst (solange Sie nicht dealen, aber davon war nicht die Rede).

   
 

Was ich unverantwortlich finde, ist Ihre missachtende Haltung einer diskriminierten Gruppe gegenüber. Ich meine Ihren "Gebrauch" von Prostituierten, und das alleine ist schon menschenverachtend ; aber dass diese auch noch aus Osteuropa kamen, wo jeder weiß, wie freiwillig das Ganze ist – Herr Friedman, das ist Ihrer nicht würdig!

 

Sie sagen: Rassismus ist Menschenverachtung,

   
 

d'accord. Ich sage: Prostitution ist Menschenverachtung. Schweden >>

 

Für Ihre Drogenaffäre haben Sie sich öffentlich entschuldigt; der Skandal mit den Frauen jedoch ist nie mehr auf den Tisch gekommen, man hat einfach nichts mehr davon gehört, geschweige denn, haben Sie sich dafür und bei den Frauen entschuldigt!

Solwodi >>, Terre des Femmes >>

 
 

Schade, schade, schade. Ich habe das nie vergessen.

und noch ein Zitat:

 

„Es geht nicht darum, ob Friedmans Argumente und Attacken in Zukunft weniger glaubwürdig sind, weil er persönlich gefehlt hat. Der Skandal ist nicht, dass Friedman als Politiker und Mann des öffentlichen Lebens sich erpressbar gemacht hat. Der eigentliche Skandal ist, dass uns in der Diskussion über Michel Friedmans Verhalten etwas als menschlich, allzu menschlich verkauft werden soll, was zutiefst unmenschlich ist. Wenn das endlich einmal in den Hirnen ankäme, hätte der umstrittene TV-Moderator – wenn auch nur in der undankbaren Rolle als Fallbeispiel – mehr erreicht, mehr aufgeklärt und aufgewühlt als in seiner ganzen bisherigen Laufbahn.“
Karen Duve, 8.7.03 >>

  hier war noch was auf meinen Seiten mit Friedmann und Schwarzer >>

 

 

Ryans Tochter – was ist Romantik?

8. Januar 2006

... vom ersten Bild an bin ich in den Sessel gedrückt ...

 
Ein Vater spielt mit 2 Kindern

Kitsch – Romantik – Dr. Schiwago – Frauen?

„Menschen, die auf der Suche nach neuen Horizonten des Lebens und der Liebe an den Begrenzungen ihrer Existenz oder ihrer Kultur zerbrechen, sind die Helden vieler Filme des Briten David Lean, so auch in „Ryans Tochter“. Die Titelfigur nimmt sich in einer Zeit, da die Frau damit zufrieden sein muss, einen Mann zu haben und gesund zu sein, das Recht auf Erfüllung und eigene Gefühle. Die herrschende Moral verlangt kategorisch ihren Ausstoß aus der Gemeinschaft.“ br-online >>

 

Der britische Film von 1969 ist in keinem Moment veraltet. Die Bilder großartig, grafisch, sehr – sehr ruhig. oft setzt die Musik ganz aus, für weite Strecken – auch das in dieser Zeit ungewöhnlich.

 

 

jungbusch

Es geht um Leute, die anders sind, aus unterschiedlichen Gründen; und wie Anders-Sein von der Gruppe sanktioniert wird; und welche Konsequenzen die Einzelnen ziehen.

 

Da ist Rosy; ihr genügen die 3K nicht. Sie will leben. Leben wird sanktioniert – damals wie heute.

 

 

Dann Charles, ihr Mann, Lehrer. Ruhig, gerecht, warmherzig, liebevoll. Gelassen. Aber auch er wird verachtet – weil er die üblichen Ränke und Niedrigkeiten nicht mitmacht?

 

Und Doryan. Zufällig, der Name? Jung, hübsch, es fällt einer das Wort „fesch“ ein. Er steht meist als Silhouette gegen den Abendhimmel ... Er ist schwer traumatisiert, Kriegsschäden. Nicht nur das Bein, das steif ist. Die Schilderungen seiner flash-backs sind meisterhaft. Und wie sie sein ganzes Leben überschatten – ein unglücklicher Mensch, wie Rosy später sagt.

 

Diese drei Personen werden miteinander verstrickt. Doch niemals verlässt eins von ihnen den geraden Weg, keins manipuliert, keins spielt mit dem anderen. Es gibt keine Zornesausbrüche, keine Szenen, keine Vorwürfe. Keine Diskussionen. Aber auch kein Halten. Sie folgen dem, was sie tun müssen, was das Leben befiehlt.

 

Es wird überhaupt sehr wenig gesprochen. Über Gefühle gar nicht. Wenn gesprochen wird, werden lediglich Fakten ermittelt: wie heißt du, oder: seit wann weißt du es.

 

 

jungbusch

Aber dann die Liebesszenen. Schon wenn ihr Mann mit Rosy schläft, ist das sensibel; aber ohne Leidenschaft.

 

Dann sieht sie Doryan. Die beiden werden geradezu in die „andere Welt“ geschleudert.

 

 

Die andere Welt, die bei den meisten modernen Liebesszenen (nicht nur im Film) auf der Strecke bleibt. Die die Romantiker betonten und suchten. Die Welt der Intuitionen, Assoziationen, in der die Zeit stehen bleibt. Die Logik ausgesetzt ist. Die der rechten Hirnhälfte zugeordnet wird (angeblich stimmt dieses Modell nach den neuesten Erkenntnissne der Neuro- Physiologen nicht mehr, aber das ist eine andere Geschichte...).

 

Die ganze Stimmung nur durch Blätterrauschen evoziert, Beben der Bäume, Windstärke... und dieses Mittel, wenn vielleicht auch der damaligen Prüderie geschuldet, keinesfalls eine Ersatzlösung.

 

 

jungbusch

Man sieht genau 1 Brust 1 Mal, das zweite Mal wird sie abgedeckt – erst von ihrer Hand, dann von seiner ...

 

Keine Musik, der Wind rauscht. Die Erde bebt. Der Wind rauscht stärker. Legt sich. Doryan küsst nochmal ihre Schulter, der Wind rauscht wieder, wird heftiger ...

 

 

klingt ziemlich kitschig – Best Movie Love Scene Ever? >>

 

– doch fast nie habe ich eine eindrücklichere Liebesszene gesehen. Ich muss mal nachdenken, es gibt deren, wenn sie mir wieder einfallen...

 

 

jungbusch

Dann kommt Handlung auf. Es gibt politische Strapazen, aber diese sind nur Deko für den eigentlichen Inhalt. Es wird offenbar, dass sich Rosy und der Offizier lieben; niemand kann mehr die Augen davor verschließen. Und jedem der drei ist klar, dass es hier nicht nur um Sex geht. Es ist eine unglaubliche Nähe. Charles ist eine reife Person und weiß, dass man da nichts machen kann, dass auch niemand sich schuldig macht. Er versucht es auszuhalten, merkt aber, dass er dazu nicht fähig ist, und will, dass er und Rosy sich trennen. Fair und ruhig, er will alles teilen. Er wirft Rosy nichts vor.

 

Rosy beendet die Affäre. Sie wird Doryan nie vergessen. Doryan bringt sich um – aber nicht wegen der verlorenen Liebsten. Im Gegenteil, diese Liebe hat sein Leben wohl verlängert. Ein solch schwer traumatisierter Mensch denkt jede Stunde an seinen Freitod.

 

 
Charles und Rosy beim Spie�ruten-Laufen

Dann kommt das Spießruten-Laufen, als sie beide weggehen von ihrem Heimatdorf. Sie halten zusammen, sie wissen, dies ist nicht ihre Welt.

Es gibt drei, die zu ihnen halten: ein Mädchen, das dem Lehrer Blumen an den Weg legt, der zurückgebliebene Michael und der Pfarrer. Im Anfang hat der Pfarrer noch versucht, Rosy auf den Normalmodus zu stutzen; aber als offensichtlich war, dass ihre Lebenskraft nicht in ein schmales Bett zu zwängen war, schwenkte er um. Ist ja auch sein Job, die Unterstützung der „anderen Welt“ ...

 

Paradise Lost

4. Januar 2006

Die Wanderung ist zwar schon eine Weile her – aber das ist der Ort, der geflutet wird:

Panorama 350 K >>

 
 

Ach, dass ich nicht kurz nach Island fliegen darf!

Riesenkonzert gegen den Staudamm am 7. Januar >> ja klar, Björk ist auch dabei ... und Sigur Rós ...
und ein Blog >> , teilweise auf englisch

 

Prost Neujahr!

1. Januar 2006

  Ornament

 

Für das Neue Jahr die allerbesten Wünsche und auf jeden Ihrer Tage ein Sahnehäubchen!

Unser Jungbusch - Panorama

10. Dezember 2005

 

bei schönstem Winterlicht ...

 
 

mit der Maus das Bild bewegen, a= einzoomen, z= auszoomen

 

360 ° Panorama Jungbusch

größeres Panorama (340K) >>

 

noch mehr Panoramen >>

 

 

Das war 2005>>>

Gertrud Schrenk
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