Weblog 2007 - was mir so auffällt...

 

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Weihnachtsgrillen

23. Dezember 2007

... ist jetzt in ...
  Leute stehen um einen Grill, Schiffsskulptur im Hintergrund

mehr dazu bald...

 

mehr Apartheid  

15. Dezember 2007

Leute, auf die es nicht ankommt

 

„Die Wiederkehr des Klassenbewusstseins als Vorurteil

(Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Bruno Preisendörfer)

„Dem exemplarischen 'kleinen Mann' fehlt es an Wissen, das zusammen mit dem akademischen Persönlichkeitsschliff wenn schon nicht zu Macht, so doch zu einem gewissen 'Auftreten' verhilft.“

 

Niedrigstlohnjobber
Angestellte in einem Fast Food restaurant

„Gegen rassistische und klassistische Diskriminierung kursieren in der akademischen Linken seit einiger Zeit Theorien der Anerkennung und des Respekts. Sind diese Theorien hilfreich? Ja, für die Helfer. Symbolarbeiter neigen dazu, Konflikte um soziale Macht mit Problemen kultureller Anerkennung zu verwechseln. Die Theorie des Respekts ermöglicht denjenigen, die sich zu ihm herablassen, ein gutes Gewissen, ohne praktisch an den schlechten Verhältnissen, die eine solche Theorie erst nötig machen, zu rühren.“

... des bin dann ich ... auch bei Seyran Ateş lerne ich über meine Rolle, demnächst mehr. "Positiven Rassismus" nennt man das wohl.

 
 

und dann noch die neue Kampagne: „Du bist Deutschland“ – Du bist ab jetzt kinderfreundlich telepolis, Jörn Hagenloch, 14.12.2007

„Es werden keine Lösungen der Probleme wie Gewalt gegen Kinder, Kinderarmut und soziale Benachteiligung gesucht. Vielmehr wird jeder Einzelne aufgefordert, vor seiner Haustüre die negativen Auswirkungen von politischen Entscheidungen mit seinem Engagement abzufedern.“

 

des bin dann wieder ich – aber was soll man tun. Irgend etwas muss man ja tun. Es ist ja nicht mitanzusehen.

Ich weiß, dass mindestens 300 000 Ausbildungsplätze fehlen – und da sind die, die gar nicht mehr als lehrstellensuchend gemeldet sind, noch nicht dabei. Ich kann auch nur wenigen helfen, einen Ausbildungsplatz zu erreichen; das ist aber nur eine Verlagerung, insgesamt bleibt die Zahl der jungen Leute, die keine Zukunft finden, gleich.

Lernen von buschgirls

8. Dezember 2007

Auch ist das eigentlich nicht Liebe, wenn ich sage,
dass du mir das Liebste bist;
Liebe ist, dass du mir das Messer bist,
mit dem ich in mir wühle.
(Franz Kafka)

 

Sie hat vor einem Jahr bei uns ihr erstes Buch gelesen. Sie ist 16.

Jetzt liebt sie Kafka. Alles von ihm. Sie interessiert sich für sein Leben, sein Grab und ist böse, als sie den Namen seines Vaters auf dem Grabstein liest. Dass sie ihn zu seinem Vater gepackt hätten... sie nimmt den „Brief an den Vater“ ernst... er ist wie ein lebender Freund für sie, so spricht sie von ihm, was er denkt, was er fühlt, was er macht.

Kafka, Originalhandschrift

(The Kafka Project)

 

Sie möchte die Original-Fragmente unbedingt sehen, sie weiß, wie seine Manuskripte aussehen, in Stücken, fragmentarisch, sie möchte ins Literaturarchiv und sich so ein Original ansehen...

...und so komme ich durch sie wieder näher zu solcher Literatur, und alles neu, entdecken

 

 

dieses zB:

Da ich Dich liebe und ich liebe Dich also,
Du Begriffsstutzige,
so wie das Meer einen winzigen Kieselstein
auf seinem Grunde lieb hat,
genauso überschwemmt Dich mein Liebhaben.
(Franz Kafka)

Kafka, originalhandschrift, "Liebste..."

„...dass dahinter ein lebenslanger Kampf steht, ein Kampf darum, die radikalsten Forderungen an sich selbst und an andere zu verbinden mit einer lebbaren Realität.

Vielleicht wird auf diese Weise die elementare Kraft spürbar, die von Kafkas handschriftlichen Zeilen ausgeht.“ (aus: Alois Prinz, Auf der Schwelle zum Glück, Die Lebensgeschichte des Franz Kafka)

Apartheid  

4. Dezember 2007

mal aus anderem Munde

 

taz vom 3. 12. 2007 „Bildung ist ein Menschenrecht“

„Das Schulsystem in einer Demokratie darf sich nicht hergeben für die Realisierung heimlicher Apartheid-Wünsche von Eltern.“

 

 

„Tatsächlich verweist die politische Verweigerung, aus den vielen guten Beispielen und den empirischen Vergleichsstudien die richtigen Schlüsse zu ziehen, auf gesellschaftliche Ursachen, die mit Teilen der heutigen Mittelschichten verbunden sind. Im selektiven Schulsystem haben sich dank der Bildungsexpansion - sprich: Öffnung der Gymnasien und Einrichtung von Gesamtschulen auch für Arbeiterkinder - neue akademisch geprägte Mittelschichten herausgebildet. Über ihren eigenen Aufstieg im Fahrstuhl der Bildungsexpansion haben manche Absolventen mit erfolgreicher gymnasialer Biografie offenbar diejenigen vergessen, die der Fahrstuhl nicht mitgenommen hat.“

„Wie in bildungssoziologischen Studien nachgewiesen neigen sie dazu, ihren Erfolg sich selbst und der eigenen Leistung zuzuschreiben. In der Logik dieses Denkens werden gesellschaftliche Probleme individualisiert, und es gilt für sie im Umkehrschluss, dass die Bildungsverlierer ihren Misserfolg und ihre geringe Bildung selbst verschuldet haben. Für ihre eigenen Kinder wünschen sich diese "Aufsteiger" das Abitur am Gymnasium, weil es Erfolg und eine soziale Trennung von den bildungsfernen Unterschichten sichert. Dieses Motiv verbindet sie mit Teilen der traditionellen Mittelschicht und des Bildungsbürgertums. In dem Maße, wie auch in die Mittelschichten die Angst vor Prekarisierung eindringt, werden die Bildungsprivilegien, die das Gymnasium für sie garantiert, noch stärker verteidigt.“

ich weiß, wovon ich spreche >>>

 

und Annett Mängel in: Blätter für Deutsche und Internationale Politik, 12/2007:

„Unüberwundene Altlasten
Bereits 1947 hatte der alliierte Kontrollrat über die deutsche Schule geurteilt: „Der Aufbau des deutschen Schulsystems betont den Klassengeist. Schon im Alter von 10 Jahren sieht sich das Kind eingruppiert oder klassifiziert durch Faktoren, auf die es keinen Einfluss hat, wobei die Einstufung fast unvermeidlich seine Stellung für das ganze Leben bestimmt. Diese Haltung hat bei einer kleinen Gruppe eine überlegene Haltung und bei der Mehrzahl der Deutschen ein Minderwertigkeitsgefühl entwickelt, das jene Unterwürfigkeit und jenen Mangel an Selbstbestimmung möglich machte, auf dem das autoritäre Führerprinzip gedieh.“8 Nun muss man heute nicht gleich drohenden totalitären Geist beschwören, aber erstaunlich ist das unbeirrbare deutsche Beharren auf der frühen Auslese schon.“

Vanitas  

10. November 2007

 

Bedenke, Mensch, dass du Staub bist
und zum Staub zurückkehren wirst

Alles Deutsch  

10. November 2007

bemerkenswert unaufgeregt

 

Scobel und Roche vom 8. Nov. 2007 im ZDF

Lieber Herr Scobel,

vielen Dank für diese Sendung.

 

und hier noch ein Artikel von Herrn Terkessides. Der Mann sieht klar und bringt die Sache auf den Punkt. Danke.

Ist es doch so selten, dass man im Fernsehen das Thema Ausländer und speziell ausländische Jugendliche ideologie- und rassismusfrei geboten bekommt. Alles war genau so dargestellt, wie ich es kenne. Es wurden weder einzelne "Superhelden" beispielhaft herausgehoben, noch wurde das Milieu abwertend dargestellt. Es wurden einfach einzelne Facetten offen zusammengetragen. Unkommentiert. Es wirkte nicht gebügelt, und die live-Stimmen nicht abgesprochen. und selbst die Fachleute waren sorgfältig ausgewählt und boten differenzierte, wahrheitsgetreue Analysen jenseits des "Integrationswahns" und des "gescheiterten Multikulti". Sie zeigten die wahren Hintergründe auf, und ich habe (fast) kein diskriminierendes, auch nicht versteckt diskriminierendes Wort gehört (außer dass vielleicht Frau Roche etwas romantisiert, sie scheint das Milieu nicht zu kennen, nach dem Motto: was ist an den Deutschen schlecht und an den Ausländern gut, was, wie Herr Terkessidis schlagfertig bei einer ähnlichen Bemerkung kommentierte: schon das ist diskriminierend, denn es teilt zwischen "uns" und "denen", aber das ist nun wirklich ein Haar in der Suppe gesucht). Die üblichen Klischeevorurteile blieben aus ("die müssen..."), oder dass die Frau im Islam unterdrückt wird (als ob sie bei uns nicht unterdrückt würde, in beruflicher Hinsicht sogar wesentlich mehr als beispielsweise in der Türkei, wo ein viel höherer Prozentsatz von Frauen in Führungspositionen sind). Dabei wurde das Thema aber auch nicht ausgespart, natürlich gibt es das. Und auch die übliche Gleichsetzung von Religion und Kultur ("der Islam") habe ich nicht bemerkt. All das fiel gar nicht auf, es war völlig selbstverständlich, wie zB auch, dass der Umgang mit den "Jugendlichen", viele davon eh erwachsen, gleichwertig und partnerschaftlich war. Das war nicht betont oder bemerkenswert, das war einfach da. Im Ganzen hatte ich ein gutes Gefühl, ich musste nicht abschalten, wie meist bei solchen Sendungen ;-), Dass es das noch gibt, dafür bin ich zutiefst dankbar.

Jungbusch perfekt  

29. Oktober 2007

„Nachtwandel“ das schönste Fest

Das ist ein Quartiersfest, bei dem viele Kneipen geöffnet sind, etwas Besonderes anbieten, und viele Kulturstätten ebenso.

 
 

Dann werden noch Bands und Graffitti-Künstler eingeladen.

Man kann sich einfach treiben lassen. trifft alle seine Bekannten, und die man nicht trifft – es gibt ja handies, und so ruft man halt wie üblich dauernd an: wo bist du?

 
Band in rotem Licht

Man findet die abgefahrenste Performance unter der Kurt-Schumacher-Brücke: 2 Typen, Masken, grau, wie aus der Kanalisation, rote Beleuchtung und technomusik. mag ich alles normalerweise gar nicht, aber das war so gut, alles hat gestimmt, das ging unmittelbar ins Herz. Alles, was ich herausfinden konnte: der eine DJ ist Philipp...

konrad sieht man hier, wie er auch fotografiert, er ist Spitze, vielleicht darf ich sein Foto von der Situation hier auch einbauen ...

Band in rotem Licht, mit Fotograf

Stimmung in rot und grün leuchtendem Licht© Konrad Mattes 2007

aha. ich darf – danke!

ich sehe Konrad heute zum ersten Mal, und, ja, echt, er hat mich übers Internet gefunden, ja genau, wegen diesen Seiten hier . . .

bei den Graffitti-Typen (nein, wir diskutieren jetzt nicht darüber, ob das echte G-Künstler sind, die das auf Leinwand und bestellt machen...) schreibt Jasmin auch was auf die Leinwand, und nebenan haben sie ein Stück Kunststoffteppichboden ausgebreitet, mit schwarz-weißem Schachbrettmuster, man kennt den, von der Küche, und dann ein Ghettoblaster, aber gar nicht mal richtig fett, und dann...

Mädchen mit Brille schreibt: Jungbusch ist besser wie New York

 

wird auf dem Plastikboden gebattlet, ich bin am Ende, unsere Jungs gegen „die Fremden“, bei denen sogar ein Mädchen dabei ist, gar nicht schlecht im breakdance, unsere natürlich auch, und Giya und Bajram singen sogar, eine Mischung aus Rap von Giya, und Bajram singt melodisch, mit seiner hellen Stimme, wunderbar das Ganze, da biste echt fertig ...

man kann sich dann noch ein paar andere Schauplätze ansehen, es gibt genug, dass es nicht langweilig wird, man muss ja nicht alles sehen! Jungbuscharena, Popakademie, Radio Sunshine... Zwei Nächte hab ich das betrieben, und es hätte ruhig noch weitergehen können, schöner wie Weihnachten!!!

 

Straßenkehrer... 

17. Oktober 2007

...vs Laubbläser

Tja, auch im Fernsehen ein Thema...

 
 

Erst die Geschichte dieses Straßenkehrers aus München, der diesen Beruf frei gewählt hat und liebt.

Sie kehren mit echten Reisigbesen.

 
 

Der Mann macht einen Straßenkehreraustausch mit Paris.

Dort kehrt man auch mit Besen, aber Kunststoff.

 
 

In Frankfurt ist man schon so weit, dass wieder geprüft wird, wie die Kosten denn tatsächlich sind von diesen Laubbläsern im Vergleich zu Besen! zu viele Leute beschweren sich über den Lärm!

und bei uns hat es auch erheblich nachgelassen mit den Laubbläsern kurz vor sieben Uhr morgens. Sie lassen die Höllenmaschine kaum noch auf vollen Touren laufen, und gar nicht mehr lange.

 

Promenade Bänke ohne LattenDas ist ein Sonntag Mittag bei sch�nstem Herbstwetter auf der Promenade! Langsam macht sie uns Spaß, die Promenade (ist ja auch eine Idee von Alexander Bergmann gewesen...)

Ein paar Bänke haben sogar schon Latten...

Der Straßenkehrer in München jedenfalls hat natürlich auch viel Kontakt zu vielen Leuten auf seiner Straße. Jugendliche kommen mit ihren Sorgen zu ihm.

Doch am Ende bleibt Hoffnungslosigkeit. Kehren geht nicht mehr wie früher, das Viertel (Glockenbachviertel) hat seine Gentrifizierung durchgemacht, viel Verkehr jetzt, sodass er nicht mehr kehren kann, er muss nun Kehrmaschinen fahren. Seine Schützlinge konnte er auch nicht retten. Und sein Hobby, das Fotografieren, mit dem er erste Erfolge vorweisen konnte mit einer großen Ausstellung, stagniert auch irgendwie.

So ist das mit dem „selbstbestimmten Leben“. Damit kommst du heutzutage nicht mehr durch.

Er wollte sich, auch mit seiner Geschichte im Hintergrund – die nur andeutungsweise vorkommt, aber eben von früh zerstörtem Selbst erzählt – ein Leben schaffen, das _ihm passt.

 

Kunst.. 

19. September 2007

...ohne Absicht

Ich freue mich immer über Bilder, die keine künstlerische Absicht haben.

 
 

Und dennoch Kunstwerke sind.

Jetzt mal abgesehen von Kunstwerken der Natur, ich spreche von von Menschenhand hergestellten Arbeiten.

Fotos
 

Da fand ich das hier >> . Bilder, die mit keiner künstlerischen Absicht aufgenommen wurden – sie wollen nur die Qualität der Handy-Kamera demonstrieren.

Und können neben jeder der ach so trendigen Fotoinstallationen á la Wolfgang Tillmanns getrost bestehen.

 

 

Als ich mich mit Jasper Johns beschäftigte, haben mich seine Kachelbilder sehr zum Nachdenken angeregt. Ich habe es damals noch nicht richtig verstanden, aber es hat mich angeregt.

Er wollte Bilder malen, die keine Gefühle, Absichten, Aussagen haben. Und wählte Kachelmotive, die er an Hauswänden sah. Malte diese dann in seiner bestimmten Art.

"Was ich auch mache, es scheint mir künstlich und falsch zu sein."

 

faszinierend, jetzt, wo ich das und weitere Aussagen von Johns zum Thema lese, verstehe ich es viel mehr – und finde auch eigene Ansätze darin...

demnächst weiter: Warum – Versuch von Erklärungsandeutungen Unbewusstes, Umgehen des inneren Wächters/ Zensors, Nähe zu Surrealismus, Automatischem Zeichnen

 

Pinselreiniger... 

19. September 2007

...perfekt

kann es sein, dass so etwas verloren gegangen ist??

 
 

Das musste ich erst aus Island mitbringen.

Island, das Land, das uns in vielem weit voraus ist, technologisch.

Neueste Entwicklung: ein Reiniger auf Basis tierischer Fette, die bei der Fleischproduktion abfallen, Schafsfett zB.

 
 

Dieser Reiniger reinigt die hartnäckigsten Schmieröl-, Ölfarben- und andere Verschmutzungen.

Es soll auch einfach mit Butter funktionieren.

 

 

Ich hab's ausprobiert – was kein noch so intensiver Reiniger von meinen Händen brachte – die Hände mit einem kleinen Stückchen Butter "eingeseift" – und anschließend normal mit Seife gewaschen – alles weg! Ganz sauber!

Das ist wirklich unglaublich.

 
 

Jetzt hab ich's mit meinen Ölpinseln probiert – immer das Problem des Pinselreinigers, man möchte nicht immer diese Gifte haben, wie Verdünnung oder Allzweckpinselreiniger usw, aber nur mit Seife und heißem Wasser geht es auch nicht, die Haare verkleben.

Also Butter – mit einem kleinen Stückchen die Pinselhaare eingerieben, gleich die Hände auch mit; dann Pinsel und Hände mit Seife gewaschen – schon sind alle prima sauber, Hände und Pinsel! Auch von den Händen ist die (stark färbende, zb Pariser Blau) Farbe ab!

 

Niedergang 2 ... 

5. September 2007

...der Wissenschaften

Niedergang 1 >>

Als hätten sich alle verabredet...

 
 

diesmal: Frauen ziehen materielle Sicherheit vor und Männer Attraktivität – AFP zB über GMX 4.Sept. 2007

...das erhöhe offenbar die Wahrscheinlichkeit, viele und gesunde Nachkommen zu zeugen, so Peter Todd von der Bloomington University in Indiana.

 

 

Dr. Todd untersucht „eine Speed-Dating-Runde“ mit obigem Ergebnis, oder wie es viele Zeitungen dann reißerischer in der Headline formulieren: Starke Muckis und sexy Frauen

Aber hanebüchen ist die Interpretation:

„Die Ergebnisse der Studie, die in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschienen ist, belege Annahmen der Evolutionstheorie, meinte Todd. Das Schema, wonach Frauen in Männern die beste Qualität suchen und Männer umgekehrt nach gutem Aussehen Ausschau halten, um ihre Gene weit zu streuen, erhöhe nämlich die Wahrscheinlichkeit, viele und gesunde Nachkommen zu zeugen.“

 

 

Daran ist einfach gar nichts wissenschaftlich. Es ist einfach eine subjektive Parallele zu gängigen „Evolutionstheorien“. Ein Beleg nicht im geringsten. Es belegt höchstens unsere heutige Kultur und Machtverhältnisse, wenn eine solch dünne Auswahl wie eine speeding Runde überhaupt für irgendetwas repräsentativ sein kann.

Genauso gut hätte man vor 100 Jahren, als unsere Großmütter oder Urgroßmütter heirateten, eine Befragung durchführen können, wer mehr Orgasmen hat, Männer oder Frauen. Das eindeutige Ergebnis hätte man dann so interpretiert: Evolutionstechnisch sinnvoll ist, dass Männer einen Orgasmus haben, um möglichst oft ihre Gene zu streuen (ich will ja nicht sagen, herumzuhu...), und bei Frauen ist ein Orgasmus nicht sinnvoll, denn sonst würden sie sich nicht so um die Nachkommen kümmern...

 
 

Abgesehen davon, dass das mit der Treue im Tierreich längst widerlegt ist, selbst die früher in der Wissenschaft als besonders treu gehandelten Meisen haben fast nur Junge von fremden Männern im Nest, und sogar die Schimpansenfrauen haben meist Junge von rangniedereren Männchen, wo doch immer behauptet wurde, dass das Ranggebaren und die Hierarchiebildung dazu gut sei, dass die stärksten Gene weitergegeben werden.

Sprich: das ranghöchste Männchen hat die stärksten Gene und soll deshalb diese möglichst häufig weitergeben (so die Evolutionsinterpretation).

 

 

Dass dem nicht so ist, hat man erst herausgefunden, nachdem mal jemand die Kulturbrille abgezogen hat und die Abstammung der Nachkommen überhaupt einmal untersucht hat!

also: davon abgesehen, wissen wir so gut wie nichts über die Partnerwahl in der Urzeit, das sind alles Interpretationen von Kleinstbefunden der Archäologie und werden alle 10 Jahre grundlegend revidiert (man lese zb Friedemann Schrenk: Adams Eltern).

und: warum verhalten sich Katzen dann überhaupt nicht so, obwohl bei denen auch die Frauen für die Aufzucht der Kinder zuständig sind? Und sind noch nicht ausgestorben? Wer schon mal liebestolle Katzen gesehen (und insbesondere gehört) hat, wird niemals auf die Idee kommen, die Damen suchten bei den Männern "materielle Sicherheit" und die Männer bei den Frauen "Attraktivität".

Sie sind auch äußerlich und vom Verhalten her nicht zu unterscheiden (wie jeder weiß, der schon mal einen Kater wollte und nachher eine Katze hatte...), auch das (der Unterschied im Körperbau) ein beliebtes Indiz für die "Weisheit der Evolution", die die Frauen süß werden lässt und die Männer grob und kräftig ...

 

 

Das war 2007-1>>>

Gertrud Schrenk
Jungbusch Str. 15
68159 Mannheim
wishbone@gertrud-schrenk.de
www.gertrud-schrenk.de

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