Weblog 2011 – was mir so auffällt...

In Mannheim gibt es keinen Antiziganismus 

29. Dezember 2011

...denn wovon man nicht spricht, das gibt es nicht?
 

Artikel 49 (ex-Artikel 43 ex-Artikel 52) des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union ("Lissabon-Vertrag"):

Die Beschränkungen der freien Niederlassung von Staatsangehörigen eines Mitgliedstaats im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats sind nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen verboten...

Worum geht es?

Bezirksbeitratssitzung vom 21. Dez 2011. Bericht zu den Erkenntnissen der „Kommunalen Kriminalprävention – Arbeitsgruppe Südosteuropa“. Bericht zur Räumung des Gebäudes Hafenstraße 66.

 
 

Im Bericht im MM ist die Sitzung weitgehend korrekt wiedergegeben.

Dass die Räumung des Gebäudes Hafenstr. 66 anders ausgesehen hätte, wenn nicht ein Akteur, der mit den BewohnerInnen arbeitet und eine Vollmacht der Hausversammlung besitzt, Alarm geschlagen hätte, fehlt allerdings in dem Bericht.

Vieles wurde weiter unten schon gesagt: hier und hier.

 
 

Taskforce und Räumung hängen eng miteinander zusammen: Instrumentalisierung der massiven Vorurteile gegen Roma in der Bevölkerung (man sagt allerdings nur noch "Bulgaren", um einen Aufschrei zu vermeiden), um persönliche oder stadtentwicklungs­technische Vorteile durchzusetzen.

Ich will euch heute nicht überfordern und beschränke mich auf 2 Dinge:

1. Die Stadt redet nicht mit den Leuten selbst und auch nicht mit denen, die mit den Leuten arbeiten.

2. Die Taskforce arbeitet weiter daran, Mannheim unattraktiv für "diese Leute" zu machen, obwohl fast alle Vorwürfe aus der Liste des Generalverdachts gegen Roma fallengelassen werden mussten.

Details kann man gerne bei einem persönlichen Gespräch mit mir erfahren, Tel. 0621.3365421

 
 

zu 1.: Der Räumung der Hafenstr. 66 ging eine Hausversammlung voraus, die zu einem Schreiben des Bevollmächtigten an die Leitung des Immobilien­managements (neuer Besitzer der Immobilie) am 29. Nov. 2011, mit Hinweis auf die desolaten Zustände und der Einladung zu einem Gespräch.

Dieses Schreiben wurde nie beantwortet.

Statt dessen geht man in einer, wie der MM richtig schreibt, Nacht- und Nebel-Aktion gegen die Hausbewohner vor, denen im Angesicht eines ca. 10köpfigen Trupps, um 14 Uhr, wo die meisten Männer auf Arbeit sind, gesagt wird, dass sie innerhalb einer Stunde das Haus verlassen müssten. Es sind Familien mit teilweise kleinen Kindern.

Nur durch die Alarmierung von Personen von außerhalb, die wiederum 2 Bezirksbeiräte alarmierten, wurde zurückgerudert und in den folgenden Tagen eine akzeptable Lösung gefunden.

zu 2.: Die Taskforce hält ihre Arbeit aufrecht, obwohl fast keine wirklichen Punkte mehr auf ihrer Liste sind. Diese Taskforce ist bei der Kriminalprävention angesiedelt; da es aber keine kriminologischen Auffälligkeiten gibt, wie die Polizei stets betont und weiter unten dargelegt wurde, hat man als einzige Punkte im Bereich Kriminalität noch Schwarzarbeit (Schwarzarbeit ist nur für den Arbeitgeber ein Strafdelikt, für den Arbeitnehmer gibt es nur ein Bußgeld) und die Hinterziehung von Steuern, weil man Betten weitervermeitet, ohne Abgaben zu entrichten. Dann noch Scheinselbständigkeit, die aber wieder nur ein Verdacht und nicht nachgewiesen ist.

 

 

 

Gewerbeanmeldungen sollen explizit erschwert werden und werden es nachweislich auch. Das widerspricht eindeutig EU-Recht (nochmal: "Die Beschränkungen der freien Niederlassung von Staatsangehörigen eines Mitgliedstaats im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats sind nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen verboten.")

Zu einem Zeitpunkt, wo sich die Aufregung in der Bevölkerung einigermaßen gelegt hat (die Diskriminierung allerdings nach wie vor massiv ist, wie auch eine Studie des Verbands der SInti und Roma belegt und die Bildungssituation von Roma in Deutschland desaströs ist, wie eine neue Studie des Verbandes mitsamt den Gründen dafür darlegt) – zu diesem Zeitpunkt einer Beruhigung der Lage kommt der Vortrag der Taskforce wieder mit den gleichen Argumenten, die sie dann Stück für Stück selbst widerlegen. Wie gesagt, ich will nicht wieder ins Detail gehen, wen es interessiert, macht einen Termin zum persönlichen Gespräch aus.

Das Thema Antiziganismus illustriert aber am besten folgendes Beispiel aus dem Vortrag der Stadt: "die tradierte und wenig angepasste Lebensweise bewirkt selbst in diesen multikulturell geprägten Stadtteilen massive Probleme".

Das ist ein Skandal. Selbst der Quartiersmanager hat inzwischen gemerkt, dass Roma Leute sind wie alle anderen auch, die nicht mehr Probleme machen als andere auch!

 

 

Die beste Erfindung nach der Waschmaschine

15. November 2011

ja genau, das Internet!

Noch eine neue webcam, die video streamt! Zu jeder Zeit die Wolken in Island beobachten –

webcam þingvellir

 

Franz Josef Degenhardt

 

und auf den nächsten Vulkanausbruch warten...das soll die Katla sein...

aber die cam auf die Hekla ist auch fantastisch!!!

wir warten auf den ersten Schnee...

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern

15. November 2011

Wir trauern um Franz Josef Degenhardt.

„Mich, wenn sie mich zu Grabe tragen,
also dann mitten durch die Stadt.
Auf einen offenen Leichenwagen,
dass man davon noch was hat.
Kurz durch die Schmuddelkinder-Viertel,
möglichst im Morgen seinen Schein.
Lasst doch den schwarzen Kutscher fluchen,
mein erster Schulweg soll es sein.“

Franz Josef Degenhardt, Testament

Franz Josef Degenhardt

 

Zeitlos.

„damals gab es Schmuddelkinder, heute gibt es Schmuddelkinder – heute sogar mehr...“

Bei youtube : „Schmuddelkinder“ mit viel O-Ton und Informationen!

Keine kriminologischen Auffälligkeiten 

2. Oktober 2011

...und trotzdem wird eine TaskForce eingerichtet!

Am 23. September war im MM zu lesen:

 
 

„Anders als in der Bevölkerung wahrgenommen, so Polizeioberrat Peter Albrecht, haben gefährliche Körperverletzungen nicht zugenommen“

„Die Prostitution in der Lupinenstraße und auf dem Straßenstrich sei kriminologisch kaum auffällig“

 
 

„keine Anzeichen für organisierte Strukturen“

Dann steht da, unvermittelt: „"wir haben eine Taskforce gegründet." Klaus Eberle, Chef des Bereiches Sicherheit und Ordnung, meinte damit den Zuzug von Osteuropäern, vor allem Bulgaren, die häufig in "Schrottimmobilien" wohnen und zum Schein Gewerbe anmelden.“

 

 

 

Eine Taskforce, weil einige Bulgaren in Schrottimmobilien wohnen und zum Schein Gewerbe anmelden???

Deutlicher kann man die dünne Sachlage und die völlig unangemessene Reaktion nicht beschreiben.

Den Generalverdacht gegen alle Bulgaren und Rumänen, der jetzt erhoben wird.

Das soll Mannheim sein, weltoffen und tolerant???

 

Mannheim soll unattraktiv gemacht werden 

2. Oktober 2011

...und will Kulturhauptstadt 2020 werden!

Worum geht es?

Stadtratssitzung „Sicherheit und Ordung“ am 29. Sept. Bericht zu den Erkenntnissen der „Kommunalen Kriminalprävention – Arbeitsgruppe Südosteuropa“.

 
 

Im Bericht im MM wird man dann nur noch von der „Arbeitsgruppe Südosteuropa“ lesen.

Ist das sauberer Journalismus? Kriminalität wird diesen Zuwanderern per se unterstellt, obwohl es dazu keinerlei Fakten gibt, wie die Polizei stets betont.

Ein anderer Artikel am selben Tag beschreibt die Situation differenzierter. Der Journalist hat selbst recherchiert und Betroffene befragt.

Zusammenfassung:

Vorwürfe von falschen Gewerbeanmeldungen, Schlepperbanden, Prostitution, Schwarzarbeit. Für die drei letzteren gibt es keinerlei Zahlenmaterial!

Geplante Maßnahmen: Mannheim soll unattraktiv gemacht, Gewerbe- und Wohnungsanmeldungen erschwert werden. Genau die Dinge, die sowieso schon sehr schwierig sind für die Leute! Wo Gewerbetreibende ein halbes bis ein Jahr auf ihre Steuernummer warten müssen!

Keinerlei Maßnahmen werden erwähnt, wie die Leute unterstützt werden können, die ausgebeutet und herumgestoßen werden. Keinerlei Maßnahmen gegen Antiziganismus werden ins Auge gefasst.

 
 

Dabei wäre es so einfach: Wohnungen werden benötigt, dann werden sich die Probleme wie von selbst lösen. Und freundliche Hilfe bei Behördengängen, die das Vertrauen der Leute hat. Ein sehr guter Bericht, wie das funktioniert, hier: amarodrom

Was bisher geschah: Seit der EU-Osterweiterung gibt es einen vermehrten Zuzug von Leuten aus Bulgarien (und Rumänien). Die Leute sind sehr arm und zuhause großer Diskriminierung, strukturell wie direkt, ausgesetzt. Niemand verlässt seine Heimat aus Spaß.

 
 

Hier bei uns geht das Spiel von vorne los: erst kamen die Italiener und wurden geschmäht, dann die Griechen, dann die Türken. Jedesmal wird die Angst vor dem schwarzen Mann geschürt, denn es sind Südländer, und die halten sich gerne auf der Straße auf (was uns im Urlaub ja auch so gut gefällt), und sie haben vielfach dunkle Haare.

Aber jetzt kommt noch ein anderer Geschmack dazu: Antiziganismus. Viele der Zuwanderer sind Roma, aber auch Türken, die in Bulgarien auch als Minderheit diskriminiert werden.

 

 

 

Eine Arbeitsgruppe aus der Bevölkerung wurde gegründet, "Wohin geht der Jungbusch". Bei der ersten Sitzung konnte man dann mal alle seine Resentiments loswerden – zu der Zeit noch offen ethnisch gekennzeichnet. Einer der Hauptakteure hat wirtschaftliche Interessen: Eine Immobilie direkt neben den Häusern "mit Renovierungsbedarf". Anderen schwebt der Jungbusch als "Bobo"-Viertel vor – der Prenzlauer Berg lässt grüßen >>>.

Ordnung, Sauberkeit, Lärm. Das waren und sind immer wiederkehrende Vorwürfe. Wie oft haben wir dagegen gehalten, dass aus deutschen Studierendenkneipen viel mehr Lärm kommt. Dass der Müll in den sog. Schrottimmobilien nichts mit den Bewohnern zu tun hat, sondern mit den Miethaien, die die Häuser verkommen lassen, aber fleißig viel Miete kassieren. Dass zB am Studierendenwohnheim ebensolche Müllberge zu finden sind.

 

 

 

Auch die Sicherheit von Mädchen und Frauen, wenn man durch das Jungbusch City Center geht, wird eingeschränkt wahrgenommen.

Die Polizei wird jedoch nicht müde zu betonen, dass es keinen Anstieg der Kriminalität durch die Bulgaren gebe.

Verkommene Häuser, Mietwucher, Schwarzarbeit, Gewerbeanmeldungen, die keine sind, Schlepperbanden, Prostitution.

 

 

 

Nr. 1, 2 und 3: das liegt weder in der Verantwortung noch in der Schuld der Bulgaren, und hat mit der Nationalität oder der Herkunft schon gar nichts zu tun. Einzig mit der Armut!

Mehr Kontrollen von Cafes und Baustellen, das wäre der Weg. Und Vermieter zur Einhaltung ihrer Pflichten zwingen.

Gewerbeanmeldungen: Es gibt sehr viele Leute aus Bulgarien, die sehr wohl ein ordentliches Gewerbe betreiben, mit Buchführung, Steuererklärung usw. Dieser Mehrzahl der Zuwanderer wird nun das Leben schwer gemacht!

Das Missverhältnis zwischen den Gewerbeanmeldungen an einer bestimmten Adresse und den tatsächlich angetroffenen Unternehmern erklärt sich zu einem großen Teil aus der unhaltbaren Wohnsituation der Leute. Sie werden herumgeschubst, müssen ihre Wohnungen verlassen, finden Unterschlupf bei Verwandten, weil kaum jemand an Bulgaren vermietet – und werden wieder vom Vermieter zurückgeholt, um wieder ein paar Monate Miete zu bezahlen.

 

 

 

Hier spielt auch ein bestimmter Zug in der Mentalität der Leute eine Rolle: große Angst vor Institutionen, keine Hoffnung, dass man sich wehren könne.

Und es gibt keine Wohnungen. Wer vermietet schon an Bulgaren?

Und was die angeblichen Schlepperbanden angeht, von denen jetzt angeblich jeder weiß, dass es sie gibt – ohne dafür irgendeinen Beleg oder Beweis zu haben –

Indizien: Sie würden immer mit den gleichen Dolmetschern auf der Gewerbeanmeldung auftauchen; sie würden aus nur zwei Orten kommen.

Ich habe noch keinen Hinweis auf Schlepper bekommen, und ich habe großen Einblick. Wenn es eine Person gibt, die immer wieder mitgeht aufs Gewerbeamt – spricht sich das herum, genauso wie der Zuzug, der sich innerhalb der Verwandtschaft abspielt. Im übrigen kommen sie aus viel mehr Orten als nur zweien. Hier zeigt sich wieder nur die mangelnde Faktenlage bei der Arbeitsgruppe – die ja erweitert werden soll, aber man kann ja schon mal Behauptungen in den Raum stellen, die jetzt überall als Fakten gehandelt werden.

Sofern es organisierte Kriminalität und Menschenhandel gibt – wofür die Polizei ebenso keine Fakten hat – dann hat sie mit den Leuten, die hier wohnen wollen und mit denen wir, die wir vor Ort mit ihnen zusammenarbeiten, nichts zu tun. Das ist eine andere Baustelle.

 

 

 

Zum Schluss noch ein paar Formulierungen, die in der Sitzung fielen, und die die Stoßrichtung nochmal sehr deutlich zeigen: Man will die Leute hier nicht. Übrigens: Die Arbeitsgruppe wird intern „Taskforce“ (sic!) genannt.

„..sozial wenig angepasste Lebensweise bewirkt selbst in diesem multikulturell geprägten Stadtteil massive Probleme“ (es gibt keine besonderen Probleme, die Lage hat sich sehr beruhigt, was die Polizeidienststelle bestätigt).

„die allgemeine Kriminalitätsbelastung steigt an“ – die Polizei dementiert

„es gibt einen Weg, wie Sie als Selbständiger Kindergeld erlangen können“ – Kindergeld ist Sozialleistungsmissbrauch??? Was können denn die Kinder für die Situation?

„der Durchmarsch durch die Institutionen wird erschwert und unattraktiv gemacht“ – wie verträgt sich das mit EU-Recht, das ausdrücklich die Mobilität innerhalb Europas fördert und Hilfen bei der Ansiedelung fordert?

 

... brain workshop – triple n-back ...

30. September 2011

Man muss sein Gehirn nicht verrosten lassen!

Computerspiele trainieren nur eine ganz bestimmte Fertigkeit. Die Herausforderung der Wissenschaft ist es, Fähigkeiten zu erwerben, das Gehirn also so zu trainieren, dass ein Effekt auf andere Gebiete übertragen werden kann.

Hoja Nasreddin Buxoro
 

Der Brainworkshop erreicht als einziges Programm eben genau dies, laut Studien. Ich kann das bestätigen.

Das Arbeitsgedächtnis des Gehirn verbessert sich; das ist so etwas wie der Fokus, eine Aufmerksamkeits­konzentration. Aber auch die Abrufbarkeit von Gedächtnis­inhalten.

Ich bin bei triple 5-back! Das bedeutet 5 Schritte zurück muss man ein Zeichen wiedererkennen; und zwar triple – also dreifach: Position, Bild, Ton.

 
 

Wie bei allem darf man eben nicht faul sein – das muss man täglich trainieren... Der höchste Wert ist angeblich bei triple 9-back...

Diese Grafik ist schon frustrierend. Aber was wäre, wenn das nur Korrelationen sind, und keine Kausalitäten? wenn die mit dem Alter nachlassende Leistungsfähigkeit des Gehirns nur davon käme, dass die Leute je älter desto weniger ihre grauen Zellen beanspruchen?? dass das längst nicht so krass ausfallen muss, wenn man sein Gehirn ständig mit komplexen Aufgaben trainiert?

Neulich sah ich einen Bericht über einen Sportler, der hat mit über 80 einem untrainierten 40jährigen noch was vorgemacht!!!

Na bitte...

Brain Aging - Grafik der Abnahme der Leistungsfähigkeit des Gehirns mit dem Alter

gaaaanz viel Text dazu: Dual N-Back FAQ

...und dann war da noch...

24. Juni 2011

die „Neue“ deutsche Rechtschreibung und die Wahrheit über Kommas!

Ich kann sie immer noch nicht. Früher konnte ich 99,9% korrekte Recht­schreibung!

Wie soll man das wieder in den Kopf kriegen???

Diese Seite ist äußerst übersichtlich – vielleicht lerne ich es doch noch ... :D

Hoja Nasreddin Buxoro
 

Ah – endlich habe ich es gefunden, ich war ja schon sehr verunsichert: Nach Adverbialgruppen KOMMT KEIN KOMMA! Neuerdings machen da alle eins hin, und ich dachte schon das sei die Neue Rechtschreibung...

Muss ich jetzt deswegen den unsäglichen Basti zitieren? Bastian Sick, der mit dem Dativ seinem Genitiv :D , mittlerweile Pflichtlektüre an Gymnasien! und ein sagenhafter eingebildeter Korinthenkacker – doch! ich schreibe auch gerne richtig, wenn es drauf ankommt; aber sein Stil... ja doch, er gibt sich alle Mühe, bei dem trockenen Thema unterhaltsam zu wirken... aber der Unterton, Oberlehrer ist nichts dagegen... sick eben, wie sein Name schon sagt...

 
 

also zitieren wir erst mal eine andere Dame, die sich auch dieses Themas annimmt (bis man das findet, muss man ja erst mal drauf kommen, wie diese Dinger heißen, diese Adverbialen Gruppen oder Bestimmungen...)

Dagmar Jenner

und wenn man dann weiter sucht, kommen die schönsten Dinge zutage (oder zu Tage??): Auf der, je länger man guckt, immer interessanteren Site „Belles Lettres – Deutsch für Dichter und Denker“ wird sogar der Duden kritisiert ;-) das haben wir gerne – bin ich etwa doch eine verkappte Oberlehrerin??? Selbst dieser (der Duden ;-) verkünde die weit verbreitete Fehlannahme: dass das Komma der Gliederung diene.

Die Wahrheit: Es signalisiert Aufzählungen!

Die Seite ist echt super, sehr gute Technik (nee, so weit gehnse jetzt doch net, dass se flexibel coden... aber sie haben ein ausgefeiltes print stylesheet, was heutzutage schon sehr viel ist...), klarste Gliederung, gute Themen – und ein Video zur Kommasetzung!! wo gips denn sowas... da können wir – fast von der arroganten Oberlehrer­haftigkeit absehen...

Belle Lettres - Deutsch für Dichter und Denker
 

neee – video is nich, da is nur Ton, kein Bild :-(

Aber wir wollen, obwohl man sich so gut fühlt, wenn man dann Recht haben kann, wenn man dann die Recht Schreibung ;-) beherrscht – und man sich dann so schön distinguieren kann – wir wollen trotzdem nicht verschweigen, dass wir (Pluralis majestatis) eine so strenge Rechtschreibung abscheulich und unproduktiv finden; etwas mehr Lockerheit und die Möglichkeit, zB Kommas zur Gliederung und zur Melodieunterstützung einsetzen zu dürfen, wäre sinnvoll.

 
 

Und dann das, auch auf BL: „daß alle Zeitungs- und Buchverlage fünfzehn Jahre nach Inkrafttreten der Reformschreibung die Kommas nach den Regeln der alten Rechtschreibung setzen.“ erwischt, genau wie ich, aber: vor erweiterten Infinitivgruppen KOMMT KEIN KOMMA MEHR!! (Ausnahmen lest selbst dort nach, die erläutern das besser...)

   

Bildung und Fleiß lohnen sich nicht –

24. Juni 2011

– sagt jetzt sogar die FAZ!

„Dreißigjährige mit Hochschulabschluss und Berufserfahrung, die in guten Positionen in einer Großstadt wie München debütieren, sind oft noch auf die materielle Hilfe ihrer Eltern angewiesen.“

Das kreative Prekariat

o2 multi kombi card

Der Narr gilt oft als „verrückt“

1. Juni 2011

Nasreddin Hodzha, Bukhara – der zentralasiatische Till Eulenspiegel

„Der Narr stellt die Wahrheit, Wahrheitssuche und die Freiheit an höchste Stelle, ja vor sein eigenes Leben. Seine Frage ist: Was stimmt (hier) wirklich? Was ist wirklich? Und wer sagt das? Und wer bin ich, der das sagt? Es stellt durch sein Spiel grundsätzliche Fragen an unsere Ehrlichkeit und an die Ehrlichkeit derer, die behaupten, sie wüssten was Wahrheit und was richtig, was falsch ist und wo die Grenzen zu ziehen sind. Er stellt die Absolutheit in Frage. Er bezieht sich auch auf den Intellekt und auf die Sinnfrage.“
David Gilmore

Hoja Nasreddin Buxoro

 

„Der Narr fällt im Alltag durch sein Verhalten, seinen Witz, durch sein „Scheitern“ oder „Anderssein“ auf, stößt oft an durch seine Schläue, durch seinen Intellekt oder durch seine Bereitschaft mit Wahrheiten zu schockieren.“

danke, o2 !

5. April 2011

Multi Kombi Card

3 Multi Kombi Cards habe ich bekommen, und kostenfrei, aus Kulanz (weil ich schon sone alte, äh ich meine, langjährige Kundin bin)...

und was man auf dem handyfoto nicht sieht – Kombi heißt: man kann eine kleine Karte ausbrechen, die geht dann, ja, ihr ahnt es schon, ins ipad!!

o2 multi kombi card

Poesie

5. April 2011

facebook chat gedicht

11:18

hallo gertrud

wigech

getrut ish zaktiya wash ish vil fon mayne faecebook 2 oda 3 foto aba get net varum

fon google.de

getrut gen mayne faecebook mah du ish ways nish

du vaysh mayn pasvoo

gerturd

hallo

bishtu da

nohh

eyyyy mann

gertturd

Ahcan ist offline.

Aufklärung

3. April 2011

...warum es keine Demokratie mehr geben kann

 

weil niemand mehr in der Lage ist, die Dinge zu durchschauen. Nicht nur wegen der übermächtigen Meinungsmache auf allen Kanälen.

Wenn schon so kluge Menschen wie Scobel und MItscherlich die einfachsten Plattitüden der Meinungsmache nachplappern, wo ist da noch Hoffnung??

 
 

Das Gespräch zwischen den beiden ist noch in der mediathek von 3sat.

Und zwar auch hier wieder: Antiislamismus. Ich unterstelle diesen beiden Personen, dass sie das gewiss nicht wollten! Umso schlimmer, wenn nicht mal sie es schaffen, die üblichen Scheinargumente zu durchschauen.

 
 

Mitscherlich spricht vom Islam, der diese Jugendlichen hervorbringe, wie sie eine Patientin, eine Lehrerin, geschildert habe (die damit nicht fertig wird; weil sie als Frau ja eh keine Chance habe usw).

Tatsache ist, dass daran nicht die Religion schuld ist. Das Milieu gibt es genauso bei Aussiedlerkindern, ebenso bei Italienern. Jeder, der mit Jugendlichen zu tun hat, weiß, dass bei diesen genau das gleiche Verhalten zu beobachten ist. Ebenso solche vom Balkan, christliche und muslimische, und das macht überhaupt keinen Unterschied.

Es ist eine Sache des Milieus. Dazu gehört, dass die auffälligen Jugendlichen aus der Unterschicht kommen, und aus sehr traditionsgebundenen Familien.

Und dieses Milieu, das es durchaus gibt, wird generalisiert! Generalisierung ist der erste Schritt zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

So weit verbreitet unter den Leuten aus den entsprechenden Ländern ist dieses Jugendlichen-Macho-Milieu allerdings nicht.

Weiters beliebtes islamfeindliches Argument ist die Rede von der Aufklärung, die im Islam nicht stattgefunden habe.

 
 

1. war die arabische Welt schon im Mittelalter sehr aufgeklärt, Beispiel Medizin, diese wurde um 1000 von Avicenna sozusagen „erfunden“, als so etwas bei uns noch Gotteslästerung war.

2. hat sie im Christentum kaum stattgefunden, insb. im katholischen (und orthodoxen) Teil nicht; und was die Gleichberechtigung angeht, nun, dazu muss ich nichts sagen, bei Zölibat, und wo bis heute Frauen nicht Priesterinnen werden können.

3. ist sie (die Aufklärung) eine weltliche Errungenschaft

und 4. ist sie auch bei uns nicht so weit verbreitet... (wir erinnern uns, Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen...). Heute plappern ja selbst Journalisten alles einfach nach...

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wie man Hoffnung verliert

1. April 2011

...einseitige Berichterstattung im Mannheimer Morgen

...und kein Aprilscherz

 

 

Der Artikel: MM v. 1. 4. 2011 „Wir haben es hier mit neuer Armut zu tun“

Nun muss ich mich wieder damit beschäftigen, als hätte ich sonst nichts zu tun.

 
 

Ich war sowohl beim Rundgang als auch bei der Versammlung der Initiative "Wohin geht der Jungbusch?"dabei.

Das Bild, das – auch von BewohnerInnenseite – gemalt wurde, war durchaus differenziert.

1. Sauberkeit

Der zuständige Verantwortliche brachte es auf den Punkt. Er hat ein Maß für die Zufriedenheit / Unzufriedenheit der BewohnerInnen, jenseits von Meinungen und Gerüchten: Gemessen an dem, was er an Tatsachen vorfindet, ist die Anzahl der Beschwerden aus der Bevölkerung unterdurchschnittlich.

Nichts davon im MM.

 
 

2. Ordnung

Die Polizei betonte, wie stets, dass sie keine besonderen Auffälligkeiten haben im Jungbusch. Natürlich wissen sie, dass es immer eine Dunkelziffer gibt. Aber diese ist relativ zur Aufklärungsquote und lässt sich also auch abschätzen.

ABer wenn selbst ein Landtagskandidat der Polizei vorwirft, dass sie das (die tatsächliche Kriminalität) nicht wisse – wie faktenresistent kann man denn sein!

Nichts davon, von der Aussage der Polizei, im MM

3. Sicherheit

s. o. – laut Polizei keine besonderen Auffälligkeiten.

Was allerdings das Sicherheitsgefühl einiger BewohnerInnen (oder vielmehr Besucherinnen) angeht, so ist das natürlich durchaus ernst zu nehmen. Es hat aber nichts mit Tatsachen zu tun.

Im übrigen gab es mehr Stimmen, auch von Frauen, die sagten, dass sie keine Angst im Jungbusch haben! Zu keiner Tages- und Nachtzeit. 3 Frauen drückten dies am Mikrophon aus. Eine Studentin, eine etwas ältere Irakerin und eine noch etwas ältere Italienerin.

Nichts davon im MM.

Es war ganz eindeutig: Leute, insbesondere natürlich Frauen, die hier wohnen und es kennen, haben keine Angst. BesucherInnen fremdeln erst mal.

Nichts davon im MM.
Dort wird die Vorzeigefrau zitiert, die immer mit der "Normalität" kommt – weil ihr Kind in anderen Orten sagt: wie sauber ist es hier denn!

Na und?

Schadet das der Entwicklung des Kindes etwa?

Was ist normal??

 
 

4. Familien

Selbst Familien und Migranten zögen weg, weil es so schlimm sei.

Richtig ist, dass Familien wegziehen, weil sie keinen günstigen Wohnraum mehr finden. Wohnungen werden an Studierende vermietet, da kriegt man mehr, und hat keine Probleme mit Kündigung, weil die nach spätestens ein paar Jahren sowieso wieder gehn.

Und die, die am lautesten schreien, haben meist selbst am meisten Dreck am Stecken. Das berühmte „Haltet den Dieb“ – Spiel.

Ich kenne Familien, die sehr gerne hier geblieben wären, und gerne wieder zurück kämen. Sie finden keine Wohnung.

Nichts davon im MM.

5. Prostitution

Laut Polizei gibt es weder Straßenprostitution, noch nenneswerte Wohnungsprostituion. Es kämen immer nur Gerüchte; konkrete Hinweise auf welche Wohnung wann was bekommen sie nie.

Es gibt „private“ Prostitution. Aber die gibt es überall. Und sie ist nicht in nennenswertem Ausmaß.

Und niemand zeigt auf die Männer, die sich so etwas kaufen!

Im übrigen, wem schadet das? Es findet nicht in der Öffentlichkeit statt, sodass man sagen könnte, Kinder oder Jugendliche bekämen ein schlechtes Vorbild. (das sie im übrigen viel massiver aus all der Flut von billigen, frauenverachtenden Pornos bekommen, die sie sich ständig reinziehen. Da sagt aber außer mir keiner was!)

Auch von dieser Aussage der Polizei nichts im MM.

 

 

Insgesamt muss es, wenn man den Artikel liest, im Jungbusch grauenhaft sein.

Welche Absicht steckt da dahinter?

Warum legt es der MM darauf an, all die Mühe und Arbeit, die in die Veränderung des Images gesteckt wurde und wird, kaputt zu machen?

Warum wollen sie das Image des Jungbusch weiterhin derart in den Schmutz zerren?

Wollen sie die Stadtregierung beschädigen?

 

 

Image entsteht durch Meinungsmache. Nicht durch Tatsachen. Und der MM hat Monopol-Stellung.

 

Unabhängiger Journalismus? Erschreckend ist das.

Wetter App

15. Februar 2011

nanana!

outdoor mit blauem VW Bulli

 

bewölkt???

Gottseidank gibt es die Webcam – übrigens als Hintergrund in die Webseite eingebunden, das ist schon toll, was heute mölglich ist.

Sie aktualisiert sich so oft, dass es eine richtige Bewegung ist!

... und es gibt nicht nur den Teich in der Reykjavíker Innenstadt, sondern auch die Blaue Lagune, da kannst du dann die Leute in der Schneelandschaft baden sehen...

wie Vorurteile gemacht werden

2. Februar 2011

...oder: Eine Unterrichtsstunde in Medienanalyse

Man nehme ein Merkmal: Nation, Volk, Schicht oder einfach rote Haare.

 

 

Dann nehme man eine scheußliche Tat, die von einer Person mit diesem Merkmal ausgeführt wurde und die – wichtig! – belegt ist, und beziehe sie auf alle Personen mit diesem Merkmal –

und fertig ist das Vorurteil, das den, der es benutzt, entlastet!

_Die sind alle so böse, _Die sind schuld, _die machen die Arbeitsplätze kaputt, _die machen unser Leben unsicher.

Kant Briefmarke
 

Und schon brauchen wir nicht mehr darüber nachzudenken, woran es wirklich liegt – das wäre viel zu anstrengend! – und wo wir selbst unseren Anteil haben – die kognitive Dissonanz (auf deutsch: Fehler zugeben) würde uns zerreißen!

Ok worum geht's denn mal wieder ;-)

 
 

Mal wieder wurde die sog. Doku: „Zum Klauen gezwungen“ von Liviu Tipurita gezeigt. Von der BBC produziert, wird sie in regelmäßigen Abständen gezeigt, auf unterschiedlichen Sendern im In- und Ausland (bisher schon in 20 Ländern).

Der Untertitel verrät die ganze Strategie: „Wie Roma-Kinder zu Dieben gemacht werden.“

 
 

Vordergründig geht es um die armen Kinder. Aber wer würde betroffene Kinder so schamlos vor die Kamera zerren? das erinnert an das unsägliche Dokuformat „Tatort Internet“. Auch dort werden betroffene Kinder nochmal gestresst, indem sie vor der Kamera ihre Geschichte erzählen sollen. Das findet sogar die WELT unerträglich. Man kann diese Filme sogar immer noch im Internet betrachten, die Filme sind online!

Insgesamt gehen in dem Film über Bettler Aussagen, die die desolate, unverschuldete Situation zeigen, in denen in Rumänien viele Roma leben, völlig unter gegenüber den weitaus überwiegenden Strecken, die von Kriminalität bei Roma handeln.

Der Verein „Chachipe“, der sich für die Rechte der Roma einsetzt, hat eine Klage an die BBC gerichtet:

Anti-Gypsyism >
Beschwerde an die BBC (pdf) >

 
 

Dieser präzise und ausführliche Text ergibt eine hervorragende Unterrichtsstunde: wie man differenziert so eine Sendung auseinandernehmen und ihren hetzerischen Charakter nachweisen kann.

Artikel und Dokumente über den Prozess und die letztliche Ablehnung der Beschwerde sind auf Englisch (da kann man sogar noch Englisch dabei üben), und die wichtigsten Punkte sind:

 
 
  • Negative Stereotypen gegen Roma werden fortgeführt, mit einem Vokabular, wie es neofschistische Gruppen benutzen,

  • Mangelnde wissenschaftliche Genauigkeit. Wenige Fälle werden generalisiert.

  • keine Objektivität, die Meinung des Produzenten steht im Vordergrund. Das zeigt sich im gesamten Film, wo alles zu dem Schluss führt, dass Roma, kulturell bedingt, anfällig für Kriminalität und Kinderausbeutung seien.

  • Kinder so grob der Kamera auszusetzen mit der Begründung, ihre Rechte zu verteidigen, ist höchst unangemessen. Ebenso haben die interviewten Erwachsenen sicher nicht den Hintergrund zu beurteilen, welche Auswirkungen solch eine Doku haben kann.

Die ausführliche Korrespondenz und detaillierte, äußerst sachlich vorgetragene Beschwerde hatte keinen Erfolg – der Film schon („Strong piece of Journalism“), die Doku bekam 2009 sogar noch einen Preis der Foreign Press Association, London, als bester Sonderbericht des Jahres, als „Beispiel für wirklich ausgezeichnetes Fernseh Geschichten Erzählen, brilliante Kameraführung und großartige Effekte, die einen Film ausmachen, der sich wunderbar entfaltet und entwickelt, um ein kraftvolles Licht auf eine ergreifende Geschichte zu werfen.“

 
 

Trotz großer Unterstützung der Beschwerde, bis hin zum Europarat, hatte auch die dritte Beschwerde keinen Erfolg.

Es geht auch anders. Natascha – der Film. Zwei Jahre lang begleitete Ulli Gladik Natasha bei ihrem Bettleralltag in Graz und ihrem Familienleben in Bulgarien. Auch hier Bettler, auch hier Roma. Aber nach diesem Film geht man an keiner Bettlerin mehr vorbei, ohne ihr was zu geben.

NAtascha

Sprache 

25. Januar 2011

...warum ich mich weigere, mich einer elaborierten Sprache zu befleißigen...

 

weil diesen Satz schon min. jeder Dritte nicht mehr versteht!

„Die Lösung des angeblichen Sprachrückstandes der Unterschichten solle also nicht darin bestehen, die Mittelschichten nachzuahmen, sondern in einer größeren Toleranz für die Sprache der Unterschichten. Sie sei nicht schlechter (defizitär), sondern nur anders.“ wikipedia über restringierten und elaborierten Sprache

 
 

Früher gab's mal die Devise: benutze keine Fremdworte, keine Fachsprache, die NormalbürgerInnen nicht verstehen. Sprich verständlich und in Alltagssprache.

Davon merke ich nicht mehr viel. Heute distinguiert man sich wieder über gehobene Sprache, erhebt sich über „niedere“ Leute mit ihrer „primitiven“ Ausdrucksweise.

 
 

Rolf Jüngermann in telepolis:

„Aber auch ein deutlicher Mangel an kritischer Distanz zum eigenen Sprachgebrauch und Sprachniveau hat hier seinen Ursprung. Das Bewusstsein für das ganze Ausmaß der Verständnisprobleme von Schüler mit "restringiertem Code" und der Wille und die Fähigkeit, damit angemessen umzugehen, sind oft kaum oder gar nicht vorhanden - mit gravierenden negativen Rückwirkungen auf die Unterrichtserfolge bei Kindern aus mehr oder weniger bildungsfernen Elternhäusern, die bekanntlich nicht nur den "elaborierten Code" der Lehrer nicht selbst aktiv benutzen können, sondern auch mit dem passiven Verständnis desselben große Probleme haben bzw. glatt daran scheitern. Für sie erfolgt der Unterricht am Gymnasium, auch wenn er auf Deutsch stattfindet, im Grunde in einer Fremdsprache. “

Oder in Teil 1 des Interviews:

„Hat dieses Kind an einem deutschen Gymnasium "so wie es nun einmal ist" eine Chance? Jede Grundschullehrerin weiß: Wer am Gymnasium bestehen will, braucht einen ganz bestimmten sozialen und familiären Hintergrund, einen ganz bestimmten persönlichen Habitus, ganz bestimmte Merkmale und Qualitäten, von denen der blanke Fachleistungsaspekt nur einer unter vielen ist. Und entsprechend entscheidet sie.“

 
 

Das hier ist eine schöne Liste zum Auswendiglernen ;-)

„Die Faktoren, Verfahrensweisen, Regelungen und Gewohnheiten, das ganze Ensemble der Verhältnisse am Gymnasium mit den hochgradig sozial selektiven Folgen habe ich versucht unter dem Begriff "gymnasialer Habitus" zusammenzufassen. Als Hauptkomponenten des gymnasialen Habitus möchte ich nennen:

  1. Logozentrismus, d.h. auf die Spitze getriebene Fixierung auf Sprache und auf Sprachgewandtheit in allen Fächern

  2. Die zweite Fremdsprache als obligatorischer Schwerpunkt statt eines breiten Wahlpflichtangebotes

  3. Sozial selektive Fremdsprachendidaktik

  4. Das gymnasiale Pädagogische Qualifikationsproblem, d.h. die mangelhafte pädagogische Qualifikation des pädagogischen Personals an Gymnasien

  5. sehr starke Progression der Anspruchsniveaus ab einem sehr frühen Zeitpunkt

  6. Didaktischer Konservatismus in Mathematik und Naturwissenschaften

  7. Systemimmanentes Analphabetentum in Hinsicht auf Technik/ Polytechnik, auf die Arbeitswelt und in abgemilderter Form auch auf die Ökonomie

  8. Intellektualismus, Formalismus, abstraktes Denken und abstrakte Sprache in unnötig zugespitzter Form

  9. Die Sprachbarriere zwischen Lehrer und Schüler

  10. Frontalunterricht“

Dazu passt auch die Diskussion um ein anderes Distinguierungsmittel: Lärm. Sieglinde Geisel legt in: Sternstunde Philosophie des Schweizer Fernsehens dar, wie Lärmempfindlichkeit als Attitüde der Verfeinerung mit dem Bürgertum entstand. Die Sendung kann online geguckt werden, oder auch heruntergeladen. Hier >> (9.1.)

Oder das Verbrechen, andere nicht ausreden zu lassen!

 
 

Übrigens kann ich mich erinnern, das früher auch alles mal verinnerlicht gehabt zu haben. Als zB ABBA oben war – wie habe ich mich über Fans im Freundeskreis aufgeregt, mit einem so primitiven simplen Musikgeschmack! Auch wenn sich jemand modisch zurechtmachte – wie billig! wie unselbständig, unkreativ, unmenschlich! Statusprodukte – wie dumm! Geld – schmutzig!

Bis ich merkte, dass eben jene Leute, die sich vornehm über solche Dinge stellen, in Wirklichkeit genauso darauf reagieren: Geld, neues Auto, schickes Aussehen. Das zieht in jeder Schicht! auch wenn man sich theoretisch noch so sehr dagegen wehrt.

Dieses Sich selbst Belügen, diese Gespaltenheit, dieses Unverbundensein mit den eigenen Gefühlen und auch mit anderen – das ist es, was gehobenere Schichten auszeichnet.

Beispiele aus dem schon erwähnten Wikipedia Artikel:

  • „Mutter zum Kind: „Würdest du mir bitte den Gefallen tun und etwas leiser sein?“ (elaboriert); „Sei leise!“ (restringiert)

  • Auf der Straße: „Warum sehen Sie mich so sonderbar an?“ (elaboriert); „Is was?“ oder „Was guckst du?“ (restringiert)

 
 

Also lass uns weiterhin LAUT UND DIREKT sein!

Das war 2010 >>>

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