Weblog 2007 - was mir so auffällt...

 

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Jungbuschpromenade vs Alter Messplatz

2. September 2007

Das lässt mich einfach nicht los.

ja, ich weiß ihr wollt Bilder!! kommen dann auch wieder... aber an dem Abend, als ich auf dem neugestalteten Alten Messplatz war, hatte ich natürlich keine Kamera dabei.

 
 

Es war fantastisch. Dort ist ja zur Zeit eine Bühne aufgebaut (man nennt das jetzt natürlich Arena), und eine Weltmusik-Band gab Gipsy Brass Swing.

Aber das Drumrum! Ich bin nicht hineingegangen, draußen war es viel interessanter, und man konnte sich frei bewegen (drinnen war gestuhlt...).

 

hier noch einer, dem der Platz gefällt >>  

Sie haben dort

1. gaaaaaaaaaanz viele Bänke
2. Bäume
3. geniale Wasserspiele: in den Boden eben eingelassene Fontänen, dh. der Bodenbelag geht einfach weiter, und dazwischen steigen viiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeele Fontänen auf, nach einer Choreographie mal höher, mal niedriger.

Das ist einfach toll, man sitzt, verliert sich in Betrachtung der Fontänen, und der Kinder, die endlos damit spielen, endlos!

Und das Beste: bei diesen Bänken unter den Bäumen bei den Springbrunnen gibt es keine Apartheid! „Schwarze“, „Weiße“ aus allen Schichten genießen den Aufenthalt dort.

 

 

Es gibt ein schönes Café (ja, das wäre bei uns natürlich ganz klar ein Weißen-Café. Aber wenn man sich dafür interessieren würde, wäre es ganz einfach, Weißen- und Schwarzencafés anzubieten).

Niedergang... 

11. August 2007

...der Wissenschaften

Heute wieder ein wunderbares Beispiel für pseudowissenschaftliche Ergüsse – leider aber von Wissenschaftlern in die Welt gesetzt...

 
 

„Warum Frauen ältere Männer und diese jüngere Frauen vorziehen“, tp v.29. 8. 2007

Es soll herausgefunden werden, welches Altersverhältnis zweier Geschlechtspartner zu den meisten Nachkommen führt.

Zunächst werden mal willkürlich ein paar Zahlenreihen aufgestellt: Wir nehmen Paare, die im Beobachtungszeitraum zusammengeblieben sind. Daneben schreiben wir die Anzahl der Nachkommen und die Altersdifferenz der Partner. Dann rühren wir um, lassen alles kurz durchziehen und sieben es dann: heraus kommt, dass Männer mit 6 Jahre jüngeren Partnerinnen die meisten Nachkommen hervorbrachten und Frauen mit 4 Jahre älteren Partnern.

 

siehe auch: Korrelation statt Kausalität 2005  

Das ist eine Korrelation. Kann man ja mal machen. Die kann man als Indiz nehmen, ob da vielleicht – vielleicht! – ein ursächlicher = kausaler Zusammenhang besteht.

Machen die aber nicht. Sie interpretieren direkt kausal, und da wird es hanebüchen. (Man könnte genausogut Zahlenreihen, die die Haarfarbe von Frauen, die Anzahl Handies und die Farbe des Autos des Partners miteinander in Beziehung setzt. Dabei berücksichtigen wir aber nicht Autos der Marke Mercedes sowie BMW und Handies der Marke Sony. Sicher bekäme man dann etwas in der Art heraus: Blonde Frauen, deren Männer ein blaues Auto besitzen, haben die meisten Handies. Rothaarige Frauen, deren Männer ein rosa Auto besitzen, haben die wenigsten Handies.)

Dann interpretiert man das Ganze mit der Logik der Evolution, die ja als gegeben stets vorausgesetzt wird (niemand kommt auf die Idee, dass das evolutionäre Ergebnis vielleicht noch gar nicht vorliegt und wir gar nicht auf einem evolutionär positiven, äh ich meine, einem evolutionär zielführenden Ast sitzen, dh, dass unsere Art erhalten bleibt!). Da ja eine Kausalität hineininterpretiert wird, die überhaupt nicht vorhanden ist, ist die in wissenschaftlichem Sinne völlig haltlose Schlussfolgerung diese: jüngere Frauen gleichen die nachlassende Fertilität des alternden Mannes aus.

Ich frage mich (und auch tp tut dies): mit derselben Begründung würden Frauen genauso jüngere Männer bevorzugen, evolutionstechnisch natürlich. Wieso werden diese Pseudowissenschaftler nicht stutzig, dass der Grund bei Frauen nicht gilt?

Andere entscheidende Parameter werden gar nicht herangezogen, wie Kultur (achso, die ist ja sicher auch aus evolutionstechnischer Notwendigkeit so geworden), ökonomische Stellung, ach ja, da könnte man weiterspinnen, bei Stellungen...

Und warum gerade bei der Beurteilung des optimalen Altersverhältnisses in Bezug auf die Anzahl Kinder wechselnde Partner nicht einbezogen werden, bleibt das Geheimnis dieser Wissenschaftler.

update: und schon wieder eine Korrelation, die kausal interpretiert wird: kann man vorhersehen, wann Paare zusammenbleiben und wann nicht? gibt es Parameter, an denen man das festmachen kann?

In die eine Zahlenreihe wurden so absurde Dinge wie: haben sie ein Eigenheim gestellt; Parameter, die – vielleicht – eine Wirkung haben, wie ob die Paare schon einen anderen Partner hatten (und damit was gelernt haben), oder wie alt die Paare beim Kennenlernen waren, wurden nicht berücksichtigt.

Das ist völlig willenlos und hat mit Wissenschaft nicht das Geringste zu tun.

 

Diese Begründungen werden natürlich nur herangezogen, um bestehende Meinungen und Einstellungen zu rechtfertigen, nämlich dass es biologisch so eingerichtet sei, dass Männer jüngere Partnerinnen haben. Man kennt das ja von der pseudowissenschaftlichen Begründung (siehe weiter oben links stehenden link) dafür, dass Männer einfach fremdgehen _müssen! weil ihre Gene sie dazu bestimmen! sie können gar nicht anders! (evolutionstechnisch ist diese These längst widerlegt, wie auch die – wissenschaftlich begründete – Meinung früherer Jahrhunderte, dass Frauen einfach nicht so intelligent sein können wie Männer, weil sie das kleinere Gehirn haben...)

Die wenigsten können das noch durchschauen, kennen den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität und besonders, welcher Unfug mit einer Vermischung der beiden getrieben werden kann.

 

Sitze

11. August 2007

_Wie wollen wir leben?

Heute ist Samstag. Ich gehe auf den Markt. Immer weniger Stände, denn es gibt mal wieder neue Auflagen, die zB das Parken für die Anlieferer in der Innenstadt erschweren.

Einer der Marktstandinhaber hat sich als Werbegag was ausgedacht: er spricht wie einer der Standinhaber, die in südöstlichen Ländern ihre Wurzeln haben. Am Anfang fand ich das witzig!

Aber mit der Zeit nervt das. Heute ruft er einem Pärchen, das an seinem Stand vorbeiflaniert , zu: Probieren, probieren! mit Akzent. Die drehen sich kurz um und gehn weiter. Ein Kunde am Stand meint: die verstehen das Wort Probieren nicht.

 
 

Ich hätte Paranoia? Ihr hört den Unterton nicht, der bei beiden mitschwingt ...

Na, egal, das hebt die Laune nicht unbedingt. Ein Stück weiter ein Plakatständer, der einen Artikel aus dem Mannheimer Morgen zeigt. Hier machen sich wackere Zeitgenossen Sorgen um die Sicherheit der Fußgänger auf der Breiten Straße: wegen der neuen Bänke. Wenn man da sitzt, und die Füße ausstreckt, und es läuft noch jemand vor einer vorbei, und eine Straßenbahn kommt – wird's eng.

 
 

Da hat die Stadt mal wirklich was Tolles gemacht! Wirklich viele, schöne Holzbänke laden ein zu verweilen, sich zu unterhalten und die Fußgängerzone als Aufenthaltsort wahrzunehmen!

Und wieder ist es einigen nicht recht. Wenn man den Leuten so wenig Aufmerksamkeit zutraut, müsste man gleich den gesamten Straßenbahnverkehr in der Fußgängerzone abschaffen; das ist doch sehr gefährlich, wie die mitten zwischen den Fußgängern hindurchgleiten!

Man kann's auch anders sehen. Lass die Leute doch selbst aufpassen, sie können das!

 

A propos Sitze: auf unserer Promenade im Jungbusch gibt es immer noch kein Holz auf den Bankgerüsten. Im Gegensatz zu dem, was das Gemeinschaftszentrum in der Buschtrommel verlautbart. Ebenso wenig stimmt, dass das Leben auf die Promenade erst durch die Aktivitäten der sog. Containerstadt gekommen sei.

Stimmt einfach nicht. Es ist auch jetzt genau so viel oder wenig Leben dort wie vorher. (Doch, langsam gibt es mehr, die einfach dort entlang gehen – es braucht halt auch Zeit.) Außer wenn Veranstaltungen sind natürlich!

Die Leute, die auf einer Decke im Kreis auf dem Boden sitzen, die gab es früher schon; die Punks, die auf dem Ausleger saufen und Feuer machen; die Kinder, die spielen. Viele sind es eh nicht, auch jetzt nicht. Es gibt ja dort auch "nichts", wie mir gesagt wurde. Mehr Volk gibt es weiter hinten, beim Studierendenwohnheim; dort sitzen die Studierenden eben auf ihrem Holzsteg.

Wir sind ja froh, dass das Gemeinschaftszentrum eine Fragebogenaktion gestartet hat zum Thema: was fehlt auf der Promenade. Die Antworten werden einer schon vorgegeben: grün, Grillplätze, Veranstaltungen, Kinderspielplatz.

Dass da jahrelang schon mal in einer Zukunftswerkstatt mit BewohnerInnen Ideen entwickelt wurden, was denn die Leute auf so einer Promenade haben wollen – vergessen, unter den Tisch fallen gelassen.

Der große Spielplatz wird ja derzeit umgebaut, dort wird die "Turnhalle plus" gebaut, mit Veranstaltungsraum. Der Bolzplatz kommt aufs Dach.

Promenade Jungbusch

 

 

Aber bis dahin? Kein Bolzplatz, nirgends. Der Bolzplatz ist, nein, ach, war ein wichtiger Treffpunkt, und es hat sich dort eine Infrastruktur gebildet, wer wann spielt usw. Das wird dann alles kaputt sein. Und wo sollen die Jugendlichen und Erwachsenen sich in den Jahren der Bauzeit austoben? Gibt es etwas Wichtigeres, als dass sie sich bewegen und Energie abbauen??

Die Familien ziehen alle weg. Niemand tut etwas, um die Familien zu halten (offizielle Verlautbarungen sagen natürlich etwas anderes ...). Angemessene Wohnungen sind viel zu teuer, in LU ist es billiger. So erzeugt man Ghettobildung ... die Gentrifizierung ist im Jungbusch im vollen Gange. (komm ich jetzt in die BKA-Datei (oder bin ich schon drin...), wenn die dort mal wieder googeln, wie bei Dr. Andrej H. aus Berlin >> mit Überwachung meines Hauseingangs usw??)

Aufwertung von Stadtbezirken und die damit einhergehende Vertreibung alteingesessener Bewohner. “Gentrifikation” ist der internationale Fachbegriff dieses Prozesses, der vor allem in Großstädten dazu führt, dass sozial Schwächere aus ihren angestammten Quartieren verdrängt werden. Alte Menschen und kinderreiche Familien werden in der Folge mehr und mehr an die Stadtränder ausquartiert, ihnen wird ein Leben in einem urbanen Umfeld unmöglich gemacht.

 

Apropos Containerstadt: die meisten der Container stehen leer. Die schönsten stehen am Neckar, wo heute riesig Hochwasser ist; das verrückteste: es gibt dort Querwellen! hab ich noch nie gesehn. Weit und breit kein Schiff. Unter der Eisenbahnbrücke bilden sie sich und wandern neckaraufwärts, breite Wellen, wie die Kielwellen von Schiffen, aber quer zur Laufrichtung des Flusses, gespenstisch. Es drückt wohl das Wasser aus dem Rhein in den Neckar.

Also dort stehen die schönsten Container. Einer ist zum Neckar hin fast ganz verglast, vier Container im Winkel aufeinander, mit einer tollen Holztreppe innen.

 
 

Unsere armen buschgirls (und -boys) müssen sich in ihrem Einzelcontainer zusammendrängen ...

Näher kann man dem Himmel nicht kommen...

3. August 2007

... der Tungnafellsjökull im Hochland von Island

Interaktiv als 360° Panorama.

4 Jungs und 1 Frau, auf unfertigen Bankelementen posierend

 

Über den Gletscher sieht man den Vatnajökull, im Süden den þríhyrningur, das Gebiet um Landmannalaugar, im Westen schimmert der Hofsjökull unter dem Wolkenvorhang. Dazwischen die unglaubliche bleigraue Wellenwüste des Sprengisandur.

Kneipendifferenzierung im Jungbusch

3. August 2007

... mehr zum Thema Apartheid

kann man nur noch konstatieren. Zu machen ist da nichts mehr. Zu wenige, die es noch stört.

Ich bleibe "jugendlich", im Sinne von Andreas Maier, FR vom 27. Juli 2007, "Meine Engel":

 

 

„Der andere, der Berufsjugendliche, ist dagegen zu ewiger Peinlichkeit verurteilt, weil er im begründenden Diskurs nur verlieren kann. Als Jugendlicher wird er noch geduldet (man sieht seinen Zustand bloß als eine Art vorübergehende Krankheit an). Ist er zehn Jahre älter, muss er entweder ein Heiliger geworden sein, oder er sollte sich endgültig klarmachen, dass er nicht an Diskursen teilnehmen sollte, die nur und ausschließlich für die da sind, die einen Staat machen wollen und es auch tun, mit allen üblichen Konsequenzen, bis ans Ende aller Zeiten.“

Es ist 23.45 Uhr. Ein Freitag Abend/ Nacht.

 
 

Gegenüber, das "Blau", die Kneipe der Möchtegern-Intellektuellen, hat vor einer Viertel Stunde die Stühle reingeräumt (eigentlich 22 Uhr). Das macht aber gar nichts, man kann auch auf der Straße rumstehen und sich laut unterhalten. Ich verstehe teilweise jedes Wort. Ca. 10 Leute.

Das würde mir alles gar nichts ausmachen – wenn nicht die Kneipe der leute aus Gaziantep, das ist Südtürkei, schon lange zu hätte. Seit ich aus dem urlaub zurück bin, haben sie auch keine Tische und Stühle mehr draußen, auch nachmittags nicht mehr. (update: sie haben renoviert)

 

Ich sehe Gespenster? Noch vor 2 Wochen unterhalte ich mich mit einer Kulturschaffenden, die in den Jungbusch gezogen ist, über die abendliche Lautstärke in unserer Straße.

Womit ich das "Blau" meine – und sie behauptet, as Gaziantep sei nachts laut.

Das ist glatt gelogen – oder der selektiven Wahrnehmung geschuldet. Damit diesselbe bei mir nicht auch zugeschlagen hat, führe ich Buch.

Es stimmt: Gaziantep nach halb elf keinen Lärm mehr auf der Straße, das Blau sehr unterschiedlich, aber an Wochenenden kann das bis drei Uhr gehen, dass junge Leute ihre Ansichten über Staat und Festplatten lautstark auf der Straße diskutieren.

 

Und das sind eben die kleinen Dinge, wie der Rassismus praktisch umgesetzt wird. Offiziell werden natürlich ganz andere Töne gespuckt.

Weiter zur Situation: vorne am Wettbüro stehen 4 Leute, unterhalten sich, recht leise. Onkel Otto Bar (früher Oben-Ohne-Bar, aber das finden Möchtegern-Intellektuelle ja cool... kein Funken von Mitgefühl, was sich hier abspielte) hat eine Veranstaltung, das bedeutet, eine große Wolke an Publikum, das sich vor der Tür vergnügt und lautstark diskutiert – "Weiße" natürlich, wie die Gäste des Blau.

Leute wie letztere waren früher das Feindbild der Polizei (umgekehrt noch heute), aber jetzt sind sogar sie in den Augen der Polizei "anständige Leute", im Gegensatz zu den Ausländern...

 

Die Eckkneipe, früher Roma, niemand draußen, drinnen wenig Gäste. Die Polizei war zu oft da, da bleiben die Gäste weg, wie auch in der ehemaligen Romakneipe in der Beilstraße. Es gibt jetzt keine Roma-Kneipe mehr.

24.20: 15-20 Leute vor dem Blau, laut lachend usw.

1.30: ca 20 leute vorm Blau, laute Unterhaltung, 2 Personen vor Onkel Otto, ein Mann am Baum. Ich gebe den Blumen nochmal Wasser und gehe ins Bett.

 

Hafenfest

16. Juli 2007

mit Hafenrundfahrt

besuchreInnen am Ufer

 
 

Abfahrt

Wasser, Container, Kräne, Himmel

 
 

Silos am Ufer in Grautönen

Skipper Gerhard Free

... und der Skipper Gerhard Free!

Stadtteilfest im Jungbusch

16. Juli 2007

... mehr zum Thema Apartheid

 

Das Stadtteilfest findet dieses Jahr an der neuen Promenade statt. Sehr schöner Standort, die Stände am Wasser aufgereiht, der neue Platz bei der Aral für Bühnenvorführungen.

Nur langweilig war's. Haben mir jetzt auch mehrere bestätigt. Waren mehrmals dort, jedesmal langweilig.

 
 

Vorführungen gab's fast nur noch von den "Weißen", die früheren Darbietungen der "Schwarzen", die ein "schwarzes" Publikum anzogen – nichts mehr davon.

Es gab noch Vorführungen von betreuten Gruppen von "schwarzen" Kindern und Jugendlichen – als Betreuungsobjekt gehn sie gerade noch, und wie kann man sie dann loben, wie toll sie sich rausgemacht hätten, und auch wir BetreuerInnen können uns loben, wie toll wir das mit "denen" gemacht hätten...

 

Die meisten der Veranstaltenden wohnen auch nicht im Jungbusch, der Bewohnerverein so gut wie die Einzigen.

Ich will ja nicht mur motzen: einfach wäre gewesen, die Gastronomie in einheimische Hände zu geben. Sogar mich (! – obwohl ich nichts damit zu tun habe) hat einer angesprochen, dass er gerne ein Cafe machen würde, so containermäßig), aber das gibt man auch in die Kreise, mit denen man intim verbandelt ist: das Nelson.

 

Gipfel der Integration

13. Juli 2007

„Wir“ und „ihr“ ?

Artikel zum Intergationsgipfel in telepolis und FR

 
 

hätten 4 Verbände nicht boykottiert, wer weiß, ob das Medienecho nicht noch schwächer gewesen wäre.

Die meisten Artikel mit den üblichen Argumentationslinien: man kommt auf Ehrenmorde und dann auf Zwangsheirat. Und alles weitere braucht nicht mehr erwähnt zu werden.

Wehe, wer so menschenverachtend ist, da noch was dagegen zu sagen!

 
 

Ganz klein ein Bericht der OECD, dass Ausländer in Deutschland diskriminiert werden.

Ich sags nochmal ganz laut:

Eine OECD-Studie bestätigt, dass Ausländer in Deutschland diskriminiert werden.

Was jede und jeder weiß; was bekannt ist; was auf vielfältige Weise erfolgt: der Rassismus der "einheimischen" Bevölkerung gegen "Ausländer" (Def. weiter unten) findet sonst in all den klugen Abhandlungen nie eine Erwähnung.

 
 

Stets wird nur gefragt: wie können Ausländer integriert werden? (in letzter Zeit wird dies reduziert darauf, dass die Ausländer sich besser integrieren müssten. Als ginge das Problem von ihnen aus.)

In all den klugen Versuchen, wie man "Integration" (Def. weiter unten) verbessern könne, wird nie überlegt, wie man dem Rassismus beikommen könne.

Würden sich die Leute angenommen fühlen, hätten sie einen Platz wie alle anderen auch, wäre ein Großteil der Probleme hinfällig.

Übrig blieben Probleme, die alle betreffen, Extremismus, Gleichberechtigung für Frauen, Gewalt usw.

Mal ein Wort zum Begriff: Ausländer. Damit wird ja nicht jeder Mensch gemeint, der oder dessen Familie aus einem anderen Land als Deutschland stammt.

Ein Norweger ist nun mal kein Ausländer, und auch ein Amerikaner nicht. Und das wird beim neuen Zuwanderergesetz auch so gesehen! Die Verschärfungen, gegen den die Verbände demonstrieren, betreffen Leute aus USA, Kanada, Japan usw. nicht.

Ausländer sind Leute, die oder deren Familie aus südlichen bis östlichen Ländern stammen. Von Afrika bis Asien. Und deren Haut meist dunkler ist. (Chinesen zählen neuerdings nicht mehr dazu...).

 
 

Das bedeutet: „Ausländer“ wird als Schimpfwort verwendet oder zumindest mit Minderwertigkeit gleichgesetzt.

Noch kurz, bevor ich die FR endgültig kündige, kommt doch noch 1 guter Artikel, der meinen Erfahrungen entspricht:
Arno Widmann: Das ist der Gipfel
Integration lässt sich nicht verordnen, weder den Bürgern noch den Zuwanderern.

 
 

„Es geht nicht darum, dass der eine den anderen schluckt – nichts anderes meint Integration –, es geht darum, dass man bereit ist, sich auseinanderzusetzen. Dazu gehört, dass man sich nicht versteckt hinter einem angeblichen Konsens, hinter gemeinsamen Werten, die es gegen einen Invasor zu verteidigen gelte. Es gibt diese gemeinsamen Werte. Aber sie werden auch von den Neuankömmlingen geteilt.“

Lieber Herr Widmann, danke!

Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch nochmal an den Artikel von

Dilek Zaptçıoğlu in der taz vom 4.2.2006

„Denn in Deutschland kann der Migrant noch so laut "Wir!" schreien – er wird immer "sie" bleiben.“

ein Wort noch zu Telepolis: 2 Artikel:
Staatlicher Rassismus oder mangelnder Integrationswillen? (Peter Nowak)
Vier große türkische Verbände sagen Teilnahme am Integrationsgipfel der Bundesregierung ab

und

DITIB beim Wort genommen (Thomas Pany)
Günther Wallraff will in der umstrittenen Kölner Moschee Salman Rushdie lesen

 

Auch telepolis zitiert wieder einmal die typischen Verdächtigen wie Seyran Ateş (diesmal ohne Necla Kelek...), die allein aus dem Grund erhöhte Glaubhaftigkeit versprechen, weil sie aus der türkischen Kultur stammen. Der Rassismus in diesem Artikel der tp ist sehr subtil, jedoch wenn man sich etwas auskennt, leicht zu durchschauen.
Die Verbände "hätten gegen die unerklärten Spielregeln verstoßen" (übersetzt: sie sind halt ein bisschen naiv = dumm); oder:
"Doch Migrantenorganisationen haben in der deutschen Öffentlichkeit nicht das Standing, dass sie eben so selbstbewusst ihre Interessen vertreten können." (übersetzt: Leute, ihr habt leider keine Macht = wir haben die Macht, und wir stehen über euch).
Eine gewisse Unsicherheit bei dem Redakteur ist durchaus zu spüren, etwa bei solchen Sätzen: "Wer das Interview liest, lernt viel über den aktuellen Diskurs zum Thema Integration in Deutschland und versteht die Schwierigkeiten der Verbände, deren Boykott aus einer Position der Defensive heraus erfolgt."
Dennoch: Seyran Ateş als einzige Stimme zu wählen, ist schon an sich tendentiös.

In der ganzen Diskussion über Frauenrechte und Extremismus in der "türkischen" Kultur werden mangelnde Frauenrechte und ein echtes Rechtsradikalenproblem in der "deutschen" Kultur völlig ausgeblendet.

Diese Probleme betreffen nun mal alle Kulturen!

Des weiteren: eine Aussage wie: Bekir Alboga sei kein typischer Vertreter (das steht in dem anderen Artikel der tp gestern zu DITIB und Wallraff und der neuen Moschee in Köln "DITIB beim Wort genommen" ), geht in die gleiche Richtung. Ich kenne Herrn Alboga persönlich etwas, er war ja Hodscha und einer der Hauptakteure auch bei den Integrationsaktivitäten der Moschee hier in Mannheim, die bei mir gerade um die Ecke steht. Er ist ein ganz normaler Typ, sowohl an "Deutschen" gemessen als auch als "Türke".

Was halten diese Redakteure bei telepolis bzw Günther Wallraff für typisch türkisch??

Wann kommt das Patent auf Menschen?

11. Juli 2007

... wenn ein Kommentator das nicht schon geschrieben hätte...

"Habe grade das Patent auf den männlichen und weiblichen Homo Sapiens Sapiens eingereicht. Mit Unterpunkten für die diversen Farbmuster - wen ichs durchkriege bin ich ein gemachter Mann ;) bei ca. 8 Mrd. Menschen.

Und das beste es werden immer mehr. "

 
 

...hätte ich's geschrieben.

Patent auf Sonnenblumen

Ob Sonnenblume oder Brokkoli - Konzerne wollen sich normale Pflanzen patentieren lassen.

Sonnenblumen auf Monitoren, grau-gelb
Sonnenblumen auf Monitorwand

ne, kein Aprilscherz, auch wenn wir Aprilwetter haben ... (Aaber ich finde das Wetter toll! kann gar nicht besser sein!)

Welt Online v. 10. Juli 2007

 

Ich in meinem dummen Menschenverstand habe unter patentfähig immer eine Erfindung verstanden; und zwar eine, die noch nicht auf der Welt ist!

Bänke kommen!!!

28. Juni 2007

... das Jubiläumsjahr ist allerdings schon halb rum...

4 Jungs und 1 Frau, auf unfertigen Bankelementen posierend

 

  4 Jungs als Bremer Stadtmusikanten am Verbindungskanal

bei wem kann man sich bitte mal bedanken???

7. Juni 2007

... ohne das Internet und die lieben netten Menschen, die alles Mögliche hineinstellen, könnte ich meinen Beruf nicht ausüben!

 

Alles, was ich am Computer gelernt habe, habe ich aus Büchern – und aus dem Internet!

Nehmen wir nur das Beispiel „neuer browser“. Der IE6 war schon immer eigen, und man musste speziell rumfummeln, dass es dort gleich aussieht wie im Firefox.

Da kommt ein neuer IE, die version 7. Jetzt sei alles richtig? neeeeeeee.

 
 

Dann geht man ins Internet, und nach einer viertel Stunde weiß man das Wichtigste zu den Macken des neuen Internet Explorers! Was würde ich machen, wenn es das nicht gäbe? ständig auf teure Schulungen gehn?

Es ist ein wahres Wunder, dass so viele Menschen ganz umsonst so viel wertvolle Informationen einstellen!

Das ist viiiiiiiieeel Arbeit, und die wenigsten werden dadurch berühmt, so dass sie irgendwann ihren Einsatz zurück erhalten (für die, die an return on investment glauben).

 

Die meisten machen das – ja – warum nun eigentlich??

neues zum Thema 360° Panorama Fotografie ...

7. Juni 2007

... Nachbarn suchen

 

Bislang haben wir immer nur nach unserem Hausdach, nach unserem Fenster gesucht, in google maps oder google earth – jetzt können wir unsere Nachbarn bei - bei - bei - beobachten - - -

zB mit google "Street View" (bis jetzt nur für ausgewählte Städte in den USA)

google map 360
von Teufelsbrücke auf neuen Platz geblickt

...oder mit microsoft

...oder sogar während der Vorwärtsbewegung, mit 2 Diplomanden

Foto:links Mann in blau-rotem Kleid, vor rauchender landschaft

Käfer vor amerikanischer felsenlandschaft, merkwürdige Konstruktion auf dem Dach

Das ist das Gefährt, das google dazu benutzt...

...und diese Discokugel, auf dem Dach montiert, ist (oder vielmehr: sind) die Kameras ...

Kugel mit Stiel, ca. 10 Kameras eingepflanzt

Apartheid im Jungbusch

2. Juni 2007

 

es gibt auf der ganzen Promenade noch nicht mal einen Mülleimer...

...wo man es doch sonst immer so mit der Sauberkeit hat ...

Und warum gibt es hier keine Bänke? Keine Bäume?

Irgendwas, das Menschen mögen??

Ja, hübsch anzusehen ist die Promenade, für Archtekten, und für Mittelschichtler, die meinen, einen guten Geschmack zu haben ...

Blick nach Norden die promenade entlang
Schindeln

Besonders viel Mühe hat man sich mit diesen Schindeln gegeben; ein Zitat an ein Dach – sowas mögen Architekten. (Mich erinnert es auch an zum Trocknen aufgehängten Stockfisch ... in Island ... )

Keine und keiner „aus dem Dorf“ versteht sowas.

Das ist eine ganz klare Trennung. (Ein Mädchen sagt zu mir: ach, du guckst diese Serie, da trinken sie Wasser und Apfelschorle? In meinen Serien trinken sie nur Cola). Man hat es schon geahnt – ich bin natürlich auch aus der Mittelschicht, so eine Bildungsbürgerin. Aber ich kann mich in verschiedenen Welten bewegen. Auch sprachlich. Auch vom Habitus her. Und ich kann die Welten als gleichwertig nebeneinander existierend wahrnehmen.

Warum sind all die jahrelang erarbeiteten Vorschläge der BewohnerInnen nicht eingeflossen in die Planung?

Das ist der Mauerpark in Berlin, Prenzlauerberg. Dort ist es richtig schön! Dort merkt man, dass an die Benutzerinnen und Benutzer gedacht wurde bei der Planung; es gibt die vielfältigsten Möglichkeiten, sich aufzuhalten.

Foto:links Mann in blau-rotem Kleid, vor rauchender landschaft
 

Ein Stück der Böschung zum Verbindungskanal so mit Granit abzutreppen, bei der Teufelsbrücke kann man sogar ein Viertelsrund machen; einen Steg aufs Wasser, mit ein paar Bänken; etwas zum Schatten spenden – ach, da möchte man sich aufhalten!

Oder ist das am Ende gar nicht gewünscht???

Weiter hinten, wo das Reservat für die Studis ist, gibt es diesen Holzsteg an der Seite entlang. Dort liegen diese immer, oder essen...

Warum hat man kein Hafenbad entwickelt? Das ist gar nicht so aufwändig. Biologisch klären, drei bis fünf Jahre, und man hat das schönste Badewasser. Da wär was los, ein Leben!

 

Der Jungbusch interaktiv

1. Mai 2007

Jungbusch Panorama

Vollbildpanorama 360 °

man kann es so und anders sehen...

30. März 2007

... die Promenade hinterm Jungbusch – oder: was für einen Jungbusch wollen wir haben?

Im ständigen Bemühen, unsere Kinder so gut wie möglich auf das spätere Leben vorzubereiten, haben wir die Erziehungseinrichtungen zu perfekt organisierten und reibungslos funktionierenden Friedhöfen gemacht. Dort können die Kinder nun noch früher als wir selbst damals lernen, wie man seine ursprüngliche Lebendigkeit begräbt.“ (Hervorhebung von mir!)

Gerald Hüther in der FR, 20.3.20007

Beziehen wir diese Aussage nicht nur auf Erziehungseinrichtungen, sondern auf das ganze Leben, oder hier natürlich: das bauliche Umfeld!

 

Graffiti mit Maschine an der promenade Jungbusch

Man kann die Promenade dreckig nennen.

Oder malerisch, offen, mit Platz für Fantasie.

Nicht jeder Quadratzentimeter ist definiert.

 

Verfallendes Gebäude mit Licht auf graffitii an der Promenade Jungbusch

Nicht nur junge Leute brauchen Freiräume, Freiräume für den Geist, wo nicht alles fertig ist, vorgefertigt, kontrolliert.

Und diese Offenheit stirbt leider mit dem Zwang zur Sauberkeit. Alles andere gerät dann aus dem Blick, man sieht nicht mehr die Schönheit, sondern nur noch jeden einzelnen Schnipsel, der am Boden liegt. Und jeder Schnipsel, der einen dann ärgert, verhärtet einen noch mehr.

 

Buschtanz statt Buschputz

22. März 2007

 

oder: Die schärfsten Kritiker der Elche
sind zu Hause selber welche

Die müden Krieger kommen heim vom „Buschputz“. Wie eifrig sie sind! ich weiß leider nicht, was ihnen versprochen wurde, aber ohne Belohnung machen sie das normalerweise nicht.

Junge, einen vollen Müllsack mühsam schleppend
Junge, einen Gegenstand hinter sich her zerrend

Im Jungbusch sind sich alle einig: „Der Jungbusch ist dreckig!“ Alle verkünden das, quer durch die Schichten, quer zur Nationalität.

Besonders aber verkünden das die, bei denen zuhause es dreckig ist oder – die selbst Dreck am Stecken haben. Die Asozialen schimpfen auf den asozialen Jungbusch (und ich kenne Asoziale im Jungbusch in allen Schichten, bis zum Großbürgertum) und sind selbst kriminell oder verwahrlost oder erziehen ihre Kinder nicht oder oder.

Die übliche Projektion eben: Die schärfsten Kritiker der Elche sind zu Hause selber welche (leichte Abwandlung nach F.W.Bernstein)

Foto:links Mann in blau-rotem Kleid, vor rauchender landschaft
 

Wenn man Grillplätze anmahnt, wird einer entgegengehalten, diese würden ja dann verdrecken (gemeint ist natürlich, von den Ausländern, die ja oft in ganzen Familien anrücken). Wie kommen die Leute zu dieser Annahme? All die Jahre ist die Promenade, als sie noch keine war, kaum verdreckt; und wenn, dann von allen, besonders aber von den Jugendlichen aller Nationen), die ihre Pizzapackungen und Bierflaschen dort einfach liegen lassen. Auch das Strandbad, ein einziges Familien-Grill-Paradies, ein Wunder, dass es das noch gibt, ohne Eintritt, also das Strandbad verdreckt überhaupt nicht; und was da alles angeschleppt wird, das glaubt man kaum, ganze Haushalte hat man den Eindruck...

Ich habe nichts gegen Sauberkeit, aber warum die Energie gerade dort so heftig investiert wird – das begreife ich nicht. Wenn andere Aktivitäten genauso stark forciert würden, mit dem gleichen Energie- und PR-Aufwand – klasse!

ein Volksfest kann das Saubermachen sein!

 

Jungbusch

Aber immer nur dieser Putzwahn – da gibt es wahrlich Sinnvolleres.

Und damit ihr nicht sagt, ich würde ja nur destruktiv motzen: Warum nicht mal ein Tag für die Alten? Der ganze Jungbusch holt die alten Leute aus ihren Wohnungen, fährt sie spazieren, feiert mit ihnen. oder ein Quiz-Tag? internationales, interkulturelles Quiz! („Nenne mir jeweils 4 Vornamen in 4 Sprachen“)

Wie wäre es mit Buschtanz?

 

Eine fetzige Combo, mit südosteuropäischen Klängen und Hiphop und anderer aktueller Musik, das gefällt fast allen hier; dazu eine Animateurin oder einen Animateur, und dann wird getanzt, auch Gruppentänze, das Bedürfnis zu tanzen schlummert sowieso ganz dicht unter der Oberfläche und bricht bei der kleinsten Gelegenheit durch.

Das ganze natürlich öffentlich, leicht zugänglich, mit dem gleichen PR-Aufwand wie der Buschputz; aber im Besonderen mit Mundpropaganda zu allen Bevölkerungsteilen – ja, da braucht man Kontakte, und das Vertrauen der Leute ...

Das würde dann mal kein negatives Vorurteil verfestigen („Der Jungbusch ist dreckig“), sondern wenn überhaupt ein Vorurteil, dann ein Positives („Lebensfreude“). Der Buschtanz würde gute Laune machen, hätte positive Identifikationseffekte, würde eine positive „Konditionierung“ bewirken („Im Jungbusch hat man viel Spaß“) und hätte Außenwirkung.

Der Buschtanz hätte eine verbindende Wirkung über Alter, Schicht, Geschlecht, Nationalität hinweg.

Aber bitte nicht wieder eine Mittelschicht-Veranstaltung wie dieses Containerprojekt oder diese Kunstprojekte ...

Miilchmädchen...

23. Februar 2007

...oder wie man Autos in Zeiten der Klimakatastrophenmeldungen sponsert

Das ist meine Karre. Im April wird sie 20! _Das wird gefeiert.

graubraunes AutoJungbusch

Mittelklasse-Limousine

Das ist ein von der diskutierten neuen KFZ-Steuer (gegenüber meinem) begünstigtes Auto. Er verbraucht 8,7 l auf 100 km.

 

Mein Wagen hat auch mal 8,7 l verbraucht, vor 10 Jahren, als ich ihn kaufte. Heute braucht er 10-11 l.

Die Kanzlerin verhindert die Durchsetzung der EU-Normen, die die Autoindustrie zwingen würde, sparsame Autos zu bauen. Das wäre fürs Klima gut und würde das Know-How weiter ausbauen.

 

 

Es wird eine neue KFZ-Steuer geboren, die nur einen Vorteil hat: die Leute zum Kauf neuer Autos zu animieren. Warum nicht weiter über den tatsächlichen CO2- Ausstoß besteuern, nämlich übers Berzin? (meint auch Steffen Richter in der ZEIT >>:„Eine Kfz-Steuer, die sich nur nach dem Kohlendioxid-Ausstoß bemisst, berücksichtigt nicht die CO2-Emission pro Kopf und Kilometer, sondern nur den einmal gemessenen Ausstoß. Der ändert sich jedoch oft mit dem Alter oder durch Aufmotzen des Fahrzeugs.... Die erwähnte Frage des Alters eines Autos wiederum ist oft direkt mit der Frage von Vermögen und Einkommen der Halter verknüpft.)

Nach den neuen Ideen müsste ich für meine Karre (noch) mehr Steuern zahlen, mehr auf jeden Fall als für obiger Dienstwagen zB anfällt.

Wir rechnen: ich fahre kaum, stoße also _wesentlich weniger CO2 aus als ein solches Auto, das üblicherweise sehr viele Kilometer fährt.

Außerdem werden der CO2-Ausstoß und weitere immense Umweltbelastungen bei der Produktion bei dieser Rechnung überhaupt nicht berücksichtigt.

 

 

Dinge lange zu nutzen, bevor man sie wegwirft, ist _sehr umweltfreundlich. Würde man solches Verhalten belohnen, ließe sich sehr viel an Umweltgiften einsparen.

Aber wir sind ja eine Autobauer- Nation. Das heißt, unsere gesamte Wirtschaft ist in hohem Maße vom Verkauf von Neuwagen abhängig.

Man sieht das Sponsoring zugunsten der Autoindustrie auch an der mehr als stiefmütterlichen Behandlung des öffentlichen Nahverkehrs. Man braucht zum Vergleich nur mal in der Schweiz mit dem ÖPNV zu fahren. Bequem, praktisch, auf Kundenbedürfnisse wird reagiert – und man kommt wirklich schnell in die entlegensten Gegenden! Auch ist das Image nicht kaputt, wenn man kein Auto besitzt, im Gegenteil, sehr viele haben dort überhaupt kein Auto.

 

Altmeisterliche Meisterschaft

12. Februar 2007

World Press Foto 2007,
Akintunde Akuleye, Nigeria
Foto:links Mann in blau-rotem Kleid, vor rauchender landschaft
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...es ist nicht zu fassen, wie gut manche Leute fotografieren können - - -

Aufgebaut wie ein Renaisssance-Gemälde, Raphael, Giorgione, Tizian. Farblich – das könnten alles natürliche Pigmente sein; rot und blau der Mantel, der Hintergrund fast farblos, verschwindend in Dunst, der weite Raum. Architekturelemente, Hügel, Landschaft, die Hauptfigur im Vordergrund stark dagegen abgesetzt; die Mahnung, das Jüngste Gericht ...

die Bewegung dann Barock –

Bellini, Madonna del Pratow, 1557

 

Der Jungbusch virtuell –

1. Februar 2007

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wächst!

think big

27. Januar 2007

Eröffnung zum Mannheimer Stadtjubiläum im Jungbusch

da kann man viel über Propaganda lernen

www.pattern-project.org/ornament/kunstler/

Witzig zur Eröffnung in der Jungbuscharena ein Spektakel: die Badewannen von dutchtub.com – ob noch jemand gebadet hat? Wir sind nicht so lange geblieben.

Große Badewannen zwischen Popakademie und Jungbuscharena

Interview in der Popakademie

Unsere buschgirls and -boys ergatterten ein Interview mit zwei Mitgliedern der Groove Guerilla, das in der Popakademie geführt wird, die Jugendlichen erschauern vor Ehrfurcht ;-) Jasmin hat es am gleichen Tag noch eingestellt >>

hier der Blick in die Halle der Jungbuscharena mit den schönen Spitzenvorhängen...

Blick in die Jungbuscharena

Jungbuschstraße mit bemalten Fahnen an Schnüren aufgehängt

Vor 5 Jahren, als ich nach Mannheim zog, war der Jungbusch schon ausgewählt als einer der Schwerpunkte für das Stadtjubiläum 2007.

Mit welchen Attraktionen?

◊ Kauffmannmühle als Handwerker- und Ladenzentrum (Zunft AG) mit Lofts und New Media Agenturen usw. man dachte an London Docks, Duisburg Innenhafen -
  Ergebnis: ● denkmalgeschütztes Ensemble verfällt, in den stadtseitigen Gebäuden 1 Internetagentur, 1 Radiosender; aber auch nicht in dem großen Fabrikteil. Im Hinterhof bekommt eine Künstlergruppe Räume.

◊ Promenade
  Ergebnis: ● Eine kalte Straße ohne Bänke, ohne Bäume, mit wenigen Trockenpflanzenensembles. Für wen? Für die ICE-Reisenden, für Bildungsbürger, die sowas cool finden (wissen wir ja jetzt, wie das zusammenhängt Vortrag Flagge >> ). Auch hier wird weder an die Kinder, noch an die Bedürfnisse des größeren Teils der Bevölkerung gedacht, die zb grillen will - Studierende, Familien, Paare, alle kann man heimlich grillen sehen, bevor sie von der Polizei verjagt werden (manchmal drückt diese sogar ein Auge zu...).

◊ Das Image soll gehoben werden
  Ergebnis: Popakademie, Musikpark werden angesiedelt. Das finden alle toll! Sie hoffen ja, dass etwas von dem Ruhm auf sie abfällt, und die Jugendlichen haben nichts im Kopf als entdeckt zu werden, Deutschland sucht den Superstar. Dass keinerlei Beschäftigungswirkung für den größten Teil der ansässigen Bevölkerung ausgeht, auch indirekt nicht, wird unterschlagen.

◊ Ein „Szeneviertel“ soll gebastelt werden.
  Ergebnis: ● eine „Künstlergruppe“ wird gegründet (laboratorio17), unter Regie eines von der Stadt Beauftragten. Zu 90% wohnen diese Künstlerinnen und Künstler nicht im Jungbusch. Die Qualität der Aktionen lässt sehr zu wünschen übrig ...
● Der Nachtwandel wiederum, ein Quartiersfest wie man es kennt, ist ein Erfolg, für alle!
● Die Stadt richtet subventionierte Künstlerateliers ein. Wir beobachten, ob die üblichen Verdächtigen einziehen.

◊ Das Quartiermanagement. "Mit Hilfe der EU-Förderung soll das Quartiermanagement darüber hinaus ein modellhaftes integriertes Handlungskonzept für eine Bewohnerbeteiligung entwickeln, das auch auf andere Stadtteile übertragbar ist." (Stadt Mannheim >>)
  Ergebnis: ● Das Quartiermanagement ist hauptsächlich mit Sauberkeit und Ordnung beschäftigt, wie vielfach berichtet. Wie es mit der Bevölkerungsbeteiligung in Wirklichkeit bestellt ist, habe ich ja nun bis zum abwinken berichtet. Aber:
● Die Kinder und Jugendlichen machen wirklich viel, und es gibt auch viele Angebote für sie. Das ist guuuuuuuuuuut!!! Doch, ich kenne auch gute Sachen ... Wir hoffen, dass es eine Generation weiter ganz anders sein wird. Die Kinder haben viele Fahnen gemalt und aufgehängt, das sieht schön aus! wenngleich fast alles lieblos kurz hingeschmiert ist. Ich sehe es von meinem Balkon ...

(und ich rede jetzt nicht von den anderen missglückten projekten, wie der Lichtinstallation für 30 000 Euro, oder den Musterteppichen auf der Straße, die Idee sehr schön, aber die Ausführung – nach einem halben Jahr kaputt ... die Lichtinstallation war schon vor Inbetriebnahme kaputt ...)

Lösungen für die missglückten Pläne:

Statt der Kauffmannmühle erfindet man die KulturContainerStadt, ein mit min. 200 000 Eur ausgestattetes Projekt mit 36 Containern und geplantem internationalem Jugendtheaterfestival usw.

Container zweistöckig im Kreis

Kurz Quast Schoen Buehne Jungbusch

Doch die Lösung missglückt ihrerseits – die Veranstalter wollten der Information nicht glauben, dass der Untergrund statisch nicht geeignet sei. Diese Information war lange bekannt. (update: Das Modell konnte man gestern auf dem Sperrmüll sehen... 21.3.)l

Die Lösung der Lösung durften wir gestern vernehmen:

27 Container sollen über den Jungbusch verteilt werden. Wir werden das beobachten ...
Auf dem Bild sieht man das Festpublikum zur Eröffnung dieser Aktion.. Von den vielleicht 30 Gästen 90% städtische Angestellte, Politiker und Journalisten. Ich glaube, ich war die einzige Bewohnerin ... naja, vielleicht noch ein, zwei andere ... außer den Kindern natürlich ... im Mai soll es ja dann ein richtiges Fest zur Einweihung der Promenade geben.

Spaltung

14. Januar 2007

von Teufelsbrücke auf neuen Platz geblickt

Es ist Sonntag. Ein wunderschöner Tag, mit Sonne, kalt, aber nicht wirklich. Kein Frost Mitte Januar... Dann mal schnell ein neues Panorama aufnehmen! Von der Teufelsbrücke aus, mit der neuen Promenade und den Dächern über dem Platz. Es gibt schon Touristen. Sie bleiben 2 Meter von mir entfernt mit ihren Fahrrädern stehen und unterhalten sich lautstark über ihre Umgebung. Was zu sehen ist, und was sie zu sehen erwarten (sicher aus der Zeitung), aber nicht finden. „Wissen Sie, was das für Dächer sind?“ Ich bin patzig. Sie stehen in meinem Bild. „Dächer eben, keine Ahnung.“ Ja, ob denn da noch was drunter käme, und wo der Containerhafen hinkäme. Containerhafen? Sie meinen die Containerstadt? Ja, genau. Ja die kommt nicht, der Untergrund ist statisch nicht geeignet...

Sie merken, dass sie im Bild stehen, und schieben ihrer Fahrräder zwei Schritte weiter. Sie stehen immer noch im Bild. Ich warte geduldig. Sie zünden sich eine Zigarette an, da gucke ich sie doch schüchtern an und frage, ob sie da noch länger stehen werden. Ich bin mitten in meiner Panoramaaufnahmeserie. Es sind die typischen Bildungsbürger. Ich habe noch keine richtigen Worte, was mich daran so stört. Die Abgehobenheit, ja, Arroganz, mit dem sie das „Objekt“ Jungbusch betrachten und erörtern. Diese Trennung von den Dingen, dieses Theoretische. Dabei drüber stehen. Dieses nicht Teilnehmen am Leben. Das Leben höchstens wie ein Tourist ansehen, dh wie ein Bilderbuch, oder wie ein Theaterstück. Der Jungbusch, jetzt also das „Szeneviertel“, als Bühne. Man diskutiert wie in der Pause eines Theaterbesuchs: wie sind die Kulissen, das Licht, die Statisten. Die Hauptfiguren fehlen.

Jungbusch

„Vertikale Gliederung („Oben und Unten“): Die Ausbildung einer hierarchischen Strukturierung der Gesellschaft und die dafür konstitutive Verteilung von Macht, ökonomischen Ressourcen, Bildung und Prestige steht in engem Zusammenhang mit sprachlicher Differenzierung (u.a. als Mittel der Abgrenzung und Zugangsregulierung).“

ids – Institut für deutsche Sprache, Projekt „Kommunikative soziale Stilistik“ >>

 

 

 

 

Ich persönlich finde es ungemein aufregend, die eigene Kultur einmal von außen zu sehen. Das ist der gleiche Effekt, wenn man länger im Ausland war und zurückkommt. Das ist so interessant und beängstigend, wie man dann das eigene Leben und die eigene Umwelt wahrnimmt, unvergleichlich. Und dieser Effekt stellt sich ein, wenn man mal aus seiner Schicht herausgeht. Schichten haben völlig eigene Kulturen. Parallelgesellschaften eben. Hier habe ich die Möglichkeit, mit Leuten zusammen zu leben, die aus ganz anderen Zsammenhängen kommen. Die „Boris-Becker-Hochdeutsch“ sprechen („da war ich in New York gewesen, und da war es auch sehr schön gewesen“) und Soaps auf Privatsendern gucken und mit „Popstars“ schmachten. Die nicht lesen und nicht diskutieren. Die dieses theoretische Reden unheimlich anstrengend finden. Aber wenn du dann ganz eingetaucht bist, die Körpersprache angenommen hast, bei der Begrüßung nicht lächelst, nicht mehr beim Gehen ständig die Umgebung nach Infos abscannst, neugierig, stattdessen dein Pokergesicht aufsetzt und mit leeren Augen durch die Straßen gehst; wildfremden Leuten beim Einparken einwinkst, deinen Schmuck bei NanuNana kaufst und anfängst, dich für dein antikes Auto zu schämen; wenn du vom Fischhändler um ein richtiges Date gebeten wirst und dich Freunde zurechtweisen, weil du „ich geh Mannheim“ sagst – wenn du dann auf deine eigene Kultur blickst – da siehst du glasklar. Und du siehst glasklar, was an der Entwicklung im Jungbusch schief läuft (außer den großen und kleinen Verwaltungsfehlern): Alle Maßnahmen der Stadterneuerung haben nur eine Kultur als Adressaten: die Bildungsbürger.

Unglaublich! Ganz neue, hochauflösende Satellitenkarten bei Google Maps

ornament Mannheim

12. Januar 2007

Container und Quadrat

Das ist der buschgirls- Container – und man sieht sogar das „Geschenk“! Die Aufnahmen müssen im Spätsommer gemacht worden sein, der neue Platz neben der Tankstelle ist schon fast fertig.

Teilweise gibt es tolle Escher-Effekte – Schatten verlaufen allerdings immer korrekt in die gleiche Richtung. Ich schätze, das eine ist der Hinflug und das andere der Rückflug, und die Kamera nimmt ja in einem Winkel auf, nicht senkrecht von oben, sonst hätte man ja keinen 3D-Effekt.

Hier >> am Frankenthaler Kreuz sieht man den Übergang von den alten zu den neuen Karten! Überall gibt's die halt noch nicht ...

falsche Perspektiven   brückenpfeiler in unmöglicher Perspektive
Spargelfelder

nicht zu fassen – man sieht die Leute beim Spargel Stechen! (Das Grüne im linken Bildteil ist auf dem alten Kartenmaterial, da war eine andere Jahreszeit ...)

Also muss es Früh-Frühjahr 2006 gewesen sein, der Überflug.

Taiwan earthquake shakes internet

8. Januar 2007

"What would you do if a major disaster took out your Internet?" lorelle >>

 
leerer multimedia Konferenz Raum

Ich bestelle Software übers Internet, Vorkasse. Die Lizenz kommt nicht. Auf mehrfache Anmahnung kommt diese Mail aus Taiwan, wusste gar nicht, dass die Firma dort sitzt:

"Our system has sent you an email containing the license to you, as we can not access our server recently (due to the Taiwan earthquake which has destroyed the internet cable), we will check your order and sent the license to you again as soon as possible. Sorry for any inconveniences!"

Ich hab mal wieder nichts mitgekriegt...

"Tremors from Tuesday's (26. 12.) earthquake near the southern tip of Taiwan damaged undersea cables, disrupting internet and telephone communications across Southeast Asia." CBC News >>

"The island's biggest telecoms provider, Chunghwa Telecom Co., said damage to its undersea cables had cut off 98 per cent of communication with Malaysia, Singapore, Thailand and Hong Kong. Repairs are set to take up to three weeks, according to the firm. Japanese operators also reported trouble. China Telecommunications Group said its connections with the US and Europe had been disrupted too." the register >>

Arbeiter zwischen Trümmern

auf meinem Balkon  

4. Januar 2007

Blick von Balkon auf Straße un Häuserzeile mit margeritenblüte im Vordergrund

kann mir jemand den botanischen Namen dieses Winterblühers sagen?

Künstler ...

4. Januar 2007

Bill Viola hat Gefühle

 

Das Video kann man über Internet ansehen: Video Art, Sense Perception and Human Experience Vortrag im Rahmen der Vorlesungsreihe "Iconic Turn" an der Ludwig-Maximilians-Universität München, 2003 >>

Damit mir nicht langweilig wird beim Arbeiten, lasse ich nebenher Vorträge als Video laufen. H.-O. Peitgen war sehr interessant, viele Aspekte unseres Pattern Projects werden benannt.

 

Dann aber: Bill Viola. Ich fange mich an zu ärgern, als er den Meilenstein beschreibt, den der Schritt bedeutet, Gedanken und Gefühle, innere Bilder _nach _außen zu bringen (hier: zu singen). Es wird aber noch schlimmer an der Stelle, als er mit vielen Worten und vielen Wiederholungen seine große Erkenntnis darlegt: Video sei eine ganz spezielle Form von Kamera, weil sie den spontanen Strom der Ereignisse darstelle (Filmkameras zählt er dann schnell auch dazu...).

Mir wird einmal mehr klar: je schlichter die Botschaft, desto mehr Erfolg für den Künstler oder die Künstlerin. Schlicht nicht im Sinne von konzentriert, schlicht im Sinne von schlichtem Gemüt (auf Deutsch: dumm).

Es wird noch ärger, als er von seinem Schlüsselerlebnis überhaupt in seinem Leben erzählt. Sein Vater lag im Sterben, während er sich mit alten Meistern beschäftigte. Da hatte er heftige und unzähmbare Gefühle, und die Erkenntnis kam zu ihm, dass dies keine Sentimentaität sei! wo er doch an der Kunstschule gelernt hat, dass in der Kunst nichts mehr verboten ist als Sentimentalität.

Der Mann fühlt. Da er das bislang nicht kannte, denkt er, es sei eine Art Erleuchtung.

Welche Anstrengung muss dieser arme Mann unternehmen, um sich das Banalste wieder in seine künstlerische Welt zurückzuholen: dass Gefühle umwerfend sein können.

Dafür kriegt er allerdings 'ne Menge Geld ...

Bouts: Mater Dolorosa

 

Er guckt sich also ein Bild von Dieric Bouts an, eine weinende Madonna. Und da muss er auch weinen! Er ist überwältigt von Gefühl. Deshalb denkt er, dass dies eines der besten Bilder überhaupt sein muss („wie man jede kleinste Reflektion auf dem Gewand sieht...“)

Ich übersetze: Der Mann war bislang völlig abgeschnitten von seinen Gefühlen; was er mit übermäßiger Intellektualisierung kompensierte sowie der Herstellung von Kunstwerken, die ja bekanntlich eine Methode sind, Inhalte des Unterbewusstseins am inneren Zensor vorbeizuschmuggeln.

Dann erlebt er einen Schicksalsschlag: sein Vater stirbt. Weinen kann er aber erst, als ihm das jemand vormacht (weinen ist ansteckend, jedenfalls wenn man ein Minimum an Empathie besitzt). Der jemand ist ein Bild.

Um nun sich nicht darüber klar werden zu müssen, was ihm bislang gefehlt hat, also bei sich einen Mangel feststellen zu müssen – überhöht er das Bild ins Unermessliche.

Der Mann verliert seinen Vater, da weint er. Die normalste Sache der Welt. Ein Bild hilft ihm über die Schwelle. Da er Künstler ist, dessen Thema Selbstreflektion ist, und da er Profi ist, fasst er jede kleinste Regung in überhöhte Fachsprache, sodass jeder denkt, es sei etwas Besonderes, Gehemnisvolles, Unverstehbares (und viel Geld dafür bezahlt – jetzt hör schon auf, Trude!).

 

Wie arm dran sind Künstler doch! Von der Moderne ist nur noch die „Fachsprache“ übrig geblieben. Eine Leere, eine Armut, eine endlose Distanz zu allem, was mit der Wirklichkeit zu tun hat. Was wichtig ist auf der Welt und was nebensächlich.

Immerhin erzählt er noch von einer Konferenz mit Künstlern und anderen Fachleuten, zum Thema Darstellung von Leidenschaften. Das lässt doch hoffen. Vielleicht haben wir in 30 Jahren wieder Kunst, die nicht glaubt, das größte auf der Welt zu sein, und die nicht 30 Seiten Fachabhandlung benötigt, um einen Punkt und einen Strich zu erklären.

ich habe nur Angst, dass das Pendel wieder zu extrem in die andere Richtung ausschlägt. Wir sind da schon nahe dran. Dass es keine Freiheit mehr gibt in der Kunst, kein Ausprobieren, kein Forschen.

 

Am Schluss gibt sich Bill Viola doch noch die Blöße des Größenwahns: der größte Teil des Unsichtbaren bestehe aus Zeit. Klingt irgendwie mystisch, oder? Woher weiß er, woraus das Unsichtbare besteht? zu welchen Prozenten??

Bursche, Bursche. Warum lässt man Künstler überhaupt sprechen. Sie sollen sich ihres eigenen Mediums bedienen. Seit einiger Zeit werden sie aber an den Kunstschulen zu diesem pseudointellektuellen Getue dressiert, um als Profis durchzugehen.

O Schreck, es ist nicht zu fassen. jetzt zeigt er doch tatsächlich noch eins seiner „KunstVideos“: von einer Geburt! nebendran, split screen, stirbt grad seine Mutter ..., jaja, ich weiß, ewige Themen, Leben und Tod ... welche Erkenntnis: „Tod und Geburt exisieren gleichzeitg“ dann kommen sogar noch Engel vor, die sind doch langsam wieder out, oder? achja, der Vortrag ist ja auch von 2003. ach. es wird immer schlimmer: zur Geburt seines Sohnes sagt er noch, dass er da sehen konnte, dass die Energie von Frauen komme: direkt von der Natur! da fällt er aber bös zurück hinter 40 Jahre Frauenbewegung, die endlich Frauen nicht mehr auf Gebärerinnen reduziert sehen wollen!

 

ich weiß jetzt, warum die Kunstschulen die Vermeidung von Sentimentalität in der Kunst postulieren ... Man kann doch nicht einfach schicksalhafte Ereignisse nehmen und die dazugehörigen Gefühle, und diese eins zu eins als Kunst präsentieren!

Frei nach dem Motto: nimm irgend etwas, ganz egal, was, mach 'ne Aura drumrum – und schon haste Kunst!

Prost Neujahr, Mannheim!

1. Januar 2007

Paradeplatz Mannheim Silvester 2006 mit Feuerwerk

Feuerwerk überm Paradeplatz in Mannheim

 

Paradeplatz Mannheim Silvester 2006 mit Feuerwerk

29. Dezember 2006

Jahresdämmerung

Ein gutes frohes
Neues Jahr!

 

Das war 2006>>>

Gertrud Schrenk
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